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Der Israelit · 1896-12-31 · Heft 105 (31.12.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 105 (31.12.1896)
Date
1896-12-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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2214 zu Ende geht, und es grebt kein Doktor, der mir helfen kann. Schicke zur Chewra Kadischa, damit ich wenigstens mit Minjan meine Seele aushauchen kann. Aber ich kann es nicht thun, ohne Dich über unsere Lage aufzuklären. Wir sind arme, ruinirte Leute. Jede Stunde kann der Gerichtsvollzieher kommen und Beschlag auf unsere Sachen legen. Der Stuhl, auf dem Du sitzest, das Bett in dem ich liege, gehört nicht mehr uns. O, hätte ich Dir damals gefolgt, als Du mir zu Hause in U. abgerathen hast, das Lotterielos zu kaufen. Von diesem Kauf datirt unser ganzes Unglück. Hätten wir nicht sechs Jahre die Annehmlichkeiten des Reichthums gekostet, so wäre es etwas Leichtes in Armuth unser Leben zu verbringen, wie wir es früher thaten. Aber jetzig In wenigen Stunden stehe ich von dem Richter der Wahrheit und ich habe mich zu verantworten nicht mlr für mich, foitbern auch für das Uttglück, in das ich Dich gestürzt habe. Unfern Kindern hat das Geld ihre Jüdischkeit geraubt, unsere Söhne sind uns, unserer Emunoh (Religion) so entfremdet, daß sie mir nicht einmal Kaddisch nachsagen werden. Das Geld hat mich hart und gefühllos gemacht. Vor wenigen Wochen, als ich noch ein Vermögen von 800,000 Gulden besaß, hat mich der Sohn unseres verstorbenen Freundes Lemberger um ein Darlehen von 10,000 Gulden angesprochen, ich habe es ihm verweigert. Diese Gefühllossigkeit hat mein Sündenmaß voll gemacht und hat sich bitter an mir gerächt. Werde ich dem biederen Rabbi Löb in's treue Auge schauen können, wenn ich die Sechijo haben sollte vor dem Bes din schel Maloh mit ihn: zusammen zu treffen?-Meine Kräfte schwinden, ich muß mit ihnen Haushalten. Gehe Du wieder zurück nach U. O, könnt ich mit Dir gehen, und unser armes, aber doch so gottgesegnetes, glückliches Leben dort von neuem beginnen! Sei mir alles mauchel und nun lebe wohl? Chotisi, omisi,- „Jankel! Jankel! Fehlt Euch was, daß Ihr nicht zu Mincho wäret?" ries Rabbi Nochum Seelenfreund durch's halbgeöffnete Fenster hinein. Jankel und Gitel fuhren aus ihrem Sabbatnachmittag-Schlaf in die Höhe. Sie hatten Mincho und das Lernen verschlafen und das glänzende Wiener Leben, ihr so rasch gewonnenes und zeronnenes Glück und Elend, alles, alles, war nur ein Traum, so treu und so natürlich, wie ihn aber nur der Schlaf am Schabbos- Nachmittag zu Wege bringt. Jankel erzählte alles, was er im Traume in so ergreifender Weise durchlebt hatte, seinem braven, wackeren Weibe und meinte, daß er auf solchen ungewöhnlichen Traum morgen Taaniß Cholem halten müffe. Ich sah wie Vater Jacob im Traume eine Leiter, aber nicht eine solche, die in den Himmel, sondern eine, die in den tiefsten Abgrund führte, ich selbst befand mich auf der Leiter und wäre beinahe in den Abgrund gestürzt! Seine Frau schüttelte lächelnd das Haupt und „Man fastet nur we^ vs^n' einen bösen Cholem gehabt hat; - ein guter. Wir Menschen kennen uns ''Aber im Traume hält uns Gottes weise ofteinen Seelenspiegel vor, der unser tiefstes Gemüths- und Seelenleben veranschaulicht, und wir erfahren, wie es unl uns bestellt ist. Vor zwei Stundet: sehntest Du Dich noch nach dem großen Loos und allen damit verbundenen Reichthümern. Jetzt sehen wir, welche Gnade Gott an uns übt, daß er um 'Sreseu Wunsch versagt. Emicho ki anisoni: Ich danke Dir o Gott für die Armuth, mit der Du uns beglückt hast." Auch Jankel stimmte ein in diesen Dank. Er schloß das Geschäft mit Kathiuka nicht ab. Jankel war — kurirt. Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, montaga und Donnerstag, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post <5 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch «. FKteiuacker, -einig, Koßpiatz 1k. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum. 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Griechenland: Papa. — Literarische Notiz. — Letzte Nachrichten. — Vermischtes. Inhalt der -weiten Beilage: Leitender Artikel: Die Juden in Deutschland. — Preis-Räthsel. — Moses, der Gott Pharaos. — Wissenschaftliche Notiz. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.

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