Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 105 (31.12.1896)
- Date
- 1896-12-31
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448704--43124-2492157- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- rv;vvrv^'f ■r - 7 2227 Darauf wird Moses das Gotteswort, welches ihn zum Gotte für Pharao einsetzt. Daß dies nur mit einer ganz bestimmt gezogenen Einschränkung denkbar ist, constatirt der gewiß nicht ohne Absicht unmittelbar vorher mitgetheilte Stammbaum Moses und Aharons. Sie waren durch Geburt und Abstammung Menschen wie alle anderen, es kann also schon auf Grund dieser Erwägung kein Gedanke der Vergöttlichung eines Menschen im gewöhnlichen Sinne des Wortes aufkommen. Noch schärfer accentuirt diese Unmöglichkeit der Hinweis des Midrasch auf den Wortlaut nnc1? 'x, daß Moscheh nur als Gott für Pharao eingesetzt wurde! Ein Gott für Pharao, dessen Göttlichkeit mit Pharao ansängt und aufhört, dessen Machtbereich nicht über den Erdfleck hinausgeht, den die ägyptische Pharaonemajeftüt ausfüllt, ist kein Gott, in dem gewöhnlichen allumfassenden Sinn dieses Wortes. Wenn aber hier dennoch von einem Gott für Pharao gesprochen wird, so dürfte nach dem ganzen Zusammenhang damit Moscheh von Gott gesagt worden sein: Du mißbilligst den bisherigen Gang der Dinge, du hättest ihn anders gewünscht und anders geleitet, wenn es in Deiner Hand gelegen hätte, wenn Du an meiner Stelle gestanden hüllest, so tritt Du einmal an meine Stelle und Aharon soll an die Deinige treten, sei Du Gott für Pharao und Aharon soll Dein Prophet sein. Damit hat Gott seinem Diener einen göttlichen Einblick in seine Waltungsweise gestattet, wie sie dem Menschen sonst nicht vergönnt ist, von der uns aber tausende von Jahren, nachdem sich die Thatsachen vollzogen, einzelne lichte Spuren kenntlich sind, die uns die Pläne und Gedanken Gottes in ihrer unergründlichen Tiefe wenigstens ahnen lassen. Seitdem Moscheh mit göttlichem Blick Pharao's Wesen erkannte, seitdem er als Gott für Pharao bestimmt war, seitdem macht Moscheh seine eigene Unbeholfenheit und Unzulänglichkeit nicht mehr geltend. Je weniger seine Person und sein Wort imponiren, je mehr er höhnend von Pharao abgewiesen wird, desto nachhaltiger trägt gerade Moses Schwäche und Mangelhaftigkeit zur Erreichung des Zieles bei, auf das die ganze Veranstaltung lossteuert.' anse :jrm Brno bvrwr nx 'rix^n: ans® bv n* nx ’dbjb "1 ’:x ’b „Aegypten soll erfahren, daß ich Gott es bin, der ich meine Hand neige über Aegypten und die Kinder Israels aus ihrer Mitte führe." (II. B. M. C. VII V. 5.) Wäre Moses ein genialer Feldherr, ein glänzender Redner, ein muthiger Vorkämpfer für sein zu Boden getretenes Volk gewesen, so hätte man den siegreichen Ausgang nicht auf Gott und sein Eingreifen in die Geschicke der Menschen, sondern auf die persönliche Tüchtigkeit Moses bezogen. Aber auch über Pharaoh, über die Leiden seiner Brüder urtheilt Moses anders, wenn er mit dem Blick sie beurtheilt, der sonst nur Gott vergönnt ist. Als Moscheh, als der Mann mit dem guten, wahren Herzen, das jeden Schlag doppelt empfindet, dem der letzte seiner Brüder ausgesetzt ist, als Mensch mochte Moses wünschen, daß die Tyrannei gebrochen, die Tyrannen gestürzt und seinem gedrückten Volke sofort die Stunde der Erlösung schlage. Aber wenn es Moscheh nunmehr vergönnt ist, den Maßstab der Gottespläne und Waltungszicle der göttlichen Vorsehung an Personen und Geschehnisse zu legen, wie es sonst nur Gott vermag, dann steht ihm das größte Welträthsel in lichter Klarheit gelöst da. Dann sieht er, daß der kecke Uebermuth der Pharaonenherrschaft, wie das in Weh und Leid der Gewalt unterliegende Volk sein Bruder, daß Hammer und Ambos, das Glück der Schlechten und das Weh der Braven, daß alle demselben göttlichen Ziele dienen und es da am meisten fördern, wo wir es am meisten gefährdet glauben. Ein solcher Blick ist daher weit entfernt, denjenigen, der von Gott damit begnadet ist, hochmüthig zu machen. So hat bei aller Bescheidenheit Moses seine eigene Schwäche und Hinfälligkeit niemals erkannt, wie sie sein mit göttlicher Klarheit ausgestattelcr Blick jetzt erschaut. Aber diese Unzulänglichkeit macht ihn nicht ferner verzagt, wie ihn die königliche Machtfülle Pharaos nicht mehr einschüchtert. Was auch zwischen dent letzten schönen Ziele sich an Schwierigkeiten unb Hindernissen in den Weg stellen möge, es wird erreicht werden. Wer aber will den Segen ermessen, den Moses seinem Volke durch diese seine Eigenschaft als 'xn trx für alle Zeit gebracht hat! Noch heute knüpft es deßhalb jede Bitte für sein von elementaren, socialen und politischen Mächten bedrohtes Dasein an die Erlösung von Egypten. n^x: riB’ea Es hat den Anprall dieser gigantischen Mächte, denen sonst alles erliegt, zu oft erfahren und siegreich überwunden, als daß er zagend und fürchtend dem Ausgang dieses ungleichen Kampfes entgegensehe. Wie Gott Moses, so hat er auch sein Volk mit dieser Göttlichkeit begnadet. bv' s'L'-.b bx'V" '.ur.zb pv'-v px ct *f?c . ir: 'zvb rv bx'^b r/zpn „Das Gewand eines irdischen Königs darf kein anderer anlegen. Israel aber kleidet sich in das Gewand, das ihm der Heilige gesegnet gegeben, denn es ist gesagt: Gott hat feinem Volke die Unüberwindlichkeit verliehen." (Midr. Jalkut z. St.).