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Der Israelit · 1896-12-17 · Heft 101 (17.12.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 101 (17.12.1896)
Date
1896-12-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1935 zeugung gekommen, daß man der streng-religiösen Richtung Rechnung tragen muß, daß die Bekenner derselben durchaus keine Leute sind, die das Staatswohl gefährden, daß es eine Unwahrheit ist, wenn die Gegner behaupten — daß das Land wenig zum Rabbiner zahle, da letzteres 3/4 Gehalt entrichtet. Am ersten Tag rci;rstel die Entscheidung. — Wie damals das kleine Häuflein der Makkabäer, den großen Haufen geschlagen, so haben die Führer der Streng-Religiösen ein seit 70 Jahren getragenes System der Reform und Neuerungen nach schwerem Kampfe zurückgedrängt. — Möge &ott aüen Israeliten, die hierzu gewirkt haben, diese Thal lohnen und vergelten! Was nun die Personen-Frage des anzustellenden Rabbiners betrifft, so befand sich jüngst in einem jüd. Blatte ein Artikel, angeblich aus Gießen, der viele Unrichtigkeiten enthielt. Zur Ehre der Hauptgemeinde ist zu konstatiren, daß nicht fünf Haushaltungen, sondern weit über 50 streng rituell sind. Die Zumuthung mit der Hauptgemeinde einen Compromiß zu schließen, wenn selbe die Orgel entfernt und einen frommen Rabbiner anstellt, ist naiv. Jeder Jude hier weiß bestimmt, daß die Gemeinde die Orgel nicht preisgibt und absolut keinen orthodoxen Rabbiner anstellt. — Wir bitten diejenigen Herren, die zu entfernt von hiesiger Gegend wohnen oder die aus irgend einem andern Grunde nicht im Stande sind, sich ein Urtheil über unsere Verhältnisse zu bilden, sich doch jeder Aeußerung, auch wenn sie noch so gut gemeint ist, zu enthalten, damit unsere Einigkeit mit den 65 Landgemeinden nicht gestört werde. Mit diesen werden wir berathen und prüfen und hoffentlich das Richtige treffen, zum Nutzen und Frommen der ganzen Provinz Oberhessen. 11. Frankfurt a* 16. Dez. Die Aufmerksamkeit Ihrer Leser ist vielleicht durch die Nachschrift zu dem leitenden Artikel in einer Ihrer jüngsten Nummern auf den Versuch einer jüdischen Zeitung gelenkt worden, das hiesige Philanthropin in den Verdacht der Frömmigkeit oder einer nicht ganz ausgesprochenen Freisinnigkeit zu bringen. Dieser Versuch hat hier nicht wenig Heiterkeit erregt, nicht am Wenigsten in den betreffenden Kreisen selbst. Die Herren thun sich ja etwas zu Gute auf ihre Emancipation von den Vorurtheilen altjüdischer Gewissenhaftigkeit, von Frömmigkeit, von den von ihnen zu „Ceremonialgesetzen" degradirten heiligen Geboten und scheuen sich durchaus nicht, das ganz ungenirt in aller Oeffentlichkeit zu bekunden. Wenn das aber auch hier allgemein bekannt ist, so wird es doch auswärtige Leser Ihres geschätzten Blattes vielleicht interessiren, wenn ein paar markante Züge darüber berichtet werden. So wurde vor einigen Jahren zu Ehren eines in den Ruhestand tretenden Lehrers des Philantropins ein offizielles Festmahl gegeben, an dem der Schulrath und fast das ganze Lehrercollegium theilnahmen. Dieses Mahl wuroe von der Restauration des Zoologischen Gartens, in dessen Saal es staltfand, gestellt. — Für den langjährigen zweiten Vorsitzenden des Schulrathes ist die Einführung seiner Söhne in den Bund Abrahams ein schon längst überwundener Standpunkt. — Da nimmt es denn nicht Wunder, daß bei Ausflügen unter Leitung der Lehrer ungenirt gegessen wurde, was dieWirthsküche bot, nur einige Kinder, die noch nie wse gegessen hatten, hielten sich davon zurück. In welche Versuchungen wurden da Kinder gebracht! — Folgerichtig ist es denn auch, wenn die Schüler beim hebräischen Unterricht den Kopf nicht bedeckt halten dürfen. Der Herr, der nur für Religion und Hebräisch angestellt ist, hielt bei einem der für den Jom Kippur veranstalteten Gottesdienste die Predigt und — fuhr nach derselben am Jom Kippur nach Hause. Auf die später an ihn gerichtete Frage eines Schülers, ob man denn an diesem Tage fahren dürfe, meinte er: Warum sollte man das nicht dürfen? — Derselbe erzählte auch in der Klasse: Nach einer talmudischen Mähr seien eine Menge von Hohenpriestern noch in demselben Jahre gestorben, nachdem sie den Tempeldienst am Jom Kippur verrichtet hätten. Wenn diese Erzählung überhaupt wahr sei, so wäre der Tod kein Wunder! Wer könne denn das aushalten! Man denke nur, in ein kleines fensterloses Gemach hineinzugehen, das während des ganzen Jahres nicht gelüftet worden, welche Stickluft, und dazu voller Rauch vom Räucherwerk! Da kann man freilich nicht lange leben bleiben.- Allerdings giebt es auch in diesen Kreisen Eltern, die ihre Kinder dem Philanthropin nur für den weltlichen, nicht aber für den religiösen Unterricht anvertrauen; wer aber will es ermessen, ob nicht auch in den anderen Fächern das zarte Kindesgemüth durch solche Lehrer-Beispiele, wenn nicht zur Mißachtung göttlicher Gebote, doch zu deren gleichgültiger Beachtung gebracht wird! Wir wollten nur ktarstellen, daß über die religiöse Richtung des Philanthropins hier keinerlei Zweifel besteht, und auch von Niemandem, anr wenigsten von den Rächstbetheiligten selbst daran gedacht wird, es in Abrede zu stellen, denn Heuchler sind die Herren nicht. Wenn diese Thatsachen auch scheinbar trocken berichtet werden, so kann man den bittern Schmerz doch nicht unterdrücken bei dem Gedanken, daß da Jahr aus Jahr ein über 500 jüdische Kinder ihrer heiligen Bestimmung entfremdet werden. Frankfurt a. M., 10. Dec. Eine Feier, die wohl einzig in ihrer Art sein dürfte, fand hier am 7. Chanukaabend statt. Der Litteraturverein rctr

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