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Der Israelit · 1896-12-31 · Heft 105 (31.12.1896) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 105 (31.12.1896)
Date
1896-12-31
Page
– (sequence 18)
Language
German
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2224 definitiv fest, daß 77 °/0 der Soldaten unseres Glaubens als Freiwillige eintraten, während nur 23 "/„ Ausgehobene waren, mit anderen Worten, von den Israeliten war die ungeheuere Mehrzahl nur von ihrer Vaterlandsliebe getrieben, freiwillig zu der Fahne geeilt und nur ein Viertel wartete die Aushebung ab. So zahlreiche Beweise die ganze Bevölkerung Preußens damals von ihrem Patriotismus gab, gleiche Opferwilligkeit ist doch bei den Nichtjuden selbst damals nicht vorgekommen, wie sie die Juden an den Tag legten. Ein Dankschreiben der Kgl. Prcutz. Ncg.-Kommission zu Brom; berg an die Judenschaft von Jnowrazlaw ist mit abgedruckt, welches die wiederholten Beweise von treuer Anhänglichkeit an „König und Vaterland" rühmt und keineswegs das einzige seiner Alt war. A er die „Bekenner des mosaischen Glaubens" zeichneten sich nicht nur durch ihren Eifer aus. die Leistungen ihrer Freiwilligen und ausgehobenen Soldaten sind ebenfalls des höchsten Lobes werth geworden. Daß cs heute nach mehr als 80 Jahren sehr schwer ist. noch die Namen rc. jener Befreiungskämpfer festzustcllcn, bedarf keines Wortes, und wenn es dem Eomite gelang, noch 125 von jenen 731 namhaft zu machen, so ist dies schon ein zufriedenstellendes Resultat Aber von diesen 125 haben nicht weniger als 16 das eiserne Kreuz erhalten, 19 es bis zum Lieutenant während des Kriegsdienstes selbst gebracht und wie viele mögen unter den 600, deren Namen in Vergessenheit geratbcn sind, noch die gleichen Auszeichnungen errungen haben. 17 von diesen 125 Helden haben mit ihrem Blute ihre Treue gegen Preußen besiegelt und in dem gen. Werke sind von einigen der aufgeführten jüdischen Soldaten Stückchen mitgetheilt, die von ganz besonde er Bravour zeugen. So ist es denn nur eine Bestätigung der sestgestellren Tdatsachen, wenn wir in dem ebenfalls abgedruckten bekannten Briefe des Fürsten von Hardenberg an den Grafen Grote lesen.' „Die jungen Männer jüdischen Gla. bens sind die „Waffengesährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen und „wir haben auch unter ihnen Beispiele des wahren Helden- „muthes und der rühmlichen Verachtung der Kriegsgefahren „aufzuwcisen; sowie die übrigen jüdischen Einwohner, namcnt- „lich auch die Frauen, in Aufopferung jeglicher Art den „Christen sich angeschlosseu." Diese Ehrenerklärung ist freilich nur das Zeugniß eines Einzelnen und noch dazu eines Civilistcn, das Eomite hat daher sehr Recht daran gethan, noch ein Aktenstück abzudrucken, das in der That von höchster Wichtigkeit ist. Als nämlich 1847 der Vereinigte Landtag von Preußen das Judengesetz berieth, welches noch heute die Grundlage der Gemcindcverhältnisse in den alten preußischen Provinzen bildet, kam auch die Frage wieder zur Diskussion, ob man den Juden die Berechtigung lassen solle, Soldaten zu werden oder sie, wie einige vorschlugen, gegen Zahlung einer Wehrsteuer vom Militärdienst entbinden wolle. Da legte das Kriegsministerium die Ergebnisse einer Enquete über diese Frage vor, die bei den sämmtlichen Armeekorps und T:uppentheilen veranstaltet worden war. Die Antworten sind so durchweg gute, daß sie sicher heute sogar manchen Juden und Judenfreund überraschen werden, der sich vom Geschrei der Antisemiten verwirren ließ. Aber selbst unsere Hasser werden dem preußischen Kriegsministerium und den Kommandos der Armeekorps in der preußischen Armee weder die Competenz in dieser Frage bestreiten können, noch werden sie es wagen, dieselben der Parteilichkeit zu beschuldigen. Dies Aktenstück „Auszug aus der Denkschrift des Ministers des Innern über die Ausdehnung der Militärpflicht der Juden" betitelt, ist daher von so großer Wichtigkeit, daß wir wenigstens die bedeutsamsten Stellen vollständig abdrucken wollen, da ja doch nur ein Theil unserer Leser das Buch, das wir besprechen, selbst lesen wird, dies Aktenstück aber die weiteste Verbreitung erhalten soll. Verhandlungen des vereinigten Landtages von 1847. Auszug aus der Denkschrift des Ministers des Innern über die Ausdehnung der Militärpflicht der Juden. Was die bisherigen Erfahrungen über den Militärdienst in der Preußischen Armee im Frieden und im Kriege anbetrifft, so hat das Königliche Kliegsministerium auf Veranlassung des Ministers des Innern bei den sämmtlichen Armeekorps und Truppkntbcilen hierüber umfassende Ermi tclungcn angestellt, deren Ergebniß zunächst für den Dienst im Frieden Folgendes ist: Ihre Führung wird beim 1. und 2 Gardekorps mit wenigen Ausnahmen als sehr gut bezeichnet; beiin 3. Armeekorps desgleichen, sowohl d enstlich als außerdienstlich, als gut; beim 4. Arnreekorps denr größeren Thcile nach zur Zufriedenheit und ohne wahrnehmbare Verschied.uhcit von den Soldaten christlichen Glaubens; beim 5. Armeekorps mit nur geringe« Ausnahmen als gut: beim 6. A meckorps ist vorherrschend guter Wille und aufmerksame Pflichte füllung anerkannt — unter 587 Manu wird die Führung von 24 Manu schlecht, bei 73 mittelmäßig, bei 490 aber gut und sehr gut genannt; beim 7. Armeekorps wird ihnen in moraGcher rnrd dienstlicher Beziehung mit wenigen Ausnahmen das ungethciltcste Lob gegeben; beim 8. Armeekorps ist ihre Führung fast ohne Ausnahme durch.Gehorsam, Dienstwilligkeit und einen guten moralischen Lebenswandel ausgezeichnet gewesen; bei der Artillerie gut, theilweise sehr gut; bei den Pionieren werden sic als ordentlich und gehorsam bezeichnet. Beim 1 , 2 und <». Armeekorps wird übrigens noch besondc s hcrvorgchoben, daß sie sich zu den ÜaubwefjnifmuQen pünktlich gestellt haben, und beim 8. Armeekorps, daß sie sich dabei durch große Folgsamkeit uns stilles Benehmen ausgezeichnet lieber das Verhalten der Juden im Kriege haben die Ermittelungen des Kriegsministeriums zrr keinem Resultate von der wünschenswcrtheir Vollständigkeit gefü rt, indem beim 1.. 7. und 8. Armeekorps uird bei der Artillerie wegen Mangel der Listen die Zahl der jüdischen Soldaten in den Kriegsjahren nicht auszumittckn gewesen ist, beiden Pionieren aber kein Jude deir Feldzug mitgenracht hat; auch beim 5., 6. und 8. Armeekorps und bei der Artillerie in Ermangelung der erforderlichen Notizen keine Auskunft über ihre Führung hat crtheilt werden können. Indessen hat sich auch ergeb.n, daß beim 2, 3. und 5. Armeekorps ctrva je 40 Mann, bei 6 60 Mann, beim 4. 80 Mann jüdischen Glaubens; cdient haben, und es ist besonders angeführt, daß sie beim 2. und 3. Armeekorps fast sämmtlich, resp größtentheils; beim 5. Armeekorps wenigstens die Hälfte: beim 4 Armeekorps unter den überhaupt 80 Mann 2 Juden als freüvillrgc Jäger eingetreten sind, während beim 1. Armeekorps, obschou die Listen fehlen, doch als seststchend bezeichnet wird, daß sich im Kriege mehr Freiwillige als int Frieden gemeldet haben. Ihre Fühlung tm Kriege wird beim 2 und 3. Armeekorps als gut bezeichnet, und beim l. tztcren wie beim 2 Armeekorps wird anerkannt, daß sie zum Theil mit besonderer Ausze chnurrg gedient haberr, wie denn auch beim 7. Armeekorps ihnen das Zeugniß gegeben wird, sich dem Feinde gegenüber sehr brav benommen zu haben; und vom Generalkommando des 1. Armeekorps angeführt ist, daß ihre im Kriege geleisteten Dienste gelobt rvürden. In Vergleichung mit Soldaten christlichen Glaubens bemerken nicht allein Gerreralkomaudos des 4 und 7. Armeekorps keinen Unterschied, sondern das 2. Armeekorps findet, daß die Juden den übrigen R kruten in der Ausbildung nicht selten vorausgehen. Das Generalkommando des 8. Armeekorps erklärt die moralische Qualifikation der Juden für den Kriegsdienst unbestreitbar.

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