Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 101 (17.12.1896)
- Date
- 1896-12-17
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1944 Kinder am Freitag Abend einen Weihnachtsbaum entzünden ließ und öffentlich sagte, daß er am s-m nicht faste! Unerschrocken trat diesen religionsfeindlichen Bestrebungen Selig Cohn entgegen, obgleich er dadurch seine Stellung auf's Spiel setzte und einer ungewiffen Zukunft entgegenging. In Folge seines muthigen Auftretens mußte Selig Cohn seine Stellung aufgeben; doch er hatte nicht umsonst gekämpft, auch der Director, Dr. A. mußte von seinem Posten zurücktreten. Seither lebte Selig Cohn als Privatmann in Berlin. Schicksalsschläge verfolgten ihn gleich Hiob, und doch sah man ihn nie verzagt oder verzweifelt. Es bewährte sich an ihm die großartige Kraft der Emunoh. Tag und Nacht studirte er in der Thora und im Talmud und er zeigte stets, selbst in schweren sorgenvollen Zeiten eine Ruhe und Heiterkeit des Gemüths, die bewunderungswürdig waren. Noch am letzten Abend vor der Erkrankung, die seinen schnellen Tod herbeigeführt hat, studierte er im Gotteswort. Seine ehemaligen Schüler, darunter mehrere Gelehrte, widmeten ihm in den politischen Blättern einen Nachruf. Am Grabe sprach Rabbiner Dr. Hildesheimer und Rabbiner Dr. Auerbach tiefempfundene Worte. Selig Cohn wird bei allen denen, die seine tiefinnige, wahre Frömmigkeit, sein edles Herz, sein liebenswürdiges, theilnahmvolles Wesen, seinen guten Humor und seine Anspruchslosigkeit und seine Bescheidenheit, die mit seinem bedeutenden und umfassenden jüdischen Wissen nicht im Einklang stand, kannten, unvergessen bleiben. Aus Norddeutschland. In Nr. 97 des „Israelit" wird in einer Correspondenz aus Süddeutschland die Frage aufgeworfen: was zur Verbreitung von mim geschehen könne? Wir sind in der glücklichen Lage auf diese Frage nicht mit Redensarten, sondern mit Thatsachen zu antworten. ES bedarf nicht erst einer Anregung aus Süddeutschland, um nirnn -no^ in p"p Altona zu fördern, da die hochwürdigen Rabbinatsassefforen: "z n Cohen und Herr E. Munk trotz ihres hohen Alters mit musterhafter Pünktlichkeit täglich ihre regelmäßigen in der Klaus abbalten, Herr Rabbinatsassessor Dukes n seinen Pflichten *no^ mit großem Eifer stets erfüllt, und vor allem unser hochverehrter Herr Oberrabbiner, seine ganze Geisteskraft in den Dienst der heiligen Sache stellend, mit bewundernswerthem uno allgemein anerkanntem Geschick für Verbreitung von rmm mm nach allen Richtungen hin sehr erfolgreich wirkt. Außerdem haben wir hier eine höhere, von fast 200 Schülern besuchte Volksschule, welche für die religiöse, wie profane Ausbildung der Jugend Sorge trägt, eine Schule, an deren Consolidirung Oberrabbiner Dr> Loeb fn wesentlich mitgewirkt. — Ziehen wir den Religionsunterricht am Gymnasium und Realgymnasien, den unser jetziger Herr Oberrabbiner eingeführt, die höchst belehrenden und geistvollen Vorträge, die wir von Sr. Hochwürden jeden rav erhalten, sowie die für omn 'bva, junge Leute und Kinder, denen das wärmste Interesse entgegengebracht wird, in Betracht, so kann wohl hinsichtlich des mim tb^, p p Altona vielen in Süd- und Norddeutschland als Muster dienen. —r Memel, 16. Dez. (Das jüdische Krankenhaus). Die geographische Lage unseres Ortes, hat diesen von altersher zum naturgemäßen Handels- Centrum und vordersten Punkt des westlichen Europas für weite Strecken eines von einer armen jüdischen Bevölkerung dicht besetzten russischen Landstriches, gemacht. Bei den vielfachen lebhaften Handelsbeziehungen mit dem nahegelegenen Rußland bestand unvermeidlich von jeher ein großer Zug von Kranken, um bei den hiesigen Aerzten Heilung zu suchen, darunter wohl der größte Theil völlig unbemittelter Menschen, welche hier in elenden Gelassen in verlassenen Ställen kaum Obdach fanden. Diesen jammervollen Uebelständen abzuhelfen, ist im Jahre 1871 aus Beiträgen Deutscher Glaubensgenossen ein jüd. Krankenhaus hier errichtet worden und wird durch Spenden, im Wesentlichen der hier handeltreibenden russischjüdischen Kaufleuten, unterhalten. Seit bald einem Menschenaller ist dieses eminent segensreich wirkendes Institut eine Heilanstalt für mittellose Kranke gewesen. Um das Gedeihen des Werkes machte sich der frühere Arzt des Hauses Herr D r. F ü r st (jetzt in Berlin) besonders verdient. Das Haus aber, das dann zu diesem Zwecke als alt angeschafft worden, erwies sich in den letzten Jahren namentlich als sehr klein, mangelhaft, dem hohen Maße des Heilwerkes bei weitem nicht entsprechend. So sehr lagen die Uebelstände im alten Hause zu Tage, daß in einem Jahresberichte Herr Medizinalrath Rath schreiben konnte: „Die elendsten Zustände herrschen im jüdischen Krankenhause zu Memel". Da galt es nun einem noch größeren Uebelstande abzuhelfen, für das bereits bestehende Institut ein neues größeres Heim zu schaffen. Auf Anregung des verdienstvollen Arztes des Hauses Herrn Dr. Pindikowsky, der mit hingebender Liberalität seit mehr einem Jahrzehnt seine Funktion unentgeltlich, als Ehrenamt versieht, — gesellten sich zu den beiden ersten Mitbegründern des Hauses, dem rühmlichst bekannten Rabbiner Herrn Dr. Rü lf und dem Senior unserer Gemeinde Herrn Saul Bloch, einige angesehene Männer die vereint die edle Sache in die Hand nahmen und thatkräftig ans Werk gingen. Diesen voran, der Vorsitzende der Synagogen-Gemeinde Herr Leopold A l e x a n d e r, der aus eigenen Mitteln einen großen