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Der Israelit · 1896-12-28 · Heft 104 (28.12.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 104 (28.12.1896)
Date
1896-12-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1992 Aus Württemberg, 24. Dez. Der König hat den Ministerialrath von Finkh von der Stelle eines Regierungsconunifsärs und Vorstandes bei der Israelitischen Oberkirchenbehörde enthoben und diese Stelle dem Ministerialrath Kern beim Ministerium des Kirchen- und Schulwesens übertragen. Die württembergischen Israeliten sehen Herrn Direetor von Finkh sehr ungern aus diesem Amte scheiden, da er darin stets Wohlwollen und Liebe für die jüdischen Interessen an den Tag gelegt hat. Die Oberkirchenbehörde zählt gegenwärtig zu Mitgliedern: Regierungsrath Kern als Vorstand, Kirchenrath Dr. Kroner als geistliches Mitglied. Negierungsrath Dr. Schmal, Commerzienrath Alexander von Pflanm, Commerzienrath L. Elsaß, Bankdirektor E. Benzinger, Privatier M. G. Goldschmidt und Seeretär E. Rothschild, Rendant. Bojauowo, 21. Dez. Sie haben bereits in der vorigen Nummer Ihres Blattes von dein raschen Hinscheidendes Herrn Moritz Rohr kurz berichtet. In der Kraftfülle des Lebens ist der kaum Zweiundsechzigjährige eine«« Herzschlage erlegen, ein Mann, der in der Uebung gabenfreudiger Opserwilligkeit den schönsten Inhalt seines Lebens erblickte und bethätigte. Zeugniß dessen ist eine Reihe Schöpfungen, welche den Verblichenen in die vorderste Reihe der größten Philanthropen rücken. So dankte seiner Hochherzigkeit die mit einer Viertelmillion Mark dotirte „Stiftung zur Verbreitung und Förderung des Handwerks, der technischen Gewerbe, des Ackerbaus und der Gartenkultur unter den Juoen der Gemeinden Jarotschin und Posen" ihr Entstehen; hat er mit einem Auswande von 600,000 Mk. das großartige jüdische Kronken- und Siechnchaus in Posen geschaffen und die Unterhaltskosten dieses Musterinstituts aus Eigenem bestritten, hat er ferner bereits in unserem Orte ein Grundstück erworben und einen Betrag von 300,000 Mk. votirt zur Errichtung einer jüdischen Alterversorgungs - Anstalt für die Provinz Posen. Diese Denkmäler fürstlicher Wohlthätigkeit sind zugleich Beweise rührender Kindesliebe: sie tragsn allesammt die Namen' der Eltern ihres Urhebers, rer damit offenbarte, daß er sich Herz nnd Sinn bewahrt hatte für jenes echtjüdische Gr'emilliitli < ’liessed, das nicht prunkt und nicht prahlt, mit seinen Leistungen nicht nach Ruhm geizt, sondern scheu sich verbirgt und seinen Lohn in sich selbst findet. Die gleiche Selbstlosigkeit zeichnete das philanthropische Wirren Mvvrtz Rohr's überhaupt aus,' das in seiyM ganzen Umfkmge nur - wenigen Eingeweihten' bekckttnt wurde und «m so bewundernswe'rthev -ist, * weil der Heimgegangene für die eigene Person' 1WW einer an l-Selbstverleugnung streifenden Bedürfnißlosigkeii war.- Auch diesenach jüdischer Anschauung' [größte aller Tugenden hatte ihre Quelle in der unerschütterlichen Treue zu seinem Bekenntnisse, dem er, den Traditionen seines Hauses folgend, vom erwachenden Bewußtsein bis zum erlöschenden Athemznge glanbensbegeistert, pflichteneifrig anhing. Auf letztwillige Anordnung des Entschlafenen wurde ihm an der Seite seiner Eltern auf dem hiesigen Friedhofe das Grab bereitet. Unter gleich ünposanter Theilnahme ist selten ein Todter zur letzten Ruhestätte geleitet worden. In der schwarz drapirten Synagoge hatten sich mit sämmtlichen Mitgliedern unserer Gemeinde die Spitzen der städtischen Behörden und der Geistlichkeit, die Deputationen der Gemeinden Posen, Rawitsch, Jarotschin jc. und zahlreiche auswärtige Freunde eingefunden. Nach dem Vortrage des Ps. 90 feierte Herr Rabb. Dr. Theodor in tiefempfundener Rede das Leben des Heimgegangenen, namentlich seine unerschöpfliche Wohlthätigkeit für unsere Genwinde und Provinz, seine kindliche Pietät, die er, wie im Leben, so im Tode noch bethätigte, und seinen frommen Wandel, den er auch auf der Glückshöhe des Daseins treu festhielt. Hieraus widmete der Vorsitzende des Vorstandes der Gemeinde Posen, Herr S ch ö n l a n k, dem Schöpfer des jüdischen Krankenhauses Worte innigen Dankes, den auch die fernsten Geschlechter noch dem großen Wohlthäter darbringen würden. Psalm 16 beendete die synagogale Feier, worauf sich der Trauerconduet nach dem Friedhofe in Bewegung setzte. Hier gab zunächst Herr Dr. Hirsch Hildesheim e r-Berlin den Empfindungen der zahlreichen Freunde und Verehrer pietätvollen Ausdruck, indem er namentlich darauf hinwies, wie viele menschenbeglückende Pläne vor ihrer Verwirklichung mit dem Entschlafenen in's Grab sinken, und mit der zuversichtlichen Erwartung schloß, daß die Erben seines Glücks das von ihm Begonnene fortführen werden. Mit thränenerstickter Stimme sprach sodann Herr Rechtsanwalt Sa lz-Posen mit dem Gelöbnis; unvergänglicher Treue den Dank der Gemeinden unserer Provinz aus, und nachdem der Schwager des Verblichenen, Herr Pros. Leeser- Heidelberg seinem tiefen Schmerze erschütternde Worte des Abschieds abgerungen, wurden die sterblichen Reste den; Schooße der Erde übergeben. .rrsjtjn Vermischtes. j Windsbach i. Mittclfranken, 14. Dez. . Bei der heu- Ligen. Gemeindewahl wurde Herr tzow ^Pemschenk vpu hier. . ■ dür dem GemeinVbköllestiilin bereits selb"9 Jührkk attgehövlr, " "drjrch das Vertrauen seiner- Mitbürger miedergAväM.; hijjag bcsonderSrhtrvovgdhüMl uLrdyrp öäßLAerrAöriLMeirrschenk chje meisten Sttnuue-u vopyallei^Midexqn HyKDveu erhielt, ein Beweis, welcher Achtung usro Beliebtheit .stch der- . -selbe bei allen Bürgern erfreut.

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