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Der Israelit · 1896-12-28 · Heft 104 (28.12.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 104 (28.12.1896)
Date
1896-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1983 die Protestanten um 58,18, die Katholiken sogar um 72,83 vermehrt haben. Wir haben also abermals eine relative Abnahme des Antheils der Juden an der Bevölkerung des preußischen Staates zu konstatiren, denn an den 31 855 123 Seelen überhaupt, die Preußen jetzt zählt, sind die Juden nur der 84ste Theil. Die absolute Zunahme von 5657 Seelen in 5 Jahren ist zwar etwas größer als die von 6484 in dem vorigen Jahrfünft, aber doch viel kleiner, als sie hätte sein müssen, denn sie hätte nach dem Verhältniß der christlichen Bevölkerung ca. 24 000 Seelen betragen sollen. Interessant ist es, die Verschiebung der jüdischen Bevölkerung im preußischen Staat zu beobachten. Von den Provinzen desselben ist eine Zunahme natürlich zu verzeichnen in 1695 1690 Zunahme Berlin 86 152 gegen 79 286 6 866 Brandenburg 18 394 „ 13 775 4 619 Schleswig Holstein 3 702 „ 3 571 131 Westfalen 19 359 „ 19172 187 Hessen Nassau 45 725 „ 44 543 1 162 Rheinprovinz 49 018 „ 47 234 1 784 eigentlich also nur in Berlin und in den Berliner Vororten eine wirkliche Steigerung der jüdischen Bevölkerung, dagegen eine Abnahme in folgenden Provinzen: 1895 1890 Abnahme Ostpreußen 14 364 14 411 47 Westpreußen 20 238 21 750 1 512 Posen 40 <>19 44 346 4 327 Pommern 11 661 12 246 585 Schlesien 47 593 48 003 410 Sachsen 7 850 7 949 99 Hannover 15 065 15 112 47 Hohenzollern 576 661 85 Wir wollen noch einige große Gemeinden ihren Bevölkerungsziffern vergleichen: Es halten 1895 1890 Frankfurt a. Main 19 488 17 426 -ff: 2 062 Breslau 18 449 17 754 -ff 695 Köln 7 932 6 659 -ff 1 073 Posen 5 810 6 126 316 Charlottenburg 4 667 1 475 + : 3 212 Hannover 4151 3 933 -ff 218 Königsberg 4 076 4 008 -ff 68 Stettin 2 850 2 582 -ff 268 Danzig 2 474 2 535 61 Die Großstädte des Westens haben demnach zum Theil bedeutend zugenommen, die des Ostens, außer Berlin und allenfalls Breslau ganz unbedeutend zu, manche sogar direkt abgenommen. Oester r.-U n g a r. M o n a r ch ie. Wien, 17. Dez. Der Kampf um die Selbstständigkeit, welche gegenwärtig die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft gegen den antisemitischen Wiener Gemeinderath durchkämpft, macht in den weitesten Kreisen das größte Aufsehen, um so mehr, als er in hervorragendein Maße in den mächtigen politischen Kampf unserer Tage sich einfügt. Der Kampf gegen die Subventionirung dieser werkthätigen Samariter- Gesellschaft zur ersten Hilfeleistung bei Unfällen und plötzlichen Erkrankungen ist schon viele Jahre alt. Als die Antisemiten im Gemeinderathe noch die Minorität waren, wurde die Rettungsgesellschaft, so oft die Subvention in Frage kam, in der schimpflichsten und feindseligsten Weise behandelt, weil ein großer Theil ihrer jährlichen Ausgaben von 75,000 bis 100,000 Gulden durch ständige Schenkungen reicher Israeliten gedeckt werden; ein Gemeinderath erklärte damals unter dem Beifalle seiner Genossen, er würde lieber mit zerschmettertem Fuße auf der Straße liegen bleiben, als sich für jüdisches Geld retten lassen! Jetzt, wo die Antisemiten die Majorität bilden und den Gemeindesäckel in der Hand haben, wagen sie es doch nicht, ihren alten Haß gegen die Arbeit der Rettungsgesellschaft, durch Entziehung jeder Gemeindesubvention zu bethätigen. Aber sie wollen auf dem Umwege einer Subvention die Gesellschaft, die übrigens unter der Oberleitung zweier Grafen und anderer unleugbarer Christen steht, gänzlich in die Hand bekommen. Nun aber kommt der Gesellschaft im Kampfe um ihre Selbstständigkeit ihre große Popularität zu Hilfe. Der Gemeinderath hat seinen ersten Beschluß, der Gesellschaft 10,000 Gulden Jahressubvention und 5000 Gulden Baubeitrag zu gewähren, wenn ihm dafür die theilweise Besetzung der Ausschußstellen und die Statutenänderung auf Ausschluß aller Juden eingeräumt würde, einfach nicht auszuführen gewagt. Auch fehlte es bei der vor wenigen Tagen abgehaltenen Berathung gänzlich an den hergebrachten Beschimpfungen. Man beschloß, die genannten Unterstützungen ohne Weiteres der Gesellschaft aus Gemeindemitteln zu ertheilen, wenn die Gemeinde nur wenigstens drei Mitglieder in's Aktionskomite entsenden dürfe. Anderen Tags jedoch langte schon die Antwort der Gesellschaft ein: sie verzichte auf jede solche bedingte Gabe und werde versuchen, auch ohne Gemeinde-Unterstützung den Wienern Beistand zu leisten. Unsere Gemeindepaschas sind hierdurch in eine unangenehme, fast beschämende Stellung gedrängt. Schweiz. Bern. Das soeben ausgegebene „Politische Jahrbuch der Schweizerischen Eidgenossenschaft" von Professor Dr. Hilty enthält folgende Notiz: „Für uns interessant war die Nachricht, daß die militärischen Conservenfabriken in Sachsen für

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