Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 102-103 (23.12.1896)
- Date
- 1896-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1951 offenem Auge und weitem Herzen, in ernster Pflichttreue strebend, jedem Momente nach seines Gottes Worte gerecht zu werden, ebenso fern von bloß äußerer Werkheiligkert m':e von oberflächlichem leichtfertigen Sinne, heiterglücklich durch's Leben zu schreiten. Zur Erläuterung des erwähnten Verhältnisses der Ergänzung und Erweiterung, in welchem die einzelnen Monatsaufsätze der verschiedenen Jahre zu einander stehen, nur ein Beispiel. So bespricht der Ki S l e w-Artikel im ersten Jahrgang dasChanuckafest, indem er eine Parallele zieht zwischen der jüdischen Gegenwart und ihren Verirrungen und denjenigen Zeilen, de^en Gedächtniß Chanucka bringt, und schließt, indem er deren Zustände durch Auszüge aus dem Buche der Makkabäer schildert, wiederholt mit dem drastischen Refrain: „Jst's eine alte Geschichte?" — Im zweiten Jahrgang enthält der Kislew-Artikel unter der Überschrift: „Die vier Chanucka" einen vollständigen Aufriß der biblischen und nachbiblischen Geschichte von der Erstehung Israels zum Volke bis zur Zeit der Makkabäer, in dem Rahmen der verschiedenen Tempelweihen, von der des Stiftzeltes bis zur Chanucka der Makkabäer. Derselbe bietet eine solche Fülle von neuen Gesichtspunkten, er begreift so sehr die einzelnen geschichtlichen Phasen in ihrem tiefsten Zusammenhänge, im Lichte des höchsten Pragmatismus, nämlich der Erziehung Israels für seine Bestimmung, daß es zu bedauern ist, daß es noch keine Bearbeitung der biblischen Geschichte giebt, die diese Darstellung, sowie die im Pentaleuchcommentar enthaltenen Charaklerstiken und Ausführungen zu Grunde gelegt hätte. Es würde ein Buch entstehen,das,den dringenden Anforderungen der Gegenwart entsprechend, wie kein zweites geeignet wäre, die jüdische Jugend ihre große Vergangenheit mit ihren Erhebungen und Verirrungen kennen und lieben, gar viele Erscheinungen ihrer Gegenwart begreifen und würdigen zu lehren, vor Allem aber und durch Alles sie mit dem Hochgefühl ihrer ewigen Bestimmung zu erfüllen. Im dritten Jahrgang aber behandelt der Kislew- Artikel : „Der Hellenismus und das Judenthum" in philosophischer, doch klar verständlicher Weise das Verhältniß der jüdischen zu der griechischen Welt- und Lebensanschauung. Er zeigt, wie beiden das Streben der Selbstvollendung nach einem Ideale hin gemeinsam sei. Nur sei für den Hellenismus dieses Ideal das des Sinnlich-, d. i. ästhetisch Schönen, während es für das Judenthum das des Sitt li ch-Schönen sei. Die Erziehung zu jenem sei die Vorstufe für die Erziehung zu diesem. Der von Alexanders Waffen in die asiatische Welt gebrachte Hellenismus war für diese ein Fortschritt, für die jüdische Welt jedoch ein trauriger Rückschritt. Im vierten Jahrgang behandelt der Artikel: „Die Minorität" Lichtseiten und Schattenseiten einer Minoritätsstellung. Wie oft wird uns auch heute noch entgegengehalten: „Ihr seid ja die Minorität!" — und bei gar Manchem regt sich da Kleinmuth und Verzagtheit. Da zeigt uns nun Samson Raphael Hirsch in einer Untersuchung über die Stellung einer Minorität überhaupt, welche Lichtseiten diese Stellung habe. Er zeigt, wie eine Wahrheit im Schoße einer Minorität immer treuere Pflege und selbstlosere Träger finde. Während eine siegreiche Majorität zu allererst ihrer eigenen Sache untreu wird, weil sie sie unter dem Schutze der mächtigen Mehrzahl für gesichert hält, sich deßhalb nicht mehr um ihre Erhaltung kümmert, und sie bald nur noch als leerer Name, als äußeres Erkennungszeichen von Geschlecht zu Geschlecht sich vererbt, wird eine Minorität schon durch den Gegensatz zur Majorität dazu getrieben, sich immer neu in den geistigen Gehalt ihrer Sache zu versenken und die Erziehung ihrer Kinder für sie zu einem Gegenstände ihrer ernstesten Sorge zu machen. Aus derselben Stellung, die keinerlei äußere Vortheile bietet, vielmehr nur Opfer auferlegt, ergiebt sich auch, daß die Wahrheit in der Minorität selbstlosere, ihr nur um der Sache willen dienende Träger finde. Eine weitere Folge ist die höhere Bedeutung jedes Einzelnen, zugleich auch die schärfere Kritik seiner Denk- und Handlungsweise. In den Darlegungen dieses Artikels (S. 107 bis 131) liegt ein reiches Arsenal von Gedanken geborgen, das nimmer versagende Waffen der Vertheidigung und der Abwehr einem Jeden darbietet, der auf der Zinne der Minorität die heiligste Sache vertritt. Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Main). Von dem Direktor eines LehrinftitutS erhalten wir folgende Zuschrift: (O bliga torisch er Religionsunterricht.) Die „Pr. Lehrerzeitung" meldet auS Berlin: „Eine Petition um Einführung des obligatorischen Religions-Uuterrichtes für jüdische Schüler haben 600 jüdische Gemeinden an das Kultusministerium abgesandt. Die Berliner Gemeinde hat sich diesem Vorgehen nicht angeschloffen, da die Mehrheit des Berliner Repräfentanten-KollegiumS den fakultativen Religions-Unterricht beibehalien wissen will. Der Kultusminister ist dem Religionsunterrichtszwang im Sinne der Petenten nicht abgeneigt, hat jedoch Bedenken geltend gemacht, da es an einer genügenden