Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 102-103 (23.12.1896)
- Date
- 1896-12-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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CT; 1950 Werke der Erhaltung und Förderung des in Haus und Schule zu pflegenden und durch die öffentlichen Institutionen des Gemeindelebens zu tragenden jüdischen Heiligthums vereinigen mögen. So friedlich jedoch ihre Sendung, so wenig kann sie ohne Kampf ihren Weg vollbringen. Nur schwertumgürtet kann heute, wie einst zur Väterzeit, auf dem schuttbedeckten, feindumlauerten Boden der Bau des Heiligthums gefördert werden. Doch nur die Kelle schützen soll das Schwert. Gern ruhet es in der Scheide, so lange der Kelle Arbeit unverkümmert Stein zum Stein fügen kann, so lange das Streben Anderer nur des eigenen Werkes wartet, ohne den Bau des väterlichen Heiligthums zu stören. Wo aber diesem Bau der altberechtigte Boden . entzogen, wo Kräfte und Mittel ihm entfremdet, wo Geister und Gemüther ihm entführt werden sollen, wo immer man diesem alten jüdischen Heiligthum Entstellung, Verdächtigung, Angriff in den Weg zu schleudern versucht, da darf das Schwert nicht ruhen, da muß die Rechte den Kampf der Wahrheit und des Rechts vollbringen, während die Linke das Werk des Friedens übt. Belehrung zur Erkenntniß und richtigen Würdigung der Institutionen des Judenthums und seiner Anforderungen einerseits, prüfender Einblick in die wirkliche Lösung dieser jüdischen Aufgabe in der Gegenwart zur Erkenntniß vorhandener Mängel und ihrer Abhülfe andererseits, das sind die beiden Hauptelemente, denen die Blätter dieser Zeitschrift bestimmt sind. Dieser Bestimmung gemäß soll alles darin Gegebene den Stempel redlicher Forschung und sachkundiger Wissenschaftlichkeit tragen, allein nur die Resultate der Forschung, die Früchte des wissenschaftlichen Gedankens für's Leben in möglichst ansprechender Form dem gebildeten Leserkreisebringen. Belehrende Aufsätze über die wichtigsten Institutionen des Judenthums. Schilderung des jüdischen Lebens auf dem Boden dieser Institutionen und Charakterbilder von Personen und Zuständen der jüdischen Vergangenheit. Geist jüdischer Welt- und Lebens-Anschauung aus Thnach und Midrasch. Kritische Würdigung der für den gebildeten Leserkreis berechneten Erscheinungen der neueren jüdischen Literatur. Correspondenzen, Berichte, Besprechungen aus dem jüdischen Gemeinde- und Schulwesen. Dies und die Rubriken, in welche sich der Stoff dieser Zeitschrift etwa vertheilt." — Dazu kam noch ein alle 14 Tage herausgegebenes Beiblatt, das Nachrichten und Berichte von mehr ephemerem Interesse enthielt. Der Jeschurun hat in vollem Maße wahr gemacht, was er in Aussicht nahm, er enthält einen unermeßlichen Schatz jüdischer Wissenschaft; seine Artikel über jüdisches Gemeindewesen streben die Regenerirung desselben an nach den unverbrüchlichen Principien, die grundrechtlich die Existenz eines jüdisch-religiösen Gemeinwesens bedingen, sie lehren die Bedingungen dieser Verjüngung und liefern zugleich die geistigen Waffen zur Verteidigung und zum Schutze des von neologen Vorständen und Majoritäten an so vielen Orten bedrängten gesetzestreuen Judenthums. Heben wir aus dem reichen Inhalte zunächst der ersten Rubrik in aller Kürze zur Charakterisirung und allgemeinsten Orientirung wenigstens Einiges hervor. Die ersten acht Jahrgänge enthalten zunächst je zwölf Monats-Aufsätze, in denen die betreffenden Festzeiten und Gedächtnißlage nach ihrer Bedeutung, ihrem geistigen Gehalte und ihren Anforderungen in der Reihenfolge des Kalenderjahres behandelt werden. Die Betrachtung einer jeden Gegenwart, ihrer Erscheinungen und Aufgaben sud speeie aeterni, im Lichte der ewigen Anforderungen, die die in ewigem Kreisläufe in die jüdische Wirklichkeit tretenden Feste und G - dächtnißtage in uns wachrufen wollen, das ist der tiefe Sinn, in welchem Samson Raphael Hirsch an den Anfang des ersten Aussatzes des Jeschurun den Satz stellte: „DesJuden Katechismusiftsein Kalender." In diesem Sinne ergänzen sich einander die Bearbeitungen der betreffenden Monatsartikel in den verschiedenen Jahrgängen, ein jeder ist die Erweiterung oder Vertiefung des vorhergehenden, oder er betrachtet andere Seiten des Lebens und seiner Aufgaben in dem Lichte der dargebotenen Wahrheit. Wenn diese Zeiten in den jüdischen Kreis treten, um die Erkenntniß ewiger Wahrheiten und ihre Beherzigung in unserem Geiste und Herzen stets neu zu beleben: sy gibt es keine treffendere Kennzeichnung dieser Aufsätze, als w nn wir sie die Personificationen dieser Zeiten nennen, der Autor ist das Organ der Gedankenfluth, die zur Aussprache dränat, der Vermittler, der sie, in classisch schöne Form gegossen, seinem Volke entgegenbringt. Wohl erkennt man in manchen längeren Perioden den unvergleichlichen Redner, man fühlt es, das geschriebene ist eigentlich das gesprochene Wort, es pulsirt in ihnen ein Feuer, ein Schwung, der den Leser unwillkürlich zum AuSsprechen des Gelesenen treibt und dadurch das Verftändniß erleichtert. Allein erhebliche Schwierigkeiten bieten auch diese Stellen nicht, denn das Gefüge der Sätze ist stets ein durchsichtig klares. Daruin haben diese Aufsätze dauernde und höchste Bedeutung. Wer an ihrer Hand das jüdische Kalenderjahr durchlebt, der lernt, als ein bewußter, denkender, seine Zeit begreifender jüdischer Mensch, mit