Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 102-103 (23.12.1896)
- Date
- 1896-12-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1959 neue Kraft, treiben Schwingen Adlergleich, sie eilen unb ermüden nicht, sie gehen dahin und ermatten nicht." Das sind die Bürgen für die Thora Gottes, deren Gesinnung dafür einsteht, daß dasjenige, wofür sie gelebt und gebürgt auch auf Kinder und Enkel übergeht. Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Aus Ostpreußen. Durch Beschluß der Generalversammlung des ostpreußischen Synagvgenvcrbandes und des freien Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens ist eine gemeinsame Kommission zur Regelung der Anstellung, Besoldung und Versorgung der jüdischen Religionslehrer Ostpreußens bestellt worden. Es handelt sich hier um einen der wichtigsten Gegenstände unseres Gemeindelebens und unserer Religionsschulen. Die Religionslehrer sind diejenigen, welche der kommenden Generation das Judenthum zu erhalten haben, aber in erster Reihe berufen sind, in der Gemeinde selbst das religiöse Leben zu pflegen und zu stützen. Sie haben also eilte hohe ideale Aufgabe zu erfüllen, mit der sehr häufig ihre materielle Lage und ihre soziale Stellung in krassestem Widerspruch steht. Schuld daran sind in erster Reihe Anstellung auf zu kurze Zeitdauer und damit verbundene Unsicherheit der Lebensstellung, schlechte Besoldung und mangelnde Versorgung für den Fall der Arbeitsunfähigkeit oder der Hinterbliebenen im Falle des Todes. Eine Besserung dieser Verhältnisse muß erstrebt werden und Vorschläge dazu will die Kommission machen. Dazu bedarf sie aber vor Allem einer genauen Statistik der Beamtenverhältnisse einerseits und der Leistungsfähigkeit der Synagogen-Gemeinden andererseits. Zu diesem Zweck versandte „die Kommission für Regelung der Anstellung, Besoldung und Versorgung der jüdischen Religionslehrer Ostpreußens" an die Synagogen-Vorstände der Gemeinden in Ostpreußen einen Fragebogen mit der Bitte, im Interesse der guten Sache sämmtliche gestellte Fragen möglichst ausführlich, genau und schnell zu beantworten und demnächst^ an den Vorsitzenden der Kommission, Rechtsanwalt Dchey in Allenstein, einzusenden. Breslau, 16. Dez. Die Breslauer Burschenschaft „Germania" hat bezüglich der Resolution des A. D. E. (Nichtaufnahme jüdischer Mitglieder) an die Bundesbrüder ein Rundschreiben gerichtet, worin sie mittheilt, sämmtlichen Burschenschaften sei angezeigt, daß sie jene Resolution nicht für bindend halte und sich stets das Recht wahren iverde, über die Aufnahmefähigkeit der Mitglieder selbst zil entscheiden. Die Burschenschaft „Germania" hofft, daß durch diese Maßnahme das gute Einvernehmen zwischen den „Alten Herren und den „Aktiven" der Burschenschaft, das ernstlich gefährdet erschien, wieder vollkommen hergestellt werde. England. London. Unter lebhafter Betheiligung vollzog sich die Eröffnung der neuen Chowre-Synagoge in der Artillerie Laue. Bart. Samuel Montague, der Präsident der Federation of Synagogues, vollzog die feierliche Eröffnung des Gebäudes, worauf der Dajan Rv. B. Spiers an Stelle des verhinderten Chief Rabbi die Einweihung der Synagoge vornahm. Rach der Feier und dem Abendgebet überreichte Mr. Landau Namens der Federation of SynagogueS mit einer schönen Ansprache Bart. Samuel Montague einen goldenen Schlüffel des neuen Gotteshauses als ein Zeichen, wie hoch die Mitglieder der Federation Montagues Verdienste zu schätzen wüßten. Palästina. Jerusalem. Es ist bekannt, daß die Mission ein großes Interesse daratt nimmt, die Zahl der Juden im heiligen Lande viel größer anzugeben, als sie in Wirklichkeit vorhanden ist. So wird jetzt wieder verbreitet, daß in Jaffa sich die Juden von 15 000 auf 42 000 vermehrt hätten, während in Jerusalem, wo 1841 nur 8000 und 1883 angeblich 25 000 gewohnt haben, sich jetzt 70 000 befinden sollen. Alle diese Ziffern sind maßlos übertrieben. In Wirklichkeit sind in Jaffa nur 3 bis 4 Tausend, in Jerusalem nach den zuverlässigsten Angaben 28 ooo jüdische Einwohner. Das Motiv der Mission liegt nahe genug. Durch solche Ausstreuungen soll die Regierung auf das koloffale Wachsen der jüdischen Bevölkerung aufmerksam gemacht werden, damit dieselben den einzelnen Juden recht viel Unannehmlichkeiten bereite, und sie so den Einflüsterungen der Mission geneigter mache. Es ist deßhalb zweckmäßig, diesen heimtückischen Erfindungen bei Zeiten entgegenzutreten. Wereinsriachrichten. Königsberg. Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt dieser Tage vor einer den Saal des Artushofes bis aus den letzten Platz füllenden, aus Herren und Damen bestehenden Zuhörerschar, Herr Privatdocent Dr. Peiser einen Vortrag, der „Das Babylon der jüdischen Gefangenschaft" zu seinem Gegenstände hatte. Der Redner beleuchtete dabei die hohe Bedeutung, welche die babylonische Kultur der angegebenen Zeitepoche für die weitere Kulturentwickelung der jüdischen Ration und durch diese indirekt für die Entwickelung der gesamten Zivilisierten Welt^gehabt hat, und gab der Meinung