Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 105 (31.12.1896)
- Date
- 1896-12-31
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448704--43123-2492156- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2226 Moses, der Gott Pharaos. (Zu Parafchat am) Mainz, 30. Dez. Nnsere Sidra enthält den merkwürdigen Ausspruch: 7™ pnw nneS 'x "pnn: nxi ntra ^x 'n ->vxi “pww N'N' „Es sprachGott zu Mo sch eh, siehe ich setze dich als Gott für Pharao ein und Aharon dein BrudersolldeinProphet sein." (II. B. M., Cap. VII, V. 1.) Die Erklärer des einfachen Wortsinnes der Thora faffen das Attribut 'x in diesen Worten nicht in seiner gewöhnlichen Bedeutung als Gott, sondern als tssiB» Richter auf, in welchem Sinne es ja thatsächlich an verschiedenen Stellen gebraucht wird. Dem dürfte die Erwägung entgegen stehen, daß Gottes Wort ja leicht dem Mißverftändniß der Vergöttlichung eines Menschen hätte ertgegen treten und sagen können: rvntb bbip yn« run Ich setze dich als Richter für Pharao ein. Die Weisen im Midrasch zur Stelle fasten daher den Ausdruck 'x in seiner gewöhnlichen göttlichen Bedeutung auf, jedoch mit einer charakteristischen Einschränkung, die sich in folgende Worte kleidet: nvr im xnn 'x ~b Tunp» xb rrnpn rv^ -«x ^x 'x iz-i": icix x:rr pi njns bv x^x mx nnx px -pby -pnn: 'xoir njnc bv x*?x m^x nnx px n ’jx v^x -ivx': . nyis^> 'x „Es sprach Gott zu Moscheh, nicht weil ich dich Gott nenne, könntest du dich überheben. Du bist nur Gott für Pharao. Denn so ist es ja gesagt: Es redete Gott zu Moscheh: Ich bleibe Gott! Du bist nur Gott für Pharao, denn es ist gesagt: Ich setze dich als Gott ein — für Pharao" (Midrasch Jalkut z. St.) Zur Erklärung dieser eigenartigen Thatsache, welche einen Menschen, und selbst, wenn es ein Moses ist, geradezu mit göttlichem Attribute belegt, müsten wir uns zunächst in die bisherige Sendung Moses verliefen, für welche er mit dieser göttlichen Machtvollkommenheit ausgeftattet wurde. Wenn Menschen einen Führer ausgesucht hätten, um ein in hundertjähriger Sklaverei seufzendes Volk aus der Botmäßigkeit und dem Lande des mächtigsten Culturstaats in die Freiheit, in die Wüste, zum Empfang des Gottesgesetzes an den flammenden Sinai zu führen, ihre Wahl wäre nie und nimmermehr auf Moses gefallen. Diese schüchterne, zaghafte Bescheidenheit, die sich dieser Aufgabe selbst dann nicht gewachsen glaubt, wenn Gott ausdrücklich das Gegentheil behauptet, muß sich nach menschlicher Austastung schlecht für eine solche Rolle eignen, die Männerstolz vor Königsthronen und den Launen des eigenen Volkes gegenüber, die aber vor allem Vertrauen in sich selber gebieterisch verlangt. Von alledem hatte Moses nichts. Nicht einmal das Wort stand ihm zur Verfügung, er war schweren Mundes und war dafür auf seiuen Bruder Aharon angewiesen. Der anfängliche Erfolg oder vielmehr Mißerfolg der Sendung Moses mußte die eigenen Bedenken gegen Uebernahme dieser Riesenaufgabe nur allzusehr bestätigen und die getroffene Wahl als eine verfehlte erscheinen lasten. Wohl hatte er bei seinen Brüdern Vertrauen in die Göttlichkeit seiner Sendung vorgefunden, aber nicht bei ihrem Tyrannen. Dieser verschärfte noch den Druck zur unerträglichen Härte gerade in Folge der Intervention Moschehs und Aharons, so daß sie die Vorwürfe der eigenen Brüder über das Verfehlte ihrer Sendung hinnehmen mußten und sie nicht mehr auf Moscheh hörten, wegen Kürze des Geistes und schweren Dienstes. Wir können einem Moses den bitteren Unmuth darüber nachfühlen, daß es das Loos seines Volkes nicht nur nicht erleichtert, sondern verschlimmert hatte, wenn sich derselbe in die Worte kleidet: „Mein Herr, warum läßt du es diesem Volke so bös ergehen und warum hast du mich gesandt. Seitdem ich zu Pharao gekommen bin, zu sprechen in deinem Namen, ist es diesem Volke erst schlimm ergangen, aber errettet hast du dein Volk nicht." (II. B. M., C. V, V. 22, 23 ) Diesem Ausbruch bitterer Verzweiflung folgt dann die tröstliche göttliche Versicherung, daß gerade jetzt, nachdem die Noch ihren Höhepunkt erreicht hat, Moscheh sehen werde, was Gott an Pharao thun wird, daß er Israel mit starker Hand entlasten, ja sogar aus dem Lande treiben werde. Es folgt dann der Hinweis auf die Thatsache: 'n ^x, daß Gott auch unter diesen trüben Umständen den Faden der Ereigniste und ihre glückliche Gestaltung in seiner mächtigen Vaterhand hält. Dieser Faden reicht weit zurück zu den Ahnen und dem bereits mit ihnen geschloffenen Bündniß und führt an die Stelle zurück, von welcher er ausgegangen ist, über die egyptische Knechtschaft und die Erlösung aus ihr in das den Enkeln verheißene Land der Väter. Aber Moses gewinnt für diese Verheißung nicht mehr den verlorenen Glauben des Volkes wieder. Konnte doch die erneuete göttliche Verheißung, die ihm Trost und Muth in die Seele reden wollte, nicht einmal die Bedenken verscheuchen, die sich in der eigenen Brust des Führers wieder und wieder gegen seine Qualification zur Erfüllung dieser Aufgabe regten. Auf den gemestenen Befehl Gottes Pharao lediglich das aufgetragene Wort Gottes zu verkünden, folgt trotz allem Voraugegangenen die verzagte, kleinmüthige Weigerung: „Siehe, ich bin ungefügiger Lippen, wie wird Pharao auf mich hören!" (II. B. M., C. VI, V. 30).