Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 105 (31.12.1896)
- Date
- 1896-12-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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2212 nur in die Schule gehöre und sich außerhalb derselben um das Benehmen der Schüler nicht zu bekümmern habe, während thatsächlich der Lehrer verpflichtet ist, auch dem Benehmen der Schüler außerhalb der Schule die sorgsamste Aufmerksamkeit zu schenken und insbesondere verpflichtet ist, die Schüler von allen politischen Demonstrationen ferne zu halten. 4. Die Lehrerschaft erklärt, daß sie sich durch die ganz unmotivirten Drohungen nie und nimmer einschüchtern lassen wird und nach wie vor ohne Rücksicht auf die Meinung des Wiener Agitators ihre Pflicht zu erfüllen wissen wird." So sieht der Anfang des Krebsenschrittes Dr. Lueger's aus, wehe ihm, so sich die Volksbildner an seine Fersen hängen; diese Last von sich abzuschütteln ist Lueger nicht mehr im Stande — der Lichterglanz seiner Sterne ist dem Verlöschen nahe. Dr. Lueger's Lästerzunge predigt Haß, Bedrückung und Verfolgung geg n ruhige, friedliche Mitbürger, deren Talmud lehrt (Succa 55), daß man in Jerusalenl 70 Farren am Hüttenseste opferte, nach Anzahl der 70 Völkerschaften auf Erden, damit ihrer vor Gott gedacht werde in Freundlichkeit, zu ihrem Heile und zu ihrem Segen, damit jede Nation ihre Vertretung finde auf dem Altar Gottes, in dem Heiligthume Zions, in der Mitte Israels. Ein klägliches Ende ereilt alle Pharaonen und Hamaniden! .'n rar *6 Rabbiner M. Reiser. Rußland. Petersburg. Die Stadt Tomik in Sibirien zählt 3000 jüdische Bewohner, eine kleine Gemeinde von wenig begüterten Leuten und ehemaligen Verurtheilten. Indessen kann man dem Eifer und der Pflichttreue dieser Juden nicht genug Bewunderung zollen, die sie, sobald es sich um Wohlthätigkeitswerke oder um ihre Schulen handelt, zeigen. Im vorigen Jahre haben sie eine Schule aufgebaut über die der Eurator für öffentlichen Unterricht im Ost- Sibirien folgendes Urtheil gesprochen: „Diese Schule soll den anderen Schulanstalten meines Ressorts als Muster dienen." Die Herrn Gebrüder Fuxmann haben dieser Schule ein großes Grundstück geschenkt. Die Gebäude wurden aus Kosten der Juden errichtet. Diejenigen, welche kein Geld hergeben konnten, arbeiteten unentgeltlich an dem Bau. Die Privatgeschenke zur innern Einrichtung strömten nur so herbei. Die jüdischen Schreiner und Tischler, die Anstreicher und Tapezierer weigerten sich, Geld anzunehmen. Am Tage der Eröffnung gestattete der Kassenrest von 1,920 Rubel, 53 Knaben aufzunehmen; die Aermsten unter ihnen erhielten noch obendrein Kleidungsstücke; alle wurden auf Kosten der Schule gespeist. Der erste Jahresbericht ist sehr fesselnd, und es läßt sich sehr viel von einer Anstalt erwarten, die unter so günstigen Umständen beginnt. | KeuMetorr. Auf der Leiter. Eine Erzählung von Robert Mnlein. 9) (Schluß.) VI. Lemberger kam nicht wieder. Der schnöde, hartherzige Undank Goldbergers hatte ihn nicht so sehr überrascht, als das Fallissement der Firma Werner und Dahlmann, das er durch so wunderbaren Zufall erfahren hatte. Die Firma schuldete dein Hause Lemberger noch ea. 4000 Gulden, die allerdings erst in zwei Monaten fällig waren und deren Sicherheit bei dem guten Rufe der Firma ganz außer Frage stand. Lemberger reifte mit dem nächsten Schnellzuge nach Pest, um möglicherweise zu retten, was noch zu retten war. Gegen fünf Uhr Abends traf er in Pest ein und fuhr sofort per Droschke in das bekannte Bankhaus. Das Telegramm hatte er vorsichtiger Weise zu sich genommen, ohne daß es Goldberger beachtet oder gehindert hatte. Er hatte es vielleicht schon zum zehnten Male durchgelesen, es war kein Zweifel, da stand es schwarz auf weiß: „Werner und Dahlmann fallirt, Verlust 30,000 Gulden." Pochenden Herzens betrat Lemberger die ihm wohlbekannten Räume und wurde sofort von Herrn Werner empfangen. „Was verschafft uns die Ehre, Herr Lemberger?" „Es ist eine unangenehme Pflicht, die mich hierher führt, aber Sie begreifen, daß man unter den bestehenden Verhältnissen gcnöthigt ist, das Seinige zu thun, soweit eben möglich. Ich komme wegen unseres Guthabens von 4000 Gulden, wie wünschen Sie, daß es damit gehalten werden soll?" „Wir schulden Ihnen noch 4000 Gulden? Wann waren dieselben fällig?" „Sie sind erst in zwei Monaten fällig, aber Sie begreifen, daß ich das Geld nicht gern verlieren möchte, nachdem Sie Ihre Zahlungen eingestellt haben." „Wir unsere Zahlungen eingestellt? Woher wissen Sie denn das?" „Ich habe es von zuverlässiger Seite in Wien erfahren und bin sofort hierher gereist, um mein Guthaben zu retten." „Aber wer hat Ihnen das mitgetheilt? Obwohl der Betrag erst in 2 Monaten fällig ist, verspreche ich Ihnen denselben sofort ohne jeden Abzug auszuzahlen, wenn Sie mir den Verbreiter dieses Gerüchts mittheilen können, daß ich ihn ermitteln und dingfest machen kann." Trotz der verletzenden Abweisung, die er von Goldberger erfahren, widerstrebte es Lemberger