Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 100 (14.12.1896)
- Date
- 1896-12-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Pf 1915 bette als Kennet die theuten, teinen Steine und die tadellose Fassung, dann aber gab er den Schmuck wieder zurück. „Jankel," sagte Rabbi Löb, „Ihr und Euere Frau seid noch junge Leute, der Schmuck ist etwas sür Euch und Ihr sollt ihn mit Gesundheit tragen. Meine Frau und ich sind zu alt dazu und in U. würden uns die Leute nachlaufen, wenn wrr mit solchem Schmuck über die Gasse gingen. Aber für Euch hier in der großen, glänzenden Kaiserftadt, paffen diese herrlichen Sachen. Ich nehme nichts als meine baaren Auslagen, die Ihr mir ja schon gegeben habt. Aber, wenn ich Euch um Etwas bitten darf, so gebt mir als Andenken an das Neß (Wunder), das Euch widerfahren ist, Euer ledernes Geldbeutelchen, worin Ihr Euere 5 Gulden 30 Kreuzer aufbewahrt hattet. Ich will es mit nach Hause nehmen, damit meine Kinder ein greifbares Zeichen für Gottes Wunderwalten in Händen haben, und Euere Geschichte ihren Kindern weiter erzählen." „Nichts als das?" meinte Gitel und ging über die Schieblade ihrerZ alten Commode, die sie noch von zu Hause mitgenommen hatte, weil sie sich davon nicht Jo leicht^trennen konnte, und überreichte nach einigem Suchen jRabbi Löb das Gewünschte. „Wie wäre es, Rabbi Löb," meinte Jankel, „wenn Ihr Euer Haus und Geschäft in U. verkaufen und auch .hierherziehen würdet? Wir könnten dann zusammen ein Geschäft j anfangen und es wäre vielleicht uns Beiden geholfen. „Daraus wird^nichts Jankel. Das Holzgeschäft, das ich schon vierzig Jahre betreibe, liegt zwar augenblicklich sehr danieder, aber das wird auch wieder besser kommen. Offen gesagt, glaube ich auch, daß wir beide viel bessere Freunde bleiben werden, wenn wir geschäftlich nichts mit einander zu theilen haben. Aber das alles sind Chalaumos! Ich gehe von U. nicht weg. Die paar Jahre, die ich noch auf Erden bin,7.will ich in meiner Khille bleiben; das bin ich schon den Gräbern meiner Eltern und Großeltern schuldig, die in U. sind; das schlagt Euch somit aus dem Kopf." „Wieso wir nur niemals für uns auf diesen Gedanken kommen?" bemerkte Gitel verlegen. „Aus demselben Grundel hätten wir auch in U. leben und sterben und nicht hierher nach Wien ziehen sollen, wo ich eigentlich gar nicht weiß, was wir mit uns hier ansangen sollen. Ich weiß hier nicht einmal einen Platz, wo^ich unser^neues Geschirr taumeln kann, wie hat man das bei uns so bequem gehabt, wo der große Fluß oft zu uns in den Keller kam, wenn uns die paar Schritte^zu ihm zu weit waren." Rabbi sLöb Lemberger beruhigte die wackere Frau, indem er daran erinnerte, daß sie durch ungewöhnliche Umstände zu ihrer Entfernung von der Heimath gewissermaßen gedrängt wurden. „Aus freien Stücken wäre es ja Euch auch niemals eingefallen von zu Hause fort nach Wien zu gehen. Aber man kann hier in Wien auch als wackere jüdische Familie leben und Gutes thun. Ich zweifle nicht daran, daß Ihr, Frau Goldberger, hier als Esches Chajil (Biederweib) ebenso Euch bewähren und Euere Kinder erziehen werdet, wie zu Hause. Aber Euretwegen, Jankel, bin ich nicht so ganz unbesorgt. In den jüngsten Monaten habe ich Euch viel zu beobachten Gelegenheit gehabt und ich müßte nicht der gute Freund von Euch sein, der ich in Wirklichkeit bin, wenn ich Euch zum Abschied nicht meine Herzensmeinung über Euch offen und ehrlich sagte." Jankel schlug die Augen nieder, denn cs grng ihm die Erinnerung an das vielfache Mißtrauen durch die Seele, mit welchem er dem wackeren Ehrenmanne so oft entgegengekommen war. Er wußte, daß ihn Rabbi Löb so gut und noch besser kannte als er sich selber und er erwartete deßhalb den verdienten Vorwurf. Aber Rabbi Löb Lemberger fuhr gegen alles Erwarten fort: „Jankel, Ihr habt Euch immer als ächter jüdischer Manu geführt, habt Euere Kinder jüdisch erzogen und seid zu Gott und seiner Thora gestanden in bösen und in guten Tagen. Ihr habt es verdient, daß an Euch sich das Wort unserer Weisen, gesegnet sei ihr Andenken, beweise: „Wer die Thora in Armuth hält, wird sie am Ende auch in Reichthum halten." Aber sie haben auch gesagt: „Wer sie im Reichthum preisgiebt, der wird sie noch am Ende aus Armuth preisgeben." Bei diesen Worten hatte Rabbi Löb mahnend den Zeigefinger der rechten Hand erhoben, aber Jankel sah dem Sprecher dreist ins Gesicht, er war sicher, derartiges sei bei ihm nicht zu befürchten. Aber Rabbi Löb fuhr ruhig in gedämpftem Tone fort, damit es die anwesenden Kinder nicht hören konnten: „Jankel Ihr habt einen großen Fehler und der kann Euch unglücklich machen, er kann Euch um diese und die andere Welt bringen, er kann Euch und Weib und Kind ins Elend bringen, Ihr hängt zu sehr am Geld! Ihr seid ein Rodef achar Hamomon, Ihr seid in der Gefahr aus der Jagd nach Geld, viel, viel von Euerer Bravheit und Frömmigkeit zu verlieren. — Seht mich nicht so stier an, Ich will Euch gewiß nicht zu nahe treten. Ihr werdet im schlimmsten Falle nicht viel schlechter sein, als die anderen Glücks- und Geldjäger alle, welche die Sucht nach Geld in ihren Krallen hat. Aber die anderen haben keine so reine, makellose Vergangenheit hinter sich wie Ihr, keine Ellern wie Ihr, keine Khillo wie Ihr, keine Gitel wie Ihr; Ihr würdet