Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 102-103 (23.12.1896)
- Date
- 1896-12-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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IXXm Jahrgang. Erste Seil, zu J\s 102 & 103 -rs „Israelit". Seiten»« Artikel. Die Bürgschaft. (Schluß.) III. Mainz, 22. Dezember. Ein tieferes Eingehen auf den zur Betrachtung herausgegriffenen Ausspruch des Midrasch lenkt unsere Aufmerksamkeit auf einen Wechsel des Ausdrucks. Die erste Frage an Israel lautet: Wollt Ihr meine Thora annehmen? 'nun 'bzpn. Auf deren Bejahung folgt dann die Forderung einer Bürgschaft für deren Aufrechterhaltung, ie«pnp au? b i:n rvriK, nicht etwa für ihre bloße Erfüllung, die in der Regel durch rroy ausgedrückt wirh. Die Bereitwilligkeit die Thora entgegen zu nehmen, schließt diejenige ihrer Erfüllung und praktischen Verwirklichung ja selbst in sich. v'p will mehr sagen als die bloße Erfüllung. Die Bedeutung dieses Wortes erklärt f"aoi zu den Worten: n»n mim 'im rx cp’ ab is>» mx am» „Fluch, dem, der nicht aufrecht erhält die Worte dieser Thora sie zu erfüllen" (V. B. M., Cap. 27, V. 26.) Gestützt auf einen Ausspruch des Talmud Jeruschalmi im Traktat Sota (Perek VII) bemerkt derselbe: mim pnnr6 bir rrm rwaiUM pnst »in rni i^’Bx . iii» m 'in nmx v'bvarrn cytm tb „Wäre Jemand selbst ein vollendeter Gerechter in Folge seiner Handlungen, er könnte aber die Thora bei Gesetzeslosen aufrecht erhalten, die sie aufgeben, so ist er diesem Fluche verfallen;" (wenn er sie nicht aufrecht erhält.) Nicht für die praktische Erfüllung, für die Aufrechterhaltung der Thora, wenn sie durch die Angriffe Gesetzesloser dem Untergang geweiht werden sollte, dafür verlangte Gott die Bürgschaft seines Volkes. Dieses Verlangen setzt die Möglichkeit voraus, daß die Einzelnen die Thora hinnehmen und sich allen ihren Anforderungen bereitwillig unterziehen, daß sie — wie man zu sagen pflegt — für sich fromm sind, aber eben durch diese auf die eigene Persönlichkeit beschränkte Frömmigkeit sich von der Verantwortlichkeit frei für die Behandlung glauben, welche die Thora unter dem Regime Gesetzesloser erfährt. Da meint nun die göttliche Anforderung, wir hätten unserer Pflicht nimmermehr genügt, wenn wir ihr nur für uns genügt haben, wenn uns aber der Abfall pflichtvergessener Brüder und Schwestern kalt läßt und uns nicht anspornt mit doppelter und dreifacher Hingebung in die Bresche zu treten, um der Thora auch bei ihnen Achtung und Anerkennung zu sichern, daß wir sie nicht nur für uns getreulich hüten, sondern daß wir für sie auch den Handschuh aufnehmen, den Leichtsinn und Trotz, Klugheit und Thorheit in unseren eigenen Reihen ihr hinwerfen, dafür forderte Gott eine Bürgschaft für uns, bevor er fein köstliches Kleinod uns anvertraute. Auf dieses Verlangen hin konnte Israel mit freudiger Zuversicht auf seine großen Ahnen Hinweisen, als deren würdigen Kinder und Enkel sie sich begriffen. Abraham, Jizchak und Jakob leuchten ja nicht nur als hohe Ideale eines gotttreuen Wandels für ihre eigene Persönlichkeit durch alle Zeiten. Sie haben trotz ihrer Vereinzelung und materiellen Schwäche den Kampf gegen die ganze Zeit ausgenommen und trotz aller Verkennung und Verfolgung die Lichtsaaten des Göttlichen unbeirrt in die Menschheit gestreut. Sie haben in diesem Kampf ihre Häuser gegründet und ihre Kinder erzogen, die zu einem großen Volke herangewachsen auf Grund dieser Bürgen wohl das Vertrauen beanspruchen dürfen, das Wort Gottes nun hinzunehmen. Aber vor Gottes prüfendem Blick, der sogar an seinen Engeln Makel findet, bedürfen selbst die Väter noch der Bürgen. Sprach doch Abraham, „wodurch werde ich wiffen, daß ich es (das verheißene Land) besitzen werde?!" Wenn Vater Abraham, mit dem die Geschichte des israelitischen Volkes erst ihren Anfang nahm, für die heitere Verwirklichung der ihm gewordenen Verheißungen Zeichen und Beweise forderte, so können wir das begreifen, auch wenn wir in ihm den cj'cxö twti, das Ideal des rückhaltlosen Vertrauens auf Gott verehren. Aber für alle Zukunft ist Gottes Sache nicht geborgen, wenn sie in den Händen eines Volkes ruht, deffen Glieder ein solches Verlangen stellen. Es gibt viele Fromme, wackere Menschen, die selbst vor dem Kampfe für ihre Ueberzeugung nicht zurückschrecken würden, wenn sie nur den glorreichen Ausgang dieses Kampfes im Voraus sicher wüßten. Diese Unsicherheit lähmt ihr Vertrauen und benimmt ihnen den Muth für Gottes heilige Anliegen den Kampf zu wagen. Der große Troß, welcher den Wahrheiten der Thora geringschätzig den Rücken kehrt, ihr die Zukunft abspricht und sie für einen überwundenen Standpunkt erklärt, imponirt denjenigen, die den Kampf für die Thora erst wagen, wenn ihnen sein Ausgang sicher ist, und er eben aufgehört hat ein WagNiß zu sein. Sie bieten deßhalb keine