Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 100 (14.12.1896)
- Date
- 1896-12-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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' > -TMTr-/. 1913 wollenden Schutz, den das hohe Herrscherhaus und seine Regierung ihnen ungedeihen läßt, sich erboten, freiwillig zu dieser Subscription beizutragen. So berichteten die türkischen Journale, daß die Israeliten in der Hauptstadt Salonichi, Damaskus und Beyruth und in anderen Städten durch die Generalgouverueure ihrer Provinzen die Regierung ersuchen ließen, ihnen SubscriptionSbillete zukommen lassen zu wollen. Diese patriotische Handlungsweise der Israeliten hat bei der Regierung sowohl als auch bei der muselmännischen Bevölkerung den besten Eindruck hervorgerufen. Vidor Levy. Bulgarien. Sofia, 6. Dez. Zwei „Meschnlachim" aus Jerusalem, die wegen der Blutbeschuldigung 62 Tage eingesperrt worden waren, sind nunmehr freigelaffen worden. Der Chacham Baschi in Constantinopel intervenirte für sie und schickte Herrn Ravon Bey mit einem Schreiben des Großveziers hierher. Dies Schreiben empfing der türkische Commiffär dahier, der sich dann viel Mühe gab und beim Fürsten die Befreiung durchsetzte. Wieso aber konnten ohne jeglichen Thatbestand die zwei Männer so lange im Gefängniß bleiben? Das wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Bei den Männern fand man ein großes hebräisches Empfehlungsschreiben, in welchem u. A. stand: E'E-r or6 *;n, was so viel heißt wie: Gebet ihnen Geld. Die Behörde ließ das Schriftstück amtlich übersetzen und der Ilebersetzer leitete cnr: von e” ab und übersetzte es demgemäß. Darum heißt es auch bei Empfehlungen: nrnns mn trcrn. M a r o c c o. Fez. Ein Correspondent der „All. isr." berichtet Nachstehendes über den in Fez am 23. Sept. stattgehabten Brand im Judenviertel: Ich bin beauftragt, Ihnen über die beklagenswerthen Einzelheiten eines schrecklichen Brandes zu schreiben, der im sogenannten „Nouailles", dem neuen jüdischen Viertel, am Mittwoch, dem 23. d. M. gegen 7 Uhr Abends ausgebrochen ist. Durch einen Sturmwind angefacht, verbreitete sich das Feuer mit erschreckender Geschwindigkeit, und in weniger als einer Stunde wurden 120 Hütten ein Raub der Flammen. Es ist unmöglich, Ihnen, Herr Präsident, die Angst zu beschreiben, welche sich der ganzen israelitischen Bevölkerung unseres Ghettos bei der Meldung dieser grausigen Katastrophe bemächtigte. Ich konnte kaum dem wahrhaft schauerlichen Schauspiele beiwohnen, das sich den ganz verzweifelten Unglücklichen bot. Die Aermsten konnten die verhängnißvollen Wirkungen des Feuers nicht beschränken, geschweige denn das Feuer löschen, und so konnten sie nur um Hilfe schreien. Aber was konnten ihre Brüder bei diesem Unglück für sie thun? Selbst gänzlich Gefühllose mußten zu Thränen gerührt werden, wenn sie diese Unglücklichen hin- und herlaufen sahen, die halbschlafenden Kinder an der Hand und im Begriff alles den Flammen preiszugeben. Um IO Uhr erreichte die Panik ihren Gipfel, als man sah, daß das Feuer sich nach einenl mit Kriegsmunition gefüllten Waffenarsenal hinzog, das hinter der Umschließungsmauer 5 bis 6 Meter von der llnglücksstätte entfernt liegt. Da eine Explosion unvermeidlich ein noch gräßlicheres Unglück zur Folge haben würde, wollten die Ortsbehörden eiligst einschreiten, um die Gefahr, welche der ganzen Stadt drohte, abzuwenden. Groß aber war ihre Bestürzung, als sie die Aufregung in dem neben dem jüdischen gelegenen arabischen Viertel sahen. Die Araber, welche den nichtigsten Vorwand benutzen, um dem unversöhnlichen Haß, den sie noch immer gegen die Juden haben, freien Lauf zu lassen, singen schon an sich zujammenzurotten. Der Pascha der Stadt, Sidi Abd El Krim und El Hadj Seid entfalteten bei dieser Gelegenheit einen sehr löblichen Eifer, und nach langen Bemühungen gelang es ihnen, die Menge zu zerstreuen und die Thore des Ghettos zu schließen. Um 11 Uhr hatte das Feuer sein Werk vollbracht; von dem ganzen Stadttheil blieben nur verbrannte und cinsinkende Mauerrefte und glimmende Asch- und Schutthaufen übrig. In einer Hütte fand man unter den verbrannten Trümmern die Leiche einer Frau und eines läjähriges Mädchens. Die Zahl der durch die Katastrophe betroffenen Juden beläuft sich auf mehr als 500. Sie alle mußten die Nacht unter freiem Himmel zubringen, weinend, jammernd und die göttliche Barmherzigkeit anrufend. Am andern Tage ließ der Pascha Sidi Abd Et Krim die Vertreter der Gemeinde kommen und befahl ihnen, diejenigen Hütten zu zerstören, welche von den Flammen verschont worden waren, um so jeder Eventualität vorzubeugen. Diese Maßregel trieb die Verzweiflung auf den Gipfel und machte mehr als 300 andere gänzlich mittellose Israeliten obdachlos. So wuchs die Zahl der Unglücklichen bis auf 800. Ich gebe nur der Wahrheit die Ehre, wenn ich sage, daß die Gemeinde bei dieser betrübenden Veranlassung ihre Wohlthätigkeit glänzend beweist. Die Obberrabbiner Salonion Danan und Raphael Abensur thun ihr Möglichstes, um die Unglücklichen mit Nahrung zu versorgen, ohne doch alle Wunden heilen zu können. Alle Opfer, die man sich für die Unglücklichen auferlegt, sind ungenügend und können angesichts der Größe des zu lindernden Elends nur für den Augenblick helfen. Schon am Tage nach der Katastrophe fand eine außerordentliche Versammlung der bedeutendsten Gemeindemitglieder in der Synagoge statt. R'achdem lange berathen worden war, wie man in