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Der Israelit · 1896-12-28 · Heft 104 (28.12.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 104 (28.12.1896)
Date
1896-12-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1990 ohne Vergleichung der Quellen benützt werden. Bei Uebertraguagen aus einer Literatur, die mit geflissentlicher Kürze niedergeschrieben ist, wie die jüdische, schleichen sich unbewußt Fehler ein. Ein Wort, das verschiedene Übersetzungen hat, das aber an einer bestimmten Stelle nur in einem Sinne genommen werden darf, kann leicht zu Jrrthümern Anlaß bieten, ohne daß man dem Verfasser einen Vorwurf daraus machen kann. Wir wollen beispielsweise auf S. 240 Hinweisen, wo e» heißt: „Die Mehrzahl verfällt in Raub, die Minderzahl in Blutschande" nach B. bathra 165 a. Ein solcher Ausspruch muß doch befremdend wirken und auf die Sittlichkeit des betreffenden Kreises ein bedenkliches Licht werfen, wenn es heißt, die Mehrzahl verübt Raub und eine nennenswerthe Minderzahl lebt in Blutschande. Wenn man aber weiß, daß kr jede auch die geringste, unschuldigste unwissentliche Vermögensbeeinträchtigung ist, und daß mny hier nicht „Blutschande", sondern „Unsittlichkeit" in weitestem und rigorosestem Sinne des Wortes bedeutet, so gewinnt der Ausspruch einen erheblich anderen Sinn. Ungenau ist auch die auf derselben Seite gegebene Unterscheidung zwischen Sündopfer und otwt. „Während nu» zur Sühnung nur ein Sündopfer erfordert, so ist für die rrva* ein dp* nöthig." Dabei denkt sich der Verf. unter mw „die bewußte und vollendete Thatsünde." Bekanntlich gibt es für bewußte Thatsünden, abgesehen von verschwindenden Ausnahmen gar keine Sühne durch Opfer. Von anderen Unrichtigkeiten, die mir aufgestoßen sind, mögen noch folgende erwähnt sein. Aus S. 12t. heißt eS: die haggadische Tradition über Abraham nimmt an, daß er vom dritten Jahre an Gott gedient habe, zufolge der Gematria von app -172 in dem Ausdruck toöp uw app 1. Mos., 22, 18 .... 175 Jahre war er damals alt." Das ist natürlich nicht richtig, denn Abraham war doch bei der Opferung Jsaks noch nicht 175 Jahre alt. Die midraschische Auslegung bezieht sich vielmehr auf das ap* 1. Mos., 26, 5. Auf S. 122 wird aus Kidduschim 56 b ein Beispiel angeführt, wo ein accusattvischeS na zur Erweiterung und Ausdehnung des Begriffes dient. Das Beispiel ist unglücklich gewählt, weil an betreffender Stelle überhaupt kein dh steht und daraus auch nicht geschloffen werden kann. In unseren Ausgaben steht das na in runden Klammern zum Zeichen, daß es auszuscheiden sei, der Vers, mochte meinen, daß dies zur besonderen Hervorhebung des Wortes dient und hat es daher auch in Klammern abgedruckt. Solche geringfügige Ausstellungen können den Werth eines solchen umfangreichen und gewissenhaft gearbeiteten Werkes nicht verringern. Den Beweis seiner Brauchbarkeit und Nützlichkeit hat es erbracht. dadurch, daß die erste Auflage vollständig vergriffen wurde. Diese zweite Auflage, die vielfach verbessert und ausS Genaueste von kundiger Hand revidirt wurde, wird sicherlich noch weit mehr Anerkennung und Beifall in allen Kreisen der Fachgelehrten finden und damit wurde biefcm gelehrten und doch gemeinverständlich geschriebenen Werke, welches von der Verlagsbuchhandlung wahrhaft vornehm ausgestattet wurde, nur die ihm gebührende Würdigung zu Theil werden. —n— Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen Deutschland. Aus dem Grotzherzogthnm Heften. Die vom „Großherzoglich - Hessischen Ministerium des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten" für dieses Jahr angeordnete öffentliche staatliche Prüfung für Jsr. Religionslehrer hat am 21. ds. in Darmstadt stattgefunden. In den Religionsfächern fungierte als Eximinator Herr Rabbiner Dr. Selver, Darmftadt, und in profanen Fächern Herr Geh. Ober-Schulrath Dr. Eisenhut. Die Prüfung haben mit Erfolg bestanden die Herren Lehrer: Friedmann-Roßdorf, Felix Kahn-Biebesheim, N. Kahn-Babenhausen, Ledermann-Bingen, Lippmann-Erfelden. Einem konnte die Befähigung als Lehrer nicht zugesprochen werden, ein anderer wurde wegen verspäteter Meldung zurückgewiesen. Diese Prüfung, welche sich über Religionslehre, Biblische Geschichte, hebr. Sprache, Pädagogik, (Geschich. Pädag.), Geschichte, Geographie, deutsche Sprachlehre, deutschen Aufsatz, erstreckt und fast jedes Jahr stattfindet, verdient in der Lehrerwelt mehr bekannt zu sein. Da sie manchem, ungeprüften Lehrer Gelegenheit bietet, seine Stellung in der Gemeinde zu verbessern, sich unabhängiger von derselben zu machen und sicheren Halt zu gewinnen. I. K. in B. Fürth, 23. Dez. Am 21. ds. Mts. verschied hier im 90. Jahre seines Lebens der seines tiefen Wissens, edlen Charakters und seiner seltenen Herzensgüte wegen weit gekannte und geschätzte Herr Kgl. Hofrath Dr. Samuel Berlin, und wurden dessen sterblichen Ueberreste heute zur letzten Ruhe bestattet. Die hohe allgemeine Achtung sowohl, in der der Verblichene stand, sowie auch die weitreichenden, hervorragenden Familienbeziehungen, die derselbe hier und in Nürnberg besitzt (Herr Justizrath Josephthal in Nürnberg, der bekannte Vorstand der isr. Cultusgemeinde, ist dessen Schwiegersohn), hatten in gleicher Art bewirkt, daß die Betheiligung beim Leichenbegängnisse trotz des schlechten Wetters eine geradezu

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