Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 105 (31.12.1896)
- Date
- 1896-12-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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220S „er kennt auch die Quelle, aus welcher er die vollständige Kunde dieser Gesetze zu schöpfen hat, es ist nicht die Schrift, das Buch, es ist die Ueberliefe rung der Väter, an die er sich wendet, er fragt die Väter nach den Gesetzen, die sein und ihr Gott ihnen auch für ihn und alle späteren Geschlechter geboten, n rrs nwt. Und nun siehe, seine Frage bezieht sich durchaus nicht auf das Peßachfest und seine Gesetze. Weder in seiner Frage, noch in allen vorangehenden Sätzen, wird des Peßachfestes auch nur mit einer Silbe gedacht. Er wünscht zu „lernen". Wünscht die Zeugnisse, Gesetze und Rechtsordnungen kennenzulernen,dieGottden Vätern zurUeberlieferung an die Söhne übergeben. Und wie lautet die Antwort? Dnsor mncb v'-^p! Siehe da die einzige wahrhaftige „„Einleitung i n d a s Studium der M i s ch u a h und des Talmuds Er zeigt ferner, wie Gottes Wort nicht nur Zeiten erwartet hat, in denen einheitlich zur Seite der Eltern die jüdische Jugend emporblüht und von dem Beispiel und der Belehrung am Vatertische allmählich heranreift zur forschenden Thorawissenschaft; wie es auch Zeiten vorausgesehen, in welchen das Band zerrissen ist zwischen dem jüngeren Geschlecht und dem alten, in welchen das jüngere Geschlecht nicht nur sich nicht mehr betheiligt an den Gesetzeserfüllungen der Alten, sondern nur Hohn hat für ihr Gesetzesleben. „Was soll aber der Thora zufolge zu diesem abgefallenen, in seinem Abfall sich die Fortgeschrittenen dünkenden und die treuen Alten als die Zurückgebliebenen höhnenden Geschtechte gesagt werden? Zu ihnen? Gar nichts! — Dem staunenden Kinde, dem fragenden Knaben, dem forschenden Jünglinge gegenüber lehrt das Gotteswort: -p^ rn;m, vba fnoKi ,-p^> jnow, erzähle deinem Sohne, sage ihm, sage deinem Sohne; dem höhnenden Geschtechte gegenüber heißt es aber nicht: orrbx amotn, sondern einfach: ormti; denn ihm hast du nichts zu sagen; es erwartet keine Belehrung von dir, ist ja schon so weit über dich hingeschritten, daß es dich belehren, dich aus deinem „„alten"", „„beschränkten"", ihm nur als Last und Bürde erscheinenden Standpunkte zu sich hinauf, zu der lichten, leichten Ungebundenheit seines Fortschritts durch seinen vornehmen Spott fortbewegen möchte. — Was hättest du ihm zu sagen! Nicht von deinem Worte, nicht von der glänzendsten Apologie deines alten göttlichen Gesetzes erwarte die Umkehr seines Herzens, der ganze Glaube an die Göttlichkeit des Gesetzes, dem du dein Leben hingiebft und in dem du die Glückseligkeit deines Lebens findest, ist ja im Grunde seines Herzens längst zu Grabe getragen; der Schlüssel zu diesem ruht in Gotttes Händen. Nur die Erfahrung bringt es zurück. Die Erfahrung von der Hohlheit, der Nichtigkeit, der trostlosen Täuschung und Leere alles jenes Gaukelspiels, dem es sich leichtsinnig in die Arme geworfen. Sie wird es einst wieder mit der Sehnsucht nach dem verscherzten Glücke der alten Wahrheit erfüllen, wird ihm einst die Worte in den Mund legen: nwc tk •b 2W -o piwnn 'tr»n bx ra:«wn robs, „„ich möchte doch zurück zum Gotte meiner alten Treue, denn ich war doch damals glücklicher als jetzt!"" „Aber um so weniger darfst du schweigen," — um so entschiedener: vriivm, hast du beeistert und hingebungsvoll durch Wort und Thal zu ekunden, was dir das Gottesgesetz sei und wie du deines ganzen Lebens Inhalt und Glückseligkeit nur in dem Bewußtsein findest, Träger dieses Gottesgesetzes zu sein. „Mit solchem lauten, entschiedenen Bekenntniß rettet ihr euch und euere Kinder — und stellet dem irre gegangenen Geschlechte selbst das leuchtende Wahrzeichen hin, wohin sie sich zurückzufinden haben werden, wenn einst die Zeit ihrer Rückkehr gekommen." — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Aus Süddeutschland. In Nr. 101 d. Bl. ist eine Correspondenz aus Norddeutschland bezüglich meiner Anregung in Nr. 97 d. Bl. enthalten, auf welche so ziemlich das nnw« rrnrr pswta upo anzuwenden sein dürfte: Wer in aller Welt wollte denn xixvbx pp oder sonst einer n^np absprechen, daß dort noch rmn gelernt wird? Wer «berauch in aller Welt kann meiner Behauptung Richtigkeit absprechen, daß der nmrn -imb leider schrecklich abgenommen hat, und woran ich die Frage anreihte und zur Discussion stellte: wie dem abgeholfen werden könne? Dem Herrn —r gegenüber will ich also die heilige Versicherung abgeben, daß mir bei meiner Anregung „pp Altona" speziell nicht in den Sinn kam. Dieser Versicherung kann ich aber die weitere ansügen, daß die mehrfache erwähnte Anregung in Nr. 97 durchaus nicht leer verhallt zu fein scheint, indem, wie ich höre, im Kreise berufener Männer derselben volle Berechtigung zugesprochen, und dieselbe als der größten Beachtung würdig befunden wurde. Hoffentlich wird's nicht bei „Redensarten" bleiben, sondern zu ersprießlichen Thatsachen führen.*) Ans Untersranken. Ein sehr verdienter, würdiger Lehrerveteran ist in dem vergangene Woche zu Wiesenfelo verblichenen Lehrer Joseph Silbermann zu Grabe getragen worden. Fast achtzigjäh- *) Wir können dem Herrn Correspondenten die erfreuliche und beruhigende Versicherung geben, daß infolge seiner Anregung demnächst zur Bethätigung von minn MO'P m Deutschland Schritte gethan werden. Red. d. Jsr.