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Der Israelit · 1896-12-14 · Heft 100 (14.12.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 100 (14.12.1896)
Date
1896-12-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1916 es schwerer als die anderen zu verantworten haben, wenn Ihr den Gefahren erliegen würdet, deren das Leben in einer Großstadt so viele für Euere Bravheit hat Und mm seid tausendmal mauchel, daß ich Euch zu guter letzt solche Sachen sage. Aber, wenn ich es jetzt nicht thue, wann dann? Wer weiß, ob wir uns je Wiedersehen. Wenn Ihr mich braucht, so dürft Ihr nur schreiben und ich bin da; aber jetzt lebt wohl und bleibt, wie Ihr bis dahin wäret." Mit diesen Worten riß sich Rabbi Lob los, eilte in die bereitstehende Droschke und fuhr nach dent Bahnhof ab, jede Begleitung ablehnend. Die ganze Familie sandte ihrem Wohlthäter beu Ahronssegen und die besten Wünsche nach. Jetzt waren sie allein und sie fühlten sich um so verlassener und vereinsamter, je größer der Prunk war, der sie umgab. So wenig nach den Begriffen der Großstadt auch von einer prunkvollen Einrichtung und Ausstattung der Wohnung die Rede sein konnte, so waren doch im Vergleich zu dem tannenen Tisch, der hölzernen Bank, den rohen Stühlen von zu Hause, die bescheidensten Wiener Rohrstühle, der große Ausziehtisch und jedes einzelne Stück der Einrichtung ein Lurus in den Augen der neuen Besitzer. Sie wußten nicht, was sie mit all der Herrlichkeit anfangen sollten. Der älteste Sohn öffnete die Gashahnen, um zu sehen, wie die Luft brennt, der andere klingelte unaufhörlich, um sich am Geläute der Hausglocken zu ergötzen, die älteste Tochter öffnete die Wasserleitung und rief Alle zusammen, um diesen Wasserfall anzustaunen. Am ersten hatte Gitel sich mit dem praktischen Blick der Hausfrau orientirt. Sie fand aus dem Choas etwas heraus, das allen geläufig und heimisch war, die glänzende russische Theemaschine in der Mitte des Tisches, den Samowar. Wo der nächste Speeereihändler wohnte, bei dem man Thee und Zucker kaufen konnte, hatten die Kinder längst herausgefunden. Den Samowar hatten sie noch von zu Hause mitgebracht, er war ein Abschiedsgeschenk des Rabbiners. Die neuen porzellanenen Tassen in der Küche waren noch nicht getauwelt. Sie tranken daher ihren Thee aus den alten irdenen Töpfchen von zu Hause, aus welchen er viel besser schmeckte, als aus den neumodischen weißen Tassen, die zu zerbrechen drohten, wenn man sie recht ansah. Beim Thee, wo ein jeder Trunk an U. erinnerte, konnte man auch in Wien recht glücklich leben. Sie hatten in U. auch ihren Empfangssalon, ihr Schlaf-, Speise- und Kinderzimmer wie hier in Wien. Nur war zu Hause alles insofern bequemer, als diese Appartements alle in einem und demselben Raum vereinigt waren, während sie hier über eine ganze Etage vertheilt auseinanderlagen. An die spiegelglatten Parquetböden im Vergleiche zu den soliden, mit sandbestreuten Tannendielen von zu Hause, mußten sie sich auch noch gewöhnen. Aber wenn sie diese und ähnliche unvermeidlichen Anhängsel der Großstadt erst überwunden hatten, durften sie auch hier das Glück zu finden hoffen, dessen sie sich zu Hause erfreut hatten. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 18. Dezember, 1.:. Thebet. Sabbat-Anfang in Mainz, 4 Uhr — Min. Samstag, 10. Dezember, 14. Thebet, ’m. Sabbat-Ausgang in Mainz, 5 Uhr 15 Min. Montag, 21. Dezember, 16. Thebet, -;nN Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Biertcljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch S. F. Ktrtnacker, -eipstg, Daßplah 16. — Inserate 2o Pfennig die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Line Rücksendung von an die Redaktion eingesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Inhalt (Hanptblatt). Leitender Artikel: Die Bürgschaft. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Fürth. Rußland: Petersburg. Riga. Türkei: Konstantinopel. Bulgarien: Sofia. Marocco: Fez. — Vermischtes. — Feuilleton: Auf der Leiter (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Von den Ufern der Newa. — Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen: Deutschland: München. Rußland: Charkow. — Vermischtes. Verantworlliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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