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Der Israelit · 1896-12-31 · Heft 105 (31.12.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 105 (31.12.1896)
Date
1896-12-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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2213 einen Namen zu nennen. Aber als ihn Herr Werner bei der langjährigen Freundschaft mit dem seligen alten Herrn Lemberger beschwor, ihm doch behülflich zu sein, dieser, seiner Firma in so hohem Grade schädigenden Verleumdung entgegentreten zu können, reichte ihm Lemberger das an die Firma Jaques Goldberger u. Comp, gerichtete Telegramm hin mit dem Bemerken, daß der Adressat jedenfalls selbst dupirt worden sei. Das Telegramm war in Pest aufgegeben, aber nicht unterzeichnet. Herr Werner kannte den Pester Vertreter der Firma Goldberger u. Comp. Er steckte das Telegramm in seine Tasche, zahlte Lemberger die 4000 Gulden aus und begab sich sofort zur Criminalbchörde, um den Fall zur Anzeige zu bringen. Diese conftatirte leicht, daß ein Telegramm dieses Inhalts in Pest überhaupt nicht aufgegeben worden war. Herr Werner reiste alsbald nach Wien, erstattete dort Anzeige bei Gericht, was die Verhaftung Jankels und Feiwels, wegen Fälschung einer Depesche und wegen Verbreitung falscher, creditschädigender Nachrichten zur Folge hatte. Jankel wurde zwar nach wenigen Tagen wieder entlassen, nachdem sich herausgestellt hatte, daß er selbst getäuscht worden war. Dagegen wurde sein Compagnon zu mehrmonatlicher Gefäuguißstrafe uud zur Zahlung einer hohen Summe an die Herren Werner und Dahlmann verurthcilt. Die Verhaftung der beiden Chefs hatten in Wiener Börsenkreisen peinliches Aufsehen erregt und den guten Ruf der Firma empfindlich geschädigt. Diese moralische Einbuße und der damit verbundene Geldverlust trieben Jankel zu immer waghalsigeren Spekulationen. Durch Feiwels Verhaftung hatte die ruhige Vorsicht und die kühl erwägende Besonnenheit ihre Vertretung in der Firma Goldberger u. Comp, eingebüßt. Jankel war nur von der Sucht nach Geld erfüllt, aber ihm fehlte die Ruhe und Berechnung, um es durch Speculation zu erlangen. Dabei war Jankel in hohem Grade abergläubig. Er glaubte sein Glück sei an die Persönlichkeit Feiwels geknüpft. Bevor er zur Börse ging, nahm er seine kleine Enkelin Esther, das dreijährige Töchterchen Feiwel's auf den Schooß, hielt ihm das neueste Kursblatt mit der Bitte hin, es solle einmal mit den Fingern darauf deuten. Dieses Experiment hatte Jankel schon oft versucht und immer Glück gehabt, wenn er das Papier kaufte oder verkaufte, auf welches sein kleiner Finanzrath den Finger gelegt hatte. Heute hatte Esther auf Credit-Aktien ihren Großvater verwiesen, die ungemein günstig standen. Er kaufte um 500,000 Gulden, kam schmunzelnd nach Hause und erzählte seiner Gitel, daß er seine Million Gulden endlich beisammen habe, wenn dieses Geschäft nach Wunsch ausfiele. Das war das Ziel, welches er sich gesetzt hatte. Im Besitz einer Million wollte er das Geschäft seinen Söhnen und seinem Schwiegersöhne überj lassen und sich von der aufregenden Spekulation ganz zurückziehen. Die Anfregung hatte Jankel grau und nervös gemacht, obwohl er noch nicht viel über 40 Jahre zählte. Dazu kam die Verhaftung vor wenigere Tagen, der Gedanke an das Schicksal seines in Haft befindlichen Schwiegersohnes und manches andere, was die von Haus aus urkräftige Constitution Jankels bedenklich erschüttert hatte. Die gewaltige Spekulation mit den Credit-Aktien ging aber diesmal so gründlich fehl, daß Jankel 24 Stunden später ein ruininer, armer Mann war. Er war noch außerdem mit ca. 200,000 Gulden cugagirt. Eine plötzlich ausgebrocheue Panik hatte ein so rapides Sinken aller Werthe zur Folge, daß eine große allgemeine Krisis ciutrat, deren erstes Opfer Jankel war. Jankel, der während seines sechsjährigen Wiener Aufenthalts viel von seinem inneren sittlichen Halt verloren hatte, hatte mit seinem Gelde alles eingebüßt, was seinem Leben Werth und Bedeutung gab. Er hätte am liebsten, wie schon so viele verunglückte Börsenspieler, seinem Leben durch eine Pistolenkugel ein Ende gemacht, aber er war zu feige dazu. Vor Schießwaffen hatte er zudem einen heillosen Respect; er hatte nie eine in Händeit gehabt. Wie damals, als er von Kathinka das verhängnißvolle Lotterieloos gekauft hatte, fehlte es ihm auch jetzt an Muth und Vertrauen, seinem wackeren Weibe von seinem Zustande Mittheilung zu machen. Seine Familie hatte keine Ahnung davon, daß sie vollständig verarmt war. Die Schmach, ein armer Mann zu sein, war Jankel unerträglich. Er wäre vor der Sünde des Selbstmordes nicht zurückgeschreckt, hätte er nur gewußt, wie man dies auf leichte, wenig schmerzliche Art bewerkstelligen könne; aber er hatte zu wenig praktische Erfahrung aus diesem Gebiete. Da fiel ihm plötzlich ein, einmal gehört zu haben, daß der Tod durch Kohlendämpfe eine überaus leichte, schmerzlose Todesart sei. Er nahm ein mächtiges, bis über den Rand gefülltes Kohlenbecken, stellte es in die Mitte seines Zimmers, schloß sich in dasselbe mit zwei Flaschen starken Tokaierwein ein und trank dieselben hastig aus, so daß er berauscht sofort in einen tiefen Schlaf verfiel, aus dem er nicht mehr zu erwachen gedachte. Als er am anderen Morgen trotzdem erwachte, wunderte er sich, daß die andere Welt eine so auffallende Aehnlichkeit mit seinem Zimmer hatte. Nachdem er aber sich die Augen ausgerieben hatte und zu seinem Schrecken sah, daß er in seinem Eifer die Kohlen anzuzünden vergessen hatte, erfüllte ihn diese Wahrnehmung mit solchem Schrecken, daß er ernstlich krank wurde. In ihrer Bestürzung wollte Gitel rasch zu einenc Arzte schicken, aber Jankel hielt sie zurück und sagte ihr, er habe mit ihr allein zu reden „Ich fühle," Hub Jankel an, „daß es mit mir

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