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Der Israelit · 1896-12-28 · Heft 104 (28.12.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 104 (28.12.1896)
Date
1896-12-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1984 ihren Fleischbedarf das Schächtverfahren einführten, weil dadurch eine vollkommene Blutung und eine größere Haltbarkeit des Fleisches erzielt werde. Es geschah dies in dem einzigen Staate der Welt, neben der Schweiz, welcher das Schächten verboten hat. Einem Metzger in Kassel wurde bei der Uebertragung von militärischen Fleischlieferungen ausdrücklich die gleiche Bedingung des Schächtens gestellt. Ebenso hat die Statthalterei von Niever- Oesterreich eine Eingabe des dortigen Thierschutzoereins gegen das Schächten abgewiesen." An gleicher Stelle wird auch von dem Projekt des Dr. Herzl'schen Judenstaats Notiz genommen, und dasselbe als Gründung eines Judenstaats auf Aktien bezeichnet. Diese famose Gründung wird daselbst durch wenige Worte treffend durch den Hinweis charakterisirt, daß Ahlwardt ganz dasselbe anstrebe. „Ganz in Uebereinstimmung damit beantragte ein fanatischer Judenfeind, der deutsche Neichstagsabgeordnete Ahlwardt, in einer großen Volksversammlnng in München den Türken Palästina abzukaufen und die Juden aus Deutschland zwangsweise mit Pflügen, Eggen, Hacken und Lebensmitteln auf ein Jahr dahin zu spediren." Rußland. Petersburg. (Die Nekrutirung der Juden.) Der Odeßki Listok schreibt: Die Rekrutirungsbureaux beginnen jetzt wieder ihre alljährliche Thätigkeit. Wiederum wird die Frage des Militärdienstes bei den Juden an der Tagesordnung sein; neue Klagen werden gegen die Juden erhoben werden, die beim Appell nicht erscheinen, wiederum werden die Juden insgesammt angeklagt, ihrer heiligsten Pflicht nicht zu genügen. Wie gewöhnlich werden die jüdischen Zeitungen antworten, daß die Zahl der jüdischen Rekruten in keinem Verhältniß zur richtigen Zahl der jüdischen Bewohner steht, und daß die Register der jüdischen Bevölkerung schlecht geführt werden; wie gewöhnlich werden alsdann die antisemitischen Blätter diesen Einwendungen ein absolutes Dementi gegenüberstellen und wieder das gewohnte Lied anstimmen: „Der Jude weigert sich unter der Fahne zu dienen!" Diesmal wird der gewohnte Streit nicht eine so scharfe Polemik wie in früheren Jahren Hervorrufen: denn in den höheren militärischen Kreisen ist es ausdrücklich anerkannt worden, die Einwände der Juden, daß man zu viele Rekruten von ihnen fordere, seien gerechtfertigt; über diesen Punkt bleibt jede Polemik ausgeschlossen, die offiziellen authentischen Zahlen beweisen dies. Wir wollen vorausschicken, daß bezüglich der im letzten Jahre berufenen Rekruten, die Zahl derselben im Vergleich zu derjenigen vom vorhergehenden Jahre ganz im Einklang steht mit der normalen Zunahme der Gesammtbevölkerung; im Jahre 1891 betrug die Zahl der Rekruten 874.101 Mann, und im Jahre 1895 — 882.227 Mann. Hingegen haben wir bezüglich der Zahl jüdischer Rekruten charakteristische Unterschiede gefunden. So nimmt die Zahl der zur Fahne berufenen jüdischen Leute, trotz der normalen Zunahme der jüdischen Bevölkerung von Jahr zu Jahr ab. Da wird man vielleicht einwenden, daß diese Abnahme mit der im Jahre 1891 begonnenen Auswanderung der Juden im Zusammenhang steht. Dagegen werden wir nur einwenden, daß die Rekrutenliste nach den Geburtslisten der jüdischen Register aufgestellt werden und daß junge Leute, welche das 21. Jahr erreicht haben, gar nicht in Betracht kommen. Anbei die offiziellen Zahlen bezüglich des Aufrufs der Juden: Im Jahre 1891: Zahl der berufenen Juden: 50.470. „ „ 1895: „ „ „ „ 46.846. folglich bildeten die Juden im Jahre 1891 5,4°/0 von der Gesammtzahl der Berufenen; im Jahre 1995 dagegen nur noch 4,9°/$. Daraus geht hervor, daß die Geburten bei den Juden im Jahre 1674, verglichen mit denen aus dem Jahre 1870, nicht die normale Zunahme zu verzeichnen hatten; daß im Gegentheil eine Abnahme von 3,624 Geburten, also 7,30/0 vorhanden sei. Wie läßt sich diese unleugbare Thalsache erklären? Dadurch daß die wirklichen Zahlen mit den offiziellen nicht im Einklang stehen. In den westeuropäischen Staaten werden durchschnittlich 185 junge Männer auf 1000 Einwohner unter die Fahne gerufen. Für die jüdische Rekruten stellt sich das Verhältnis auf 24 — 25 unter 1000 Einwohner, ein erheblicher Unterschied, eine Folge unserer irrigen Angaben über die jüdische Bevölkerung. Es wäre logisch, daß man von der jüdischen Gesammtbevölkerung nur 39000 oder höchstens 40000 junge Leute aushebt. Im Jahre 1891 hat man nun aber 10 000, im Jahre 1895 ungefähr 7000 mehr verlangt als die jüdische Befölkerung liefern mußte. Dabei ist zu bemerken, daß die äußerst zahlreichen Fälle, in denen die junge Leute vor dem 21. Jahre gestorben und doch in den Registern nicht gestrichen sind, bei unserer Aufstellung vernachlässigt werden. Aus diesen Betrachtungen geht eine klare, knappe Folgerung hervor: man fordert von den Juden eine zu hohe Rekrutenzahl, die mit der Zahl der Einwohner in gar keinem Verhältnis steht. Als einfache Mittheilung wollen wir noch die unfreiwilligen Jrrthümer feststellen, die bei den jüdischen Rekruten Vorkommen. Nach dem Gesetze sollen die Juden einzeln losen, und da die, welche beim Appel fehlen, sofort durch andere jüdische Rekruten ersetzt werden,

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