Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 102-103 (23.12.1896)
- Date
- 1896-12-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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y.--;^ -• 1--V; 1956 es half nicht viel. Die Söhne waren ihnen über den Kopf gewachsen und erklärten rundweg, sie wären ihre eigene Herren, sic wollten das schon verantworten. Das Schlimmste aber war, daß Jankel, abgestumpft durch die Gewohnheit, selbst angefangen hatte, es mit der gewissenhaften Erfüllung des Gottesgesetzes laxer zu nehmen. Seitdem sie ihre neue Wohnung bezogen hatten, besuchte er wegen des weiten Weges weder die Synagoge noch das Bes-Hamidrasch an jedem Tage. Nur am Sabbat hatte er Zeit und Muße dafür; aber auch das war ihm bald verleidet. Jeder gewissenhafte Jehudi, mit dem er dort zusammenkam, war für ihn ein lebendiger Vorwurf, dem er daher lieber aus dem Wege ging. Er erfüllte zwar im Hause gewissenhaft seine religiösen Pflichten wie bisher, aber er that es nur um seiner Pflicht zu genügen; nicht mehr wie früher aus innerem Herzensdrang. Ein jüdischer Geschäftsfreund hatte ihn einmal mit in ein Restaurant genommen und ihn mit Wein regalirt und Jankel hatte nicht den Muth die Offerte zurückzuweisen, obwohl er wußte, daß er ein bis dahin heilig gehaltenes Gesetz verletzte. Dazu kam, daß Jankel hoffte, durch solche Nachgiebigkeit ein besseres Verhältniß mit seinem Schwiegersohn anzubahnen, was auch in der That der Fall war. Als dieser merkte, wie es mit seinem Schwiegervater bestellt war, suchte er sich ihm zu nähern und ihn für seine Religion des Abfalls, nicht nur durch Hohn und Spott, sondern durch Neberredung zu gewinnen. Er nahm ihn einmal mit in seine Synagoge, damit er Jellinek zu höre. Dieser predigte so fromm und feurig, wie es kaum der beste Maggid in U. zu Wege brachte. Als sie nach Hause gingen, fragte Feiwel seinen Schwiegervater: „Nun, wie hat Dir die Droscho gefallen?" „Fein," sagte Jankel, „wie ein Jid reden muß; die Wiener sind keine Narren, wenn sie so viel Aufsehens von ihrem Maggid machen; und was für Mussar und Tauchocho in jedem Wort!" „Nun siehst Du; und dieser Maggid hat ein glattrasirtes Gesicht wie ich es habe, ißt und trinkt was ihm schmeckt, wie ich es thue, und mir machst Du fort und fort Vorwürfe über meinen ilnjüdischen Lebenswandel." Jankel wußte nichts zu entgegnen uitb schwieg. Aber Feiwel fuhr fort: „Es ist heute halt eine andere Zeit. Wir Jehudim sind alleri anderen Bürgern gleichgestellt und da wäre es sogar unrecht von uns, tvenn rvir uns durch Aenßerlichkeiten absonderten, sticht auf diese Aeußerlichkeiten, auf's Herz und auf die Gesinnung kommt's an und rvenn die recht sind, dann ist das andere Nebensache. Gäbe uns der Hirumel ein solches Massol, wie wir es haben, wenn er nicht selber damit ein verstanden wäre? Jankel erzählte nach Hause zurückgekehrt seiner besseren Hälfte von diesen! neuen Evangelium, das er soeben von Jellinek und seinem Schwiegersöhne gehört hatte und meinte, sie müsse auch einmal mit in den großen Tempel und dort Jellinek hören. (Fortsetzung folgt). Wochen - Kalender. Donnerstag, 24. Dezember, 12. Thebet, n"r, Mreitag, 25. Dezember, 20. Thebet. Sabbat-Anfang in Mainz, i Uhr - Min. Samstag, 20. Dezember, 21. Thebet, mötto Sabbat-Ausgang in Mainz, 0 Uhr 20 Min. Montag, 28. Dezember, 22. Thebet, HDlpn. Der „JSraelit" erscheint wöchentlich »welmal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mart ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch S F. Ktrtnacker, -rtpflg, ZLoßptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die ispaltige Petitzeile oder deren Raum. 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Inhalt der zweite« Beilage: Leitender Artikel: Weißer Sclavenhandel. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Frankfurt a. 3ft. Köln. Kleinbardorf im Grabseide. Regcnsburg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Türkei: Bagdad. — Vermischtes. ...... Belletrist. Beilage: Der Kenner. Von Dr. M. Lehmann — Allerlei. — Der große Kurfürst und die Juden. — Aus Nah und Fern._ Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz-— Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hier»« drei Beilagen.