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Der Israelit · 1896-12-17 · Heft 101 (17.12.1896) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 101 (17.12.1896)
Date
1896-12-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
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■^*3ä.T<-3 (Tpr.-’ 1943 Nutzung uns^gegen eine Jahresmiethe gestattet wurde. Nachdem durch Lmbscription der Mitglieder die Summe von ca. fl. 30 000 aufgebracht war, wurde zur Ausführung des Baues geschritten. Mit der Entwertung des Bauplanes wurden zwei Architecten, Herr Bauinspector Rügemer und die Firma Gebr. Hotzmann, resv. deren Architect, Herr Seestern-Pauli, betraut. Die Schwierigkeit der Projectirung lag namentlich darin, daß die Frauenempore den Synagogensaal auf drei Seiten umgab, die Eingänge für die Damen jedoch nur von einer Seite, der nördlichen, aus hergestellt werden konnten, weil die südliche für die Männereingängc reservirt werd n mußte. Herr Rügemer projertirte hinter der Ostseite der Thoranische einen Gang, der von einer Seite zur anderen führte und durch eine Treppe mit sich kreuzenden Läufen erreicht wurde, so daß der vorhandene Raum zu einem Drittel für den Gang und zu je einem Drittel für die sich kreuzenden Läufe reservirt werden mußte. Es ist einleuchtend, daß auf diese Weise Gang wie Treppen ziemlich schmal ausfielen. Seestern-Pauli dagegen suchte den Gang dadurch zu ersparen, daß er von einem Podest in der Mitte der Treppe aus zwei Läufe nebeneinander, einen nach rechts und einen nach links gehen ließ, so daß jeder Lauf die Hälfte des vorhandenen Raums in Anspruch nahm. Zur Entscheidung über diese beiden Projccte wurde Herr Dombaumeister Denzinger gewählt; derselbe entschied sich für den Rügemer'schen Entwurf, weil nach dem Seeflern- Pauli'schen die zwei nebeneinander liegenden oberen Läufe auf dcn einen unteren führen, was er als eine Gefahr bezeichnete und mit Recht, denn wenn von zwei Läufen die Besucher beim Ausgang auf nur einen Lauf, der noch dazu nicht breiter ist, als jeder einzelne Lauf, übergehen müssen, so muß ein Gedränge entstehen, das die traurigsten Folgen haben kann. Der Synagogensaal wird aut der Ostseite durch eine Nische abgeschlossen, in welcher sich der Aron-Haksdesch, der Thoraschrank, befindet. Diese Nische nimmt jedoch nicht die ganze Breite der Ostwand ein, es verbleibt daher auf beiden Seiten Raum, welcher nach der Südseite zu als Ruhezimmer für die Damen und aus der Nordseite als Damengarderobe verwendet werden sollte. Bei der Besichtigung durch Herrn Denzinger waren Herr Nathan Marcus Oppenheim und ich zugegen; er erkannte an, daß der Seestern- Pauli'sche Entwurf auch Vortheile bot. Es ist natürlich, daß ich mich bemühte, von diesem Entwurf, den wir doch bezahlen mußten. Nutzen zu ziehen, unter Vermeidung des von dem Dombaumeister gerügten Fehlers, und s» kam ich denn auf die folgende Idee: wohl einen schmalen Verbindungsgang zwischen der Nord- und Südseite der Empore bestehen zu lassen, aber den ganzen restirenden Raum zu einer breiten freitragenden Treppe zu verwenden und solche nur durch einen Podest in der Mitte zu unterbrechen, damit bei der bedeutenden Höhe der Empore die Treppe nicht als steil und unschön erscheine, dagegen solle in dem für die Gaderobe reservirten Raum eine zweite Treppe mit sich kreuzenden Läusen hergestellt werden, letztere unterliegen dabei keinem Bedenken, da sie gleichmäßig bis zur Empore führen. Diesen Gedanken legte ich dem Herrn Bauinspector Rügemer und dem von ihm zugezogenen Baumeister Kugler vor. Diese Herren fanden meine Idee ausführbar und Herr Kugler übernahm es, nach den Anweisungen des Herrn Rügemer, eine Skizze zu entwerfen; die auf deren Grund entworfenen Baupläne wurden von Vorstand und Ausschuß genehmigt. Das dürfte genügen, um die hervorragende Anteilnahme des theueren Mannes an der Entwickelung der Jsr. Religionsgesellschaft gezeigt zu haben. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß das heute stattgefundene Leichenbegängniß unter überaus starker Betheiligung stattfand. Direct hinter dem Leichenwagen gingen die Schüler der beiden ersten Klaffen der Jsr. Real- und Volksschulen, deren Verwaltungskommissionen der Verstorbene angehörte; dann folgten die nächsten Verwandten, der amtirende Rabbiner Herr Dr. Breuer sowie viele Rabbinen der Nachbargemeinden. Die Israel. Religionsgesellschaften zu Mainz, Darmstadl, Gießen .>c. waren durch ihre Rabbinen und Vorstände vertreten. Besonders bemerkt wurde der greise Rabbiner Dr. Dessauer "3, Fürth, sowie Herr Rabb. Dr. Selig Auerbach Halberstadt und Herr Benjamin Hirsch Halberstadt. Einem Wunsche des Dahingeschiedenen entsprechend, unterblieb jede Leichenrede. Auch an den öffentlichen Angelegenheiten der Stadt Frankfurt a. M., sowie an dem politischen Leben derselben nahm der Verewigte regen Antheil, und bei den Behörden war er ob seiner Regierungstreue und seiner Liebe zu Kaiser und Reich sehr geschätzt. Die Lokalblätter, sowie die „Frankfurter Zeitung", widmen ihm warme Nachrufe. In einer der nächsten Nummern werden wir das wohlgelungene Portrait des wackeren Streiters für die heilige Sache unseren Lesern vorführen. Möge der Allgütige die trauernde Gattin, Kinder und Verwandte und vor Allem die Frankfurter Jsr. Religionsgesellschaft schützen und ob ihres herben Verustes trösten. .n-zx:r> Z-tturrgSnachrtchte« und Correspondenzen Deutschland. Berlin, 16. Dez. Vor einigen Tagen ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der einen Nachruf in diesen Blättern wohl verdient hat, nämlich Herr Lehrer Selig Cohn. Ein Sohn des noch heute in ganz Westpreußen rühmhichst bekannten ntpc n, mußte er, früh verwaist, noch als ein Knabe in die Fremde wandern. Er lernte auf verschiedenen nw und erwarb sich als Autodidact so viel profanes Wiffen, daß er das Lehrer-Examen mit Erfolg bestand. Bald darauf fand er eine Anstellung als Lehrer in Bromberg, wo er 18 Jahre lang überaus segensreich wirkte. Auch am Gymnasium unterrichtete er und erfreute sich der ungetheilten Verehrung und Anerkennung seiner zahlreichen Schüler, seiner College» und Vorgesetzten. In der Gemeinde, deren Rabbiner und Vorsteher damals schon den Weg der Reform wandelten, war er die Stütze aller Bestrebungen, das alte wahre Judenthum zu erhalten und zu pflegen. Von Bromberg aus wurde er als Lehrer an die israelitische Realschule nach Seesen im Harz berufen. An der Spitze jener Anstalt stand damals Dr. Arnheim, ein enragierter Reformer, der die

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