Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 101 (17.12.1896)
- Date
- 1896-12-17
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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1945 Platz ankaufte und hochherzig dem jüd. Krankenhause zur Bebauung zueignete. Unter Mitwirkung auswärdiger einflußreicher Kreise, ist in kurzer Zeit durch milde Spenden ein Fonds aufgebracht worden, aus dem ein neues Haus errichtet werden konnte. Angesichts des humanen Zweckes der edlen Sache, haben die hohen Behörden, im Speziellen das hohe Kriegsministerium, entgegen den bestehenden Bestimmungen, die Bebaung des Platzes gestattet, sodaß Ende August 1895 die Grundsteinlegung sich vollzog, vor Beginn des Winters kam der Rohbau unter Dach und am 22. November dieses Jahres, wurde das vollendete Hails seiner Bestimmung übergeben. Die Einweihung vollzog sich im Beisein der Spitzen der staatlichen und städtischen Verwaltungsbehörden und ging in dem erhebendem Bewußtsein von statten, ein edles Werk jüdischer Wohlthätigkeit vollbracht zu haben. Der Vorsitzende Herr Banquier Leopold Alexander ergriff das Wort zu einer sehr angemessenen Ansprache und übergab das fertiggestellte Haus an den Arzt des Hauses Herrn Dr. Pindikowsy. Darauf nahm Herr Dr. Pindikowsky das Wort zu einer wohldurchdachten trefflichen Rede, welche mit großem Beifall ausgenommen wurde, die Entstehungsgeschichte des Hauses darlegend. Alsdann folgte die Einweihung und Einweihungsrede des Rabbiners Herrn Dr. Rütf, der ausführlich über die Bedeutung des Unterstützungs¬ und Liebeswerkes in der isr. Religion sich verbreitete, und entwickelte ganz besonders in Anschluß an den Vers Ps. 41,2 die Verdienstlichkeit der Krankenpflege zum Heile der Gesellschaft und zur Förderung eines frommen u. glücklichen Lebens. Rach Beendigungderselbeu wurde ein Rundgang durch alle Räume des Hauses vorgenommen, welches in wahrhaft musterhafter Weise eingerichtet und mit allen Hilfsmitteln des modernen Heilverfahrens ausgestattet ist. Die hohe und frohe Befriedigung über das wohlgelungene trefflich ausgestattete Werk, gaben die geladenen Gäste von den Königl. und städtischen Behörden in herrlichen Reden kund bei der Festmahlzeit, welche Abends anläßlich der Einweihungsfeier stattfand. Der Stadtverord- Vorsteher Herr Consul Pietsch und die anderen Redner des Abends, betonten in herzerfreuenden Worten das innige Einvernehmen, Zusammenwirken und Zusammenarbeiten sämmtlicher Einwohner unserer Stadt, daß die jüdischen Einwohner Intelligenz und Fleiß vereinen und stets des Entgegenkommens ihrer christlichen Mitbürger sicher sein können. Solche Kundgebungen in schönen Worten sind die besten Beweise des guten Gelingens des Werkes, ganz im Sinne unseres Glaubensgenossen Herrn Landgerichtsrath Meyer, welcher in seinem Toaste das Dichterwort anwandte: „Wenn frohe Reden sie begleiten, dann fließt die Arbeiter munter fort." Die allerhöchste Anerkennung der Bedeutung des Werkes, ist aber die durch Allerhöchsten Erlaß vom 18. Juli 1896 dem jüdischen Krankenhaus zu Memel ertheilten Rechte der juristischen Person. So steht das Haus vollendet da, mit allen Rechts- und Heilmitteln reichlich versehen. Es bedarf noch aber der Sicherstellung des Etat zur Deckung der laufenden Ausgaben, seiner hohen Aufgabe gemäß. Die jährlichen Ausgaben des neuen Werkes beziffern sich voraussichtlich auf 7,000 Mk., eine durchaus in ausgiebigster Weise dem neuen Heilwerk und der modernen Pflege angemeffen, jedoch nicht zu hoch gegriffene Summe. Die Einnahmen dagegen aus den seitherigen hiesigen Beiträgen und Zuschüssen, vorausgesetzt, daß sie auch weiterhin bestimmt eingehen worden, sind mit etwa 4000 Mk. gesichert. Ein Zuschuß von 3000 Mk. jährlich ist noch erforderlich, und im Vertrauen auf die stets opferbereiten, jedem humanen Werke geneigten Glaubensgenossen des Continents, werden sich hoffentlich hie und da opferwillige Herzen finden ihn zu leisten, zumal das jüdische Krankenhaus hier ein universell-jüdisches Werk ist. Es ist nicht den hiesigen localen Verhältnissen geweiht, sondern lediglich den aus Rußland herüberkommenden armen kranken Glaubensbrüdern, und bildet es dadurch eine Art Abwehr, um wenisteus einigermaßen unliebsame elende Elemente von einem weiteren Eindringen nach Westeuropa abzuhalten. Jedem hochherzigen Glaubensbruder in den entferntesten Zonen, darf daher die Förderung und Unterstützung dieses humanitären Werkes nahe liegen. —ns.— O e st err. - U n g a r. Monarchie. Graz, 16. Dez. Eine aufregende Szene spielte sich vorigen Freitag Abend vor dem Egydi-Tunnel bei Marburg a. D. auf gem von Triest nach Wien verkehrenden Postzug ab. Der Zug hatte eben die Station Egydi-Tunnel verlassen, als drei windische Bäuerinnen, die den richtigen Zeitpunkt versäumt hatten, noch aussteigen wollten. Die erste siel zu Boden, ohne Schaden zu erleiden, die zweite stürzte vom Trittbrett des rollenden Zuges auf den Schaffner und kollerte aunf den Bahndam, die letzte hatte jedoch einen Fehlsprung gethan, hielt sich aber an einer Stange des Waggons fest und wurde mitgeschleift. Schon nach wenigen Sekunden hatten sie die Kräfte verlassen und sie blieb am Trittbrett hängen. Als die Räder die Unglückliche schon zu erfassen drohten, sprang ein Herr mit Todesverachtung aus dem Wagen auf das Trittbrett, faßte die Frau am Nacken und stieß ihren Körper mit einem Fuße von den Rädern weg. Die Reisenden schrien entsetzt auf, als sie die fürchterliche Lage erkannten. Die Schaffner gaben mit ihren Pfeiffen