Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 104 (28.12.1896)
- Date
- 1896-12-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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vt?; ae»?‘»=? <TSf-TiS. *-*y^:Jp-V^■^S-'^.'^V' 1991 immense war. Es hatten sich zu demselben außer den näheren Angehörigen des Verstorbenen eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten und eine unübersehbare Menge sonstiger Leidtragender von hier und aus Nürnberg eingefunden. Von ersteren bemerkten wir u. A. die HH. Oberlandesgerichtspräsident v. Schmauß, Senatspräsident Enderlein, Vorstand des Amtsgerichts, Oberlandesgerichtsrath v. Hierz, Vorstand des Bezirksamts, Regierungsrath Gareis u. v. A. Vor diesen entrollte der amtierende Rabbiner, Herr Dr. Neubürger, in großen Zügen ein Lebensbild des Verblichenen. Als Sproß einer in Thorawissen und Talmudgelehrsamkeit hervorragenden Ahnenreihe habe der Verlebte, wiewohl in anderen Lebenskreisen herangewachsen, seinen Stolz darein gesetzt, dieser Ahnenreihe nicht unwürdig zu werden, und es zeugt von inniger, pietätvoller Anhänglichkeit an dieselbe, daß der Verstorbene in den letzten Jahren seines Lebens viel Fleiß und Mühe darauf verwendet hat, um den Stammbaum, der ihn mit einzelnen hervorragenden Männern Israels verknüpft, genau festzustellen. Der Verewigte, im Jahre 1807 hier geboren, bildete seinen Geist, wie in den allgemeinen Kenntnissen, auch im religiösen Wissen aus, besuchte alsdann die Münchener Universität, allwo er im Jahre 1834 als Doktor beider Rechte mit Glanz promovierte. Obgleich er ein Jahr darauf auch den Staatskonkurs mit Auszeichnung bestanden hatte, konnte er als Jude nach damaligem Staatsgesetze zur selbstständigen Ausübung der Advokatur nicht zugelassen werden und er mußte sich 12 Jahre lang bescheiden, seinen großen Geist und seine hervorragende Befähigung als Advokatenconzipient, sowie als Sekretär der israelitischen Cultusgemeinde Fürth zu verwerthen. Erst im Jahre 1848 wurde er zum Kgl. Advokaten in Gerolzhofen ernannt, und dort war es, wo er die im späteren Leben fortgesetzten innigen Freundschaftsbande mit dem nachmaligen M i n i st e r Lutz schloß. Im Jahre 1852 erfolgte seine Ernennung zum Kgl. Advokaten in Ansbach, woselbst er alsbald auch zum Vorstande des städtischen Gemeindekolleg iums, sowie zum 1. Ersatzmann für die Abgeordnetenkammer gewählt wurde. Im Jahre 1867 erhielt er das Ritterkreuz des Michaelsordens 1. Klasse und nach erreichtem 70. Lebensjahre, im Jahre 1877, wurde er zum kgl. Hofrath ernannt. Hierauf legte er die Advokatur nieder und zog nach seiner Vaterstadt Fürth. Von der Beachtung und Werthschätzung, die seine Tüchtigkeit, sowie sein biederer Charakter allezeit gefunden, zeugt auch das Glückwunschschreiben, das die Juristenfakultät in München an ihn im Jahre 1884 anläßlich der Feier seines Doktorjubiläums gerichtet hat. In demselben wurde ihm zu diesem für beide Theile gleich ehren- und freudevollen Tag die Anerkennung dafür ausgesprochen, j „in seiner langandauernden juristischen Laufbahn sich ebenso sehr durch strenge, moralische und rechtliche Gewissenhaftigkeit, als auch durch hervorragendes Wissen und Können, durch stetes lebhaftes wissenschaftliches Jnterresse als echter Jünger der Rechtswissenschaft und alseine Zierde des bayerischen Juristenstandes bewährt zu haben." Diese für sich selbst sprechenden Daten vervollständigte der Redner durch weitere Züge aus dem Lebensbilde des Verewigten, die seine Glaubensinnigkeit und Menschenfreundlichkeit betrafen, und schloß mit dem Wunsche, daß dessen segensvoller Lebensgang seiner Familie zum Segen gereichen möge. In bewegten, zu Herzen gehenden Worten spendete hierauf Herr Juftizrath Gunzenhäuser dem Verstorbenen Namens der Gemeinde Dank für die ihr in der Jugendzeit gewidmeten großen und erfolgreichen Dienste nicht minder, als auch für das nachahmenswerthe Beispiel, das er den Mitgliedern derselben in den Jahren des Alters gegeben. Hierauf pries Herr Dr. Deutsch den allezeit freudigen Hilfseifer und ausgesprochen humanitären Sinn des Verewigten. „Noch in den letzten Monaten" — so führte Redner aus — „war es mir vergönnt, in Angelegenheiten, die eine milde Stiftung betrafen, mich an dem frommen Hauche seiner Milde, dem sanften Blicke seines Auges und dem herzlichen Ton seiner Rede erfreuen und laben zu dürfen. Man mußte den Mann gesprochen, in den offenen Ausdruck seines klaren, hellen, durchdringenden, und doch so mild blickenden Auges gesehen haben, um sich von den Strahlen einer geistig und sittlich hochstehenden Person ergriffen und sanft angezogen zu fühlen. Er war duldsam, human — weil er edel war. Das will viel sagen in einer Zeit, in der auch die Duldung und Humanität einen gewissen Cours haben, und denen Manche nur nachhängen, je nach der reichen Dividende an Werthschätzung und Menschenachtung, die sie davon erwarten. So war er nicht; solches individuelle Empfinden war seinem sittlich gearteten Wesen, bei dem Guten, das er übte, durchaus fremd. Die Humanität war in ihm leitende Macht. Im Rechte, das er so tief erkannt und erfaßt hatte, sah er die Grundlage der menschlichen Gesellschaft, in der Liebe, deren höchste Vollendung. In der Betätigung beider Tugenden: Recht und Liebe ist er bis zum höchsten Greisenalter zu immer größerer Vollendung emporgestiegen." — Nachdem noch CantorRosenhaupt von Nürnberg dem Verstorbenen Namens der Familie wehmüthig ergreifende Worte des Abschieds gewidmet hatte, wurden dessen sterblichen Ueberreste in das Grab gesenkt, und tränenfeuchten Auges sah man Viele die Stätte verlassen, die die irdische Hülle des Herrn Hofrath Dr. Berlin in sich ausgenommen hatte. sve>v cp sra!