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Der Israelit · 1896-12-31 · Heft 105 (31.12.1896) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 105 (31.12.1896)
Date
1896-12-31
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XUm Jahrgang. Zweite Miaue;u M105 des ,Jsraeltr. Leitende Artikel. Die Juden in Deutschland, ir. Die Juden als Soldaten« Ein starker Band von 107 Seiten, die Borrede nicht mitgerechnet, der da vor uns liegt, mit einer Fülle von Material in schönen geordneten, übersichtlichen Tabelleii, mit vielen Tausenden von N.-men und Zistern, im ersten Augenblick fast zu viel, so daß wir uns verwirrt sragen, soll mau das Alles lesen. Aber wenn wir dann uns doch entschließen uns mit VnJ/!4Üudi näher zu beschäftigen, so finden wir in der Vo.n - t :.- Fadei . der uns durch die Menge der Tabellen als ' d'<". en kann. Was wir indessen in dem Buche fiubc;;, * e Mühe reichlich, die das Lesen im Anfänge ui lr ..,t, denn ein glänzenderes Ehrenzeugniß, für d . otismus der Juden, wie für ihre Leistungen im Kriege läßt sich kauni denken. Das Werk bietet reiches Material über unsere Glaubensgenossen in Preußen in den Feldzügen von 1813/5, 1848, ING! mtb 1800, in ganz Deutschland aus dem Jahre 1870/71, dann ferner über die Juden in Oesterreich. Italien, Flankreich, Euglatid, Rußland, Holland :e. und dieses Material ist daun gesichtet und in ou Vorrede zusammengestellt, daß auch derjenige, der nur d.ese liest, ein Bild von den Resultaten des Buches erhält. Das rührige Comite zur Abwehr antisemitischer Angriffe hat die Pause, die in der Entwickelung des Antisemitismus cingetreten ist, nicht ungenützt wollen vorübergclicn lassen Da die laute Hetze auf der Straße und in den Versammlungssälen wenigstens in Nord- und Ostdeutschland verstummt ist, so hat cs sich zur Aufgabe gestellt den latenten Antisemitismus, der leider in allen Parteien fast ohne Ausnahme, Ausbreitung gefunden hat und nur zu sehr auch in die Regierungskreise eingedrungen ist, zu bekämpfen. Das Comite kann dies nicht besser thun als durch streng wissenschaftlich gehaltene Arbeiten, in denen die wahr-n Verhältnisse der Juden dargelcgt werden. Rur durch die tiefe Unkenntniß der wahren Lage der Juden, ihrer moralischeil und materiellen Qualitäten erhalten sich noch so viele Vorurtheile gegen uns sogar bei den Gebildeten und. wie wir mit Bedauern sagen müssen, dadurch daß selbst soviel Gebildete aller Klassen die mittelalterlichen Vormtheile sglauben, haben sich gar sehr viele Juden, die freilich oft vom Judenthum weniger wissen, als die Christen, beeinflussen lassen, und glauben selbst daran. So ist es denn ein großes Verdienst des Comites, daß es nach einander durch Veröffentlichung des Stenogramms des Buschoff-Prozesses die Ritualmordfabel beleuchtete, dann eine große Samnrlung der Gutachten zur Schächtfrage veranstaltete, welche endgültig festgestellt hat, daß unsere rituelle Schlachtmethode eine durchaus humane ist, und endlich durch das im vorigen Jahre erschienene Werk über die Kriminalität der Juden uachwies. daß dieselben auch in dieser Beziehung allen anderen Religionsangehörigen nicht nachstehen, sie vielleicht ubcrtreffen. Mit seiner diesmaligen Publikation geht aber das Comite einem Vorurtheil zu Leibe, das vielleicht das verbreitetste von ollen, jedenfalls aber das schädlichste ist Bei einem so kriegerischen Volke, wie das deutsche, in einem Staate, in dem der Militärftand unbestritten der erste Stand ist, gilt es als der schwerste Tadel, wenn einer Gemeinschaft vorgeworfen wird, ihre Angehörigen seien für diesen Stand nicht geeignet aus moralischen und körperlichen Gründen, sie hätten weder den nöthigen Muth, noch die nöthigen Körperkräfte zum Soldatenberuf und selbst wenn die letzteren vorhanden seien, so entzögen sie sich feige der Ausübung durch allerlei Kniffe. Dieser Vorwurf ist von unseren Feinden so oft wiederholt worden, daß ihn heute fast alle Christen glauben, ja daß die Juden und die Judenfieunde ihn gar nicht mehr auf seine Thatsüchlichkeit prüfen, sondern die Richtigkeit einfach stillschweigend anerkennen imb nur aus der Geschichte der Juden nach Erklärungen suchen. Das Volk hat aber für derartige historische Entwickelungen nur schwer ein Verständniß und deßhalb hat zu der Verachtung, die jetzt so viele Christen gegen uns Inden hegen, nur zu viel der Glaube bcigctragen, daß die Juden zu feige und schwächlich für das Militär seien. Das wissen die antisemitischen Agitatoren recht gut und sie gehen daher gerne mit diesem Vorwurf krebsen. So rief denn auch einmal einer dieser Leute, Gotteslebcn mit Namen, in einer Versammlung: „die Juden schänden die Front", aber ausnahmsweise fand sich in der Versammlung ein jüdischer Veteran, dessen Brust das eiserne Kreuz schmückt, und dieser ging und verklagte den Gottesleben. Das Gericht ernannte Sachverständige, darunter den Hauptmann Herter, einen bekannten Antisemitenführer, der dann auch in allen antisemitischen Zeitungen annoncirte, man solle ihm Material über die Juden als Soldaten einsenden. Er erhielt und veröffentlichte ca. 80 Zuschriften, viel Geschimpfe über die jüdischen Soldaten war darin, aber nur einer derselben von 1860 war wirklich wegen einer unehrenhaften Handlung bestraft worden. Der jüdische Veteran seinersei s wandte sich an das Comite zur Abwehr antisemitischer Angriffe, um Material über die in Rede stehende Frage zu erhalten, und dieses mußte konstatircii. daß solches Material nur ganz verstreut vorhanden war. Es ließ indessen dasselbe sammeln und setzre die Sammlung auch fort, als Gottesleben den Prozeß zu einem vorzeitigen Abschluß dadurch brachte, daß er durchging. Bei dieser Thäiigkeit zeigte sich freilich, daß alle Sammlungen trotz der großen aufgewendeten Mühe nicht vollständig werden würd-n, es zeigte sich auch, daß einzelne Fehler trotz der größten Vorsicht bei den vielen Tausenden von Angaben wohl Vorkommen konnten, aber andererseits bot sich ein so günstiges Material, daß das Comite sich entschloß, dasselbe doch za veröffentlichen. Den günstigen Resultaten Deutschlands schlossen sich bald eben so erfreuliche Ergebnisse den Forschungen in Oesterreich, Italien und Frankreich an und auch aus England, Rußland. Holland und Nordamerika ergaben sich sehr interessante Resultate. So entstand das vorliegende Buch, dessen Ergebnisse wir nunmehr im Einzelnen besprechen wollen. Das Werk beginnt mit den Tabellen über den Antheil der preußischen Juden an den Feldzügen von 1813/15. In dieser Zeit war die Zahl der Israeliten in Preußen eine sehr geringe, denn die Provinzen, in denen die meisten wohnten, nämlich die polnischen, waren dem preußischen Staate durch den Frieden von Tilsit verloren gegangen So nahm auch nur eine gegen die heutigen Verhältnisse geringe Zahl von jüdischen Soldaten an dem Kampfe Theil, nach einer aus dem amtlichen Militärwochenblatt vom 4. Noo. 1843 waren cs im Ganzen 731, nach privaten Quellen sollen es imnurhin mehr gewesen sein. Aber das Dokument ist doch ein sehr ehrenvolles Zeugniß für den Patriotismus der Juden, denn es stellt auf Grund der amtlichen Quellen

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