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Der Israelit · 1896-12-31 · Heft 105 (31.12.1896) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 105 (31.12.1896)
Date
1896-12-31
Page
– (sequence 19)
Language
German
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2225 Was endlich He Erfahrungen über den Einfluß der Neligionsgebräuche der Juden auf den Militärdienst, also das Halten der Sabbathe und Festta e, ihre Nitualgesetze und Ceremonialvorschriften betrifft, so gehen die Urthcile der Generalkommondos hierüber ganz übereinstimmend dahin, daß hieraus kein Nachtheil für den Dienst entstanden sei. Nirgends ist religiöser Reibung gedacht. Beim 2., 4. und 7. Armeekorps ist vielmehr noch insbesondere gemerkt, daß die jüdischen Festtage, Gebräuche rlnd Neligionsbegrifse den Anforderungen des Dienstes stets willig nachgesetzt sind. Das Generalkommando des 5. Armeekorps hebt hervor,wie die jüdischen Soldaten sich ganz der Lebensweise ihrer christlichen Kameraden hingcbcii; und beiiu 6 Armeekorps wird speziell erwähnt, wie die jüdischen Gebräuche selbst beim Stubendienst und den Mcnagewirthschasten keine Störungen verursacht haben. Faßt man den Inhalt dieser Ermittelungen zusammen, so darf man als erfahrungsmäßiges Resultat annehmen, daß die Juden des Preußischen Heeres von den Soldaten der christlichen Bevölkerung im Allgemeinen nicht erkennbar unterschieden sind, d s; sie im Kriege gleich den übrigen Preußen sich bewährt, im Frieden den übrigen Truppen nicht nachgestanden haben; daß ferner insbesondere die jüdischen Neligonsverhältnisse nirgends als ein Hinderniß beim Kriegsdienste hervorgetretcn sind. „Erwägt man nun, daß d e Inden, nachdem sie von Sr. Majestät dem Könige durch die Perordnung vom 9. Februar 18 Lund das Gesetz vom 8. Septnnber 1814 tu Gemeinschaft mit der christlichen Bevölkerung zuin Kriegsdienst berufen worden, in der Zeit der Gefahr nicht hinter den christlichen Einwohnern zurückgeblieben sind, sondern an der Vaterlandsverthcidigullg Antheil genommen haben, ihrem Verhalten in den Befreitlngskriegen auch, soweit bekannt, die Anerkennung nicht versagt werden darf; daß sie seitdem im Friedcnsdicnste sich überall zur Zufriedenheit geführt haben, erwägt man ferner die Eigettthi'uulichkeit der Preußischen Kriegsverfassung, die ihr beiwohnende Ehrenhaftigkeit und das in ihr gebotene Mittel sittlicher Verbesserung, so tritt in einer Enthebmrg von der Kriegspflicht so überwiegend die Entziehung eines Vorzuges, einer Berechtigung hervor, daß inan nicht umhin kann, sich für die Ausdehnung der Militärpflicht auf alle Landestheile auszusprechen, wo sie noch nicht besteht." Wir dürfen wahrlich stolz sein aus ein derartiges Zeugniß und können immer daraus verweisen, lvenn man uns die Qualifikation jum Militärdienst absprechen, die Leistungen der jüdischen Soldaten verkleinern will. Freilich seit 1847 besitzen wir keine amtliche Bestätigung unseres kriegerischen Werthes mehr, aber mit Recht verweist die Vorrede des Werkes darauf, daß auch nicht der Schatten irres Beweises für die Annahme vorliegt, es sei unsere militärische Brauchbarkeit seit 1847 hinuntergcgangen. Eher könnte mair umgekehrt folgern, die Fortschritte der Emanzipation müssen unsere Anhänglichkeit an Preußen u. Deutschland noch gesteigert haben, die Besserung der materiellen Lage kat die körperliche Qualifikation der Juden für den Soldatenstand gehoben. Und wiederum mit Recht weist die Vorrede darauf hin, daß nach den großen Kriegen von 1866 und 1870/71 keine Stimme laut wurde, um unsere Soldaten herabzusetzen, daß es erst lOjäh.iger antisemitischer Verhetzung bedurfte, ehe dieser Vorwurf auftauchte. Mau kann noch vielleicht hinzusetzen, im Felde wurden unsere Glaubensgenossen Qffiziere, nach dem ersten Jahrzehnt seitdem aber nur noch ganz selten und die jahrzehntelange Praxis der letzteren Art hat im Volk erst die Anschauung von der geringeren militärischen Tüchtigke t der Juden hervorgcrufen, die den Antisemiten zu Stattell kam. Darum ist jenes Urteil der berufensten Behörden, wie kaum e>'n zweites Argument geeignet, die Vor» würfe unserer Hasser zu widerlegen. Auch seit 1847 haben jüdische Soldaten auf allen Schlachtfeldern geblutet, auf denen preußische Truppen fochten. Wir finden eine Line von 67 Mann, die 1848—50 theils in Schleswig-Holstein, theils gegen die aufrührerischen Polen oder gegen die Revolution in Baden sockten Dann folgt ein Verzeichnrtz von 194 jüdischen Soldaten, welche 1864 in Schleswig-Holstein mitgekämpft haben, darunter eine ganze Anzahl Verwundeter und Todter, sowie auch mehrere, welche sich Tapferkeitsmedaillcn und Militär-Ehrenzeichen erworben haben. Ungleich umfangreicher wird schon die Liste der jüdischen Kämpfer aus dem Kriege von 1866 Sie zählt 1025 Namen, vorzugsweise Preußen, aber auch Bayern, Hannoveraner und andere. Selbstverständlich ist die Zahl der Tobten und Verwundeten, der Beförderten und Dekorirten fchon nicht unbedeutend, aber cs ist auch die ganze Liste noch sehr lückenhaft. Erst mit dem Jahre 1870/71 treffen wir auf Verzeichnisse, die uns eur annäherndes Bild geben von der wirklichen Leistung der jüdischen Soldaten in dem großen Kriege. 1101 jüdische Gemeinden sind unter den Angaben vertreten, der Zahl nach wohl 2/s der deutschen Gemeinden, aber doch wohl der Seelenzahl nach etwas weniger, denn die Großgemenrden fehlen gerade. Wenn wir daher 4492 Namen von jüdischen Soldaten, die fast sämmtlich aus diesen 1101 Gemeinden stammen, aufgcführt haben, so werden wir mit Sicherheit auf 12 —15 000 jüdische Soldaten schließen dürfen, die 1870/71 mitgefoclsten haben Dies ist aber reichlich die Ziffer, welche man nach der Scclcnzahl der Juden in Deutschland zur Zeit des großen Kr egcs erwarten durste. Eine andere Lifte von 448 Namen zeigt uns diejenigen unter jenen 4492, welche im Feldzuge verwundet oder getödtet wurden und ein Verzcickmiß 378 jüdischer Soldaten zählt alle auf, welche, soweit bekannt, das eiserne Kreuz oder eine ähnliche Auszeichnung der anderen deutschen Bundesstaaten erhalten haben. Allein von eisernen Kreuzen sind 327 darunter und wollte man annclnnen, daß auch unter jenen unbekannt gebliebenen ca. 10 000 Soldaten unseres Glaubens, welche 1870 auch mitfochten haben, im gleichen Verhältnisse Auszeichnungen verliehen sind, wir kämen zu dem Resulrat, daß sich die jüdischen Soldaten doppelt und dreifach so oft ausgezeichnet hätten, als die Nichtjuden. Wir wollen nicht so weit gehen, aber das steht fest, sie haben sich nicht schlechter geschlagen, als die Nichtjuden und bics unwiderleglich nachgewiesen zu haben, ist ein großes Vcidienst des Eomites, welches das gen. Buch herausgegeben hat. Es ist übrigens sicher, daß sobald das Buch weitere Verbreitung gefunden hat, noch viele Nachträge eingehen werden und bei einer eventuellen zweiten Auflage wird eine bedeutende Ergänzung der Listen wahrscheinlich möglich sein. Sowohl zu 1866 als 1870/71 sind noch eine Reihe von einzelnen Episoden angeführt, in denen sich jüdische Soldaten hervorgethan haben und diese kleinen Mrscellen dienen vortrefflich zur Illustration der Ergebnisse aus den Tabellen. (Ein zweiter Artikel folgt.) Oreis Räthsel. (Hebräisch.) Wer da will meinen Namen tragen, Muß wahrhaft sein ein sronlmer Mann. Ein Bogcl, der oft fliegt in Schaaren Bin ich, hängst Du ein 71 mir an. Bruchsal. Leo Levin. Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wird geloost und erhält der Gewinner ein Werk auunserem Verlag.

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