Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 101 (17.12.1896)
- Date
- 1896-12-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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v.■^v^/» %rv-r»r^»■/*•'" 1927 sie hingegangen und hat sie vernichtet. Für die Juden selbst war diese ganze Mache niemals berechnet. Ihre Synagogen standen schon leer, ihre Predigten hatten keine Zuhörer, ihre Zeitungen keine Leser, ihre Vereine keine Mitglieder, ihre Versammlungen keine Theilnehmer, ihre Hochschulen und Seminarien keine Lehrer und Schüler, längst bevor die allgemeine, öffentliche Meinung den Stab über dieses treubrüchige Gebühren gebrochen hatte. Heute, wo sich die Deroute aus der ganzen Linie nicht mehr vertuschen läßt, haben viele die Täuschung gewissenloser Verführer erkannt und mancher hat seinen Gott mit den Worten des Propheten wieder ausgesucht und ihn gefunden: nrivv rx '*? ava '2 p^x-n '2"x ^>x rDitwn nabx. „Ich will mich aufmachen und zu meinem ersten Gatten zurückkehren, denn wohler war mir damals als jetzt." (Hosea II, V. 9.) Der „Israelit" war für diese Außercurssetzung der Reform und die Werthschätzung des orthodoxen Judenthums ein unverkennbares Werkzeug der Vorsehung. Er hat die Gleichgesinnten gesammelt, deren Muth belebt und das Vertrauen in die verloren geglaubte Sache der Thora neu gestärkt. Bei der Zerstreuung und Zersplitterung der einzelnen Glieder des Hauses Jakob ist es nur auf diese Weise möglich eine Wirksamkeit zu entfallen, die sich auf die ganze große jüdische Gesammtheit in aller Herren Länder erstreckte. Durch seine belehrenden und anregenden leitenden Artikel hat der „Israelit" die zu schwinden drohende Kenntniß der Thora im eigentlichen Volke verbreitet, so daß er für viele seiner Leser die einzige Quelle ist, aus welcher ihre religiöse Belehrung fließt. Durch Berichte über das Schicksal unserer Brüder und Schwestern in allen Richtungen der Windrose hat der „Israelit" ein Band gewoben, das die Geister und Gemüther durch das Bewußtsein ihrer Zusammengehörigkeit verbindet und verbrüdert. Durch seine fesselnden, dem jüdischen Leben der Vergangenheit und Gegenwart entnommenen Erzählungen hat der „Israelit" seine Leser und Leserinnen in einer angenehmen Weise unterhalten, so daß er trotz seines zweimaligen allwöchentlichen Erscheinens in vielen Familien immer ein sehnlich erwarteter Gast ist. Durch seinen großen Leserkreis haben die Inserate des „Israelit" unzähligen Lesern werthvolle Dienste geleistet für Auffindung von Stellen und Gelegenheiten jeder Art, welche ein Leben nach den Vorschriften des gesetzestreuen Judenthums erleichtern. Seine Anregungen zu Sammlungen für alle Zweige jüdischer Wohlthätigkeit haben sich niemals erfolglos an die in warmer Bruderliebe schlagenden jüdischen Herzen seiner Leser gewendet, so daß es ihm vergönnt war, manche Thräne zu trocknen und manches Leid zu mildern. Diese und viele andere Erfolge, die der „Israelit" in seiner siebenunddreißigjährigen Wirksamkeit zu verzeichnen hat, erfüllen uns mit aufrichtigem, tief empfundenen Dank gegen Gott, der dem Müden Kraft und dem Machtlosen Ausdauer verleiht. Wohl zitterten wir für den „Israelit", als sein Begründer, unser theuerer, unvergeßlicher Vater b'D, in der Blüthe der Jahre von seiner irdischen Wirksamkeit abberufen wurde. Aber der Geist, den der Verblichene dem vorzüglichsten Werke seines Lebens einzuhauchen verstand, hat die irdische Wirksamkeit des Meisters überdauert. Wie in der Schlacht, um den gefallenen Helden zu ersetzen, die zurückgebliebenen Kämpfer in die Bresche treten, so standen von Rah und Fern, von Süd und Nord, von Ost und West bewährte zahlreiche Gesinnungsgenossen mit uns bereit, die Fahne des orthodoxen Judenthums aus der sterbenden Hand des Führers aufzunehmen und sie weiter zum Kampfe und Siege zu tragen. Dafür vor allem danken wir Gott aus der Tiefe unseres Herzens und knüpfen an diesen Dank für die Vergangenheit die innige Bitte für die Zukunft. Diese Zukunft erscheint nach vielen Seiten hin ernst und schwer. Innere und äußere Feinde stehen dem wahren, unverfälschten Judenthum und seinen aufrichtigen Bekennern und Verfechtern drohend gegenüber. Wir sind für diese Zukunft und das, was sie in ihrem Schooße birgt, mehr als je auf Gottes Beistand angewiesen und in zweiter Reihe auf die thätige Mitwirkung unserer Gesinnungsgenossen. Aber in der Aufrichtigkeit dieser Bitte liegt auch die Bürgschaft ihrer Gewährung, wie wir diese Wahrheit in unseren Gebeten in die herrlichen Worte kleiden: 'X atran *?x: -pan aiaw xbi •pom um narr -V . nxA „Bis dahin hat uns Dein Erbarmen beigestanden, hat uns Deine Gnade nicht verlassen, Du wirst uns auch für die Ewigkeit 0 Gott nicht preisgeben." Wenn Menschen Menschen einmal, zweimal und gar dreimal ihre Unterstützung und Hilfe angedeihen lassen, so werden sie zum viertenmale lässig und mürrisch und weisen den lästigen Bittsteller ab mit dem Hinweis, auf die bereits wiederholt geleistete Hilfe. In den unzähligen Liebesthaten, die aber Gott uns geleistet, erblicken wir die Garantie dafür, daß er sie uns auch in Zukunft angedeihen lassen werde. Wenn Gott uns nicht auch in Zukunft für die Zukunft erhalten und von seiner Gnade getragen wissen wollte, so hätte er die Liebe uns die ganze Zeit nicht entgegengebracht, der wir unser Dasein verdanken. Sie wäre ja nutzlos verschwendet, wenn sie in Zukunft ausbliebe. Weil uns dieses Gottes-Erbarmen bis dahin beigeftanden und seine Gnade nicht verlassen, deshalb hoffen wir auch für alle Ewigkeit, daß uns der segnende Gottes-