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Der Israelit · 1896-12-31 · Heft 105 (31.12.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 105 (31.12.1896)
Date
1896-12-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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2216 weggesetzt; wohl mögen jene Männer, die an der Spitze des Gemeindeverbandes stehen, sich von den edelsten Beweggründen zur Hebung der Religiösität leiten lassen, aber wir halten die Ziele, die jene verfolgen, im krassesten Widerspruch stehend mit den Vorschriften unserer heiligen Lehre. Wir lassen uns durch die Anfeindungen nicht beirren, auf dem Wege fortzuschreiten, den wir als den einzigen richtigen erkannt haben. Wir halten die Fahne des alten, überlieferten Judenthums hoch, wir wollen uns mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bemühen, das Studium der Thora, wie sie unseren Vorfahren am Berge Sinai offenbart wurde, weiteren Kreisen zugänglich zu machen, wir wollen versuchen, die religiösen Institutionen, wie rrpö, nL'ne» nach den traditionellen Grundsätzen einzurichttn und wir hoffen, in der Person des von uns gewählten Rabbiners, des Herrn D r. Lange n den Mann gefunden zu haben, dem es gelingen wiro, in einer Anzahl Gemeinden, zunächst in denjenigen, welche sich in ihrer Gesammtheit dem Verein angeschlossen haben, diese Einrichtungen, wo sie noch nicht bestehen, in's Leben zu rufen. Und nun zum Schluß eine Bitte. Wohl haben sich fast alle Mitglieder des Vereins verpflichtet, die Beiträge auf drei Jahre zu gewähren und wir hegen die feste Zuversicht, daß das Interesse, welches uns in überaus reichem Maße von allen Seiten entgegengebracht wird, nie erlahmen wird; foSt xb w. Um jedoch die Existenz unseres Vereins, der unter so günstigen Ausspicien begonnen hat, für absehbare Zeit ncher zu stellen, müssen wir darnach streben, einen Fonds zu schaffen, der uns aller materiellen Sorgen für die Zukunft enthebt. Daher ergeht an alle Freunde unserer Bestrebungen die ebenso herzliche, wie dringende Bitte, uns durch Beiträge zu unterstützen und auch bei festlichen Gelegenheiten unserer zu gedenken. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Darmstadt. Wie alljährlich, so fand auch heute wieder die Generalversammlung der isr. Religionsgesellschaft hier in der Aula der Letzteren statt. — Bei der gleichzeitig stattgehabten Wahl wurde der langjährig bewährte Präsident und Vorsitzender der israel. Religionsgesellschaft Herr Herz Boden- Heim er, welcher schon so viel für die Religionsgesellschast gewirkt und geleistet hat und als die Haupt- Stütze derselben zu betrachten ist, einstimmig zum Vorstandsmitglieds wieder gewählt. Mit sehr großer Majoriät wurde alsdann Herr August Mainzer wieder zum Ausschußmitglied der isr. Religionsgesellschast ernannt. Herr August Mainzer hat gemeinsam mit Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner D r. Marx w zwei blühende Vereine hierselbst gegründet und ins Leben gerufen, den nbnwan und d’Seij - Verein welche beide eine wahre Zierde und eine große Wohlthat für die Religionsgesellschast sind. Außerdem ist Herr August Mainzer Mitbegründer des Vereins a-n in Pfungstadt und Umgegeip, dessen Mitglieder ihn zum lebenslänglichen Präsidenten und Vorsitzenden des Vereins gewählt hab.n. Nicht minder hat er dazu beigetragen und hauptsächlich seinen Freund, den ersten Vorsteher der israel. Neligionsgemeinde in Lorsch a. d. B., den wackeren Herrn Simon Lorch zu veranlassen verstanden, daß in Lorsch und Umgegend auch ein - v-Verein gegründet wui oe, welcher ebenfalls ein Segen für die dortige Gegend ist. L. E. R. Berlin, 28. Dez. Se. Maj. der König von Italien hat dem Oberrabbiner Dr. Margulies in Florenz den Mauritius-Orden verliehen. Diese Auszeichnung ist unl so höher und bedeutungsvoller anzuschlagen, da der König wiederinn, wie schon so oft, hiermit darthut, daß er auch hervorragende Verdienste innerhalb des gemeindlichen religiösen Wirkens anzuerkennen geneigt ist. Der Mauritius-Orden wird nur selten verliehen und gilt daher als eine besondere Auszeichnung. Frankfurt a. M. Jin V e r e i n f ü r j ü d i s ch e Geschichte iuid Literatur sprach am 21. Dez. Herr Rechtsanwalt Dr. Frankel aus München über Klassizismus undBibel, dieElemente moderner Bildung. Unter den Tages fragen spiele die pädagogische Frage eine Hauptrolle. Es breche sich die Ansicht Bahn, daß wir der Jugend eine wesentlich aus Humanismus und Classizismus sich aufbauende Bildung angedeihen lassen müssen, daß es nothwendig ist, sie mit historischem Sinn auszustatten. Roch ein Schlagwort sei es, das bei Erörterung pädagogischer Probleme in die Debatte geworfen werde: christliche Bildung. Das berühre uns peinlich; wo dies Wort als ein Gegensatz gebraucht werde, sei es geeignet, jedes historisch fühlende Gemüth zu verletzen. Das Wort beziehe sich mehr aus die Moral, als auf den Geist, und wir können behaupten, daß es keine Moral gibt, die nicht jüdisch ist. Denn die Grundlage der Dogmen bleibt die Bibel. Der Redner ging nun dazu über, zu untersuchen, welch' ein bedeutender Bildungsfactor die Bibel heute noch ist und bleiben wiro, und rhr den Classizismus gegenüberzustellen. Die Bibel schreibt nicht sowohl den Glauben, als das Lernen vor. Das Lernen gilt als das höchste Gebot. In früherer Zeit war die Gotteslehre die Quelle alles Wissens. Der Talmud, die Schriften des Maimonides und der viel gelästerte Schulchan-Aruch haben bewirkt, daß bis in das 19. Jahrh. die Juden das gebildetste Volk der

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