Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 105 (31.12.1896)
- Date
- 1896-12-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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2208 winden hat. In unserer Zeit würde Gottlob die Kennzeichnung dieses Standpunktes nicht mehr in solcher Weise zu erfolgen haben. Darin liegt ein gewaltiger Fortschritt. Das gefetzesireue Judenthum ist im Kreise seiner Bekenner als das eigentliche, historische Judenthum, im Gegensätze zur Neologie, voll anerkannt. Dieser große Fortschritt aber ist ganz eigentlich direkt und indirekt der Wirksamkeit des großen Weisen b'D zu verdanken, dessen JahrzeitStag mit dem 27. T e b e t h zum achten Male wiederkehrt. Deßhalb haben wir geglaubt, an jenen charakteristischen Worten an dieser Stelle nicht vorübergehen zu sollen, ohne den mächtigen Abstand zwischen dem Einst und dem Jetzt hervorzuheben. Fahren wir nun fort, aus der Reihe der „belehrenden Aussätze über die wichtigsten Institutionen des Judenthums" noch einige anzuführen. Zunächst noch ein Beispiel aus den Monatsartikeln. Wir wählen den vom Nissan. Derselbe bespricht im ersten Jahre zuerst unter der Ueberschrift: Hachodesch die Bedeutung der *htct 'v, der dritten in der Reihe der auf das nationale Geburtsfest vorbereitenden Parschijoth, und zeigt, wie die Worte: 22b nin t?nnn den Aufruf zu ewiger Erneuung und Verjüngung, ewig erneuter Selbstheiligung (oo!?tr kwh, enpi rwn ms) an Israel enthalten, und wie dieser Monat des überall erwachenden Keimens und „Halmens," dieser Frühting-monat, uns den eigenen Menschenfrühling bringen will. Sodann bespricht er unter der Ueberschrift: Peßach das Fest mit seinen Geboten. Er zeigt, wie Peßach der Vorsehungsruf ist in die Mitternacht der Hütten und Herzen, der ihnen kündet: mb «in onset? bb, es wacht ein Gott über den Aermsten in bängster Mitternachtstunde; — wie es ferner in dem vo'mnsr?üb f*w, in dem Peßachopfer, in dem sich alle Seelen in Israel ihrem Gotte bereitzustellen hatten, der H i r t e n r u f an seine Heerde und der Heerdegruß an ihren Hirten ist; — wie aber in dem „langsamen, zögernden, bedächtigen Hinüberschreiten* das „Peßach" zugleich der We!t und Israel ihren Richter zeige, der stille hält über jedem Haufe und mit Prüfung und Uriheil 'm onn m narn, Rettung gewährt oder versagt. Er zeigt weiter, wie in den einzelnen Anordnungen des Peßachopfers, mit dem die Sklavenhorde zum Volke erstehen sollte, die magna Charta gegeben sei, die die constituirenden Grundrechte dieses Volkes enthalte. In den zwei anderen Abschnitten wird sodann die Bedeutung von Mazzah und Maror besprochen. Der Niffanartikel des zweiten Jahres trägt die Ueberschrift: Die vier jüdischen Toaste. Er begreift den Seder als das älteste Fest- und Zweck- Essen, das die Mitglieder der ältesten Humanitätsbrüderschaft zur großen Tafelrunde auf Erden lade. „Der 14. Nissan ist da. Der Abend dämmert und in allen Häusern ist der Tisch für diese Tafelrunde bereitet und mit den Abzeichen der Brüderschaft für das Festmahl geordnet. Denn nicht ein Saal faßt die Brttderschaftszahl, durch alle Häuser hindurch ist die Festtafel gedeckt. Soweit der Himmel reicht und der Vollmond leuchtet und die Sterne funkeln, hat die Brüderschaft in jedem Hausvater ihren Meister vom Stuhle bestellt, in jedem Hause sammelt sich ein Ring der über das Erdenrund reichenden Kette, ein gleichzeitiger Gedanke, ein gleichzeitiges Festmahl verbindet sie Alle, im Geiste sind sie Alle geeinigt, und der Eine, Einzige, Ewige, Alte Stifter der Brüderschaft ist überall gegenwärtig. Dasselbe Festprogramm liegt allen vor, dieselbe „„Festordnung"", von den uralten Meistern geordnet, leitet überall das Mahl. Viermal werden die Becher gefüllt. Vier obligate Toaste vergegenwärtigen überall die Bedeutung des Festes, das der Freiheit gilt, der gottverliehenen, und die nbma bw mmb yn», die vier Worte der Rettung, mit welchen Gott uns die Freiheit gedeutet, bilden den ewigen Text zu den Toasten des Festes." Unter den vier Ueberschriften: „Der Freiheit aus den L a st e n den ersten Becher!" — ' n x an m enaie ni^oc rinne c2nx — „Der Rettung aus der Knechtschaft den zweiten!" — 02ns ■> n b af n 1 cmioye — „Den dritten Becher der Erlösung!" — "01 D2nx ’ n b x 2: — „Den vierten Becher der Erwählung zum Gottesvolke!" 'b 02ns ' n n p b i ovb — bespricht er sodann die nationale und weltbürgerliche Bedeutung dieser vier Momente. Der Niffanartikel des dritten Jahrgangs bespricht unter der Ueberschrift: „Die 0 'a 2 ajsis" die Grundzüge einer individualisirenden, Alter und Entwickelungsstufe berücksichtigenden Erziehung der Heranwachsenden Geschlechter für den jüdischen Beruf, zeigt, wie der mächtigste Faktor und die unerläßliche Vorbedingung das Elternbeispiel freudiger gottesfürchtiger Erfüllung der Mizwoth ist, wie aber zu der praktischen Gewöhnung, dem “pan, das belehrende Wort hinzutreten müsse, das dem „staunenden Kinde", dem „fragenden Knaben", dem „forschenden Jünglinge" die Belehrung zu übermitteln habe. Doch nie als „alte" Geschichte, sondern nxaeo rwv, die eigene Geschichte sei es, die als priesterliches Glied des unsterblichen Prieftervolkes der Vater seinem Sohtte künde. Er zeigt sodann, wie auch auf der höchsten Stufe das Bewußtsein der auf onare nwan beruhenden Gottcshörigkeit Israels die Grundlage des „Lernens" zu bilden habe. Die Frage des gereisten Sohnes, 5. B. M. 6. 20, setzt bereits die Kenntniß der nny, der epn und der ntjcipo aus dem Leben voraus.