Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 104 (28.12.1896)
- Date
- 1896-12-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Radom 1× ep/1000823
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'v% -T 1985 so sind selbst unabsichtliche Jrrthümer ausgeschloßcn. Dennoch hat der Minister des Innern in seinem am 18. Januar 1896 an Sr. Majestät cingereichten Berichte, über die 1895er Aushebung, folgende Thatsachen dargelegt: Die zur Losung berufene Juden beliefen sich auf 46,846 (diese Zahl stellt 490/<, der Gesamtzahl 982,227 der eingezogene Rekruten dar.) Die Zahl der für diensttauglich erklärten Juden betrug 14,188 (und diese Zahl stellt 2,5°/0 der Gesammtzahl des Jahreskontingents, 527,992, dar.) Dennoch ist bewiesen, daß man im Jahre 1895, 129 Juden mehr ins Heer eingestellt hat als die Aushcbungslistcn angaben. Wir wollen gern glauben, daß hier ein unabsichtlicher Jrrthum vorliegt. Moskau. (Polizei und die Juden). Man hat aus dem amtlichen Bericht ersehen können, daß ein Polizeikommissar aus Radom, weil er Gelder den Juden entzogen hatte und wegen Pslichtverletzungen zum Schaden derselben zu Zwangsarbeit verurtheilt wurde. In Kiew sind ähnliche Anklagen gegen den Polizeikommissar Mikaltchcwski zur Anzeige gebracht worden. Der „Kiewlanine" berichtet über die Eröterungen, welche deshalb vor dem Kriminalgericht von Kiew stattfandcn, Folgendes: Die meisten von den Klägern berufenen Zeugen sind Juden; ihre Aussagen sind sehr charakteristisch. Anbei einige derselben: Der Zeuge Wozewoda ist Melamed (Lehrer des Hebräischen). „Ich besitze zwar absolut das Recht, in Kiew zu wohnen, habe aber trotzdem dem Angeklagten eine monatliche Contribution von 1 Rubel, späterhin 2 Rubel gezahlt. Weigern durfte ich mich nicht, denn Alle zahlten. That ich es nicht, so setzte ich mich allen erdettklichen Unannehntlichkeiten aus; ittt übrigen zahlen wir stets an die Polizei, das weiß ein Jeder. Geben muß man, ob man nun im Recht ist oder im Unrecht." Der Zeuge Rosenberg ist Hotelbesitzer. „Früher zahlte ich dein Commissar 5 Rubel monatlich, späterhin, als mein Geschäft sich tu etwas gebessert hatte, forderte er zehn Rubel, und ich mußte sie ihm monatlich geben. Anderensalls hätte er meinen Gasthof als ungesund oder unmoralisch angezeigt, und man hätte mir das Haus geschlossen. In der Straße, in welcher sich mein Gasthof befindet, zahlten alle Geschäftsleute dem Commissar eine Contribution. Als ein Jude Namens Staryk sich zu zahlen geweigert hatte, ließ ihn Mikaltchewski mit Strafsummen belegen und verurtheilte ihn sogar zu zehn Tage Gefängnis. Das machte ihn mürbe, und er zahlte schließlich wie alle anderen." Frau Chermann erklärt, daß sie einen Mehlhandel führe; drei Jahre hindurch hätte sie dem Commissar allmonatlich drei Rubel und einen halben Sack Mehl gegeben. Der ehrliche Beamte wurde zu zehn Monaten Gefängnis und zum Verlust seiiter Rechte verurtheilt. Der Kicwlanine läßt den Zeugenaussagen folgende Betrachtungen folgen, die hier wiederzugeben, am Platze sind, weil sie einem Organ entstammen, das gewöhnlich den Juden feittdlich ist: Man bedenke, daß solche Dinge sich in einer Stadt wie Kiew zutragen konnten, einem großen Geschäftseentrum, einer Universitätsstadt, der Sitz einer Regicrungsverwaltung, eines Gerichts, und daß Mikaltchewski drei Jahre hindurch sein unwürdiges Geschäft betreiben durfte, ohne jemals darin gestört zu werden! Man kann daraus schließen, in tvclchcr Weise die Mikaltchewskis der kleinen Städte und Flecken ihr Amt verwalten! England. London. Das große jüdische Ghetto in unsent Ostend zeitigt natürlich eine Menge von Geschäften, die speziell für den Bedarf der vielett Tausenden von russischen und polnischen Inden bestimmt sind, welche das Englische nicht sprecheit und sich nur int Jargon verständigen können. Demnach dürfte es in weiteren Kreisen nicht bekannt sein, daß auch die englische Post auf die eigenthnmlichen Verhältnisse Rücksicht genommen hat, und einenr jüdischen Bankier int Ostend eine Filiale, die Post- und Telegraphcnagentur von Whitechapel übergeben hat. So steht auf dem Firmenschild dieses Bankiers, Mr. Feldmanns, erstens in hebräischen Leitern: Geld, Wechsel, Geldschießen, Schiffskartcn von Feldmann u. Co. Dantt aber auch die englische Postattsschrist und außerdem noch russisch Pochtowaja Poetora. In der That ist der Geldverkehr der großen jüdischen Bevölkerung des Londoner Ostends ein ganz erheblicher. Wenngleich die Armuth in diesem Viertel wirklich eine sehr große ist, so ist doch die Sparsamkeit und Genügsamkeit der dortigen Jitden so bedeutend und die Anhänglichkeit derjenigen, welche noch Familienglieder in ihrem Geburtsland haben, so intensiv, daß die Zahl der Geldscudrmgett nach Oesterreich, Rußland, Polen eine außerordentlich namhafte ist. Freilich handelt cs sich meist um kleine Beträge von 5 imt> io Rubel :e. Die Sendungen nach Deutschlattd, Oesterreich tverden durch Postanweisungen erpedirt, aber nach Rußland ist ein derartiger Verkehr nicht zulässig und insoldessen ist für diese Ueberweisungen die Vermittelung des Bankiers unentbehrlich. Aber auch nach einer anderer Richtung hin spielen diese Banguiers int Leben der jüdischen Bewohner des Ostends eine ganz bedetttende Rolle. Es tväre nämlich ein großer Jrrthum, anzunehmen, daß alle Juden, die aus Rußland nach London einwandern, vollständig ohne Geld kommen, im Gegentheil besitzen die weitaus meisten von ihnen mehr oder weniger große Suntmen, die sie in russischem