Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 99 (10.12.1896)
- Date
- 1896-12-10
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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.-Gs^wepww f--"“."-r-.y-r v, *• t-r^r, -.„. - - v r, .„■,.-,,. v .... 1903 lichkeit ihr Herz entgegenschlug, seitdem sie den ersten Blick in seine Augen gethau, und von dem sie sich nun durch die Gewalt der Verhältnisse so fern, so weltenfern wußte, wie der Osten von: Westen, sie die unbekannte Dorfjüdin von ihm, öent glänzenden, christlichen Offizier-- —! Das Alles ging wie ein Blitz durch ihren Sinn, während der Lieutenant sprach. Mit stockendem Athem hörte sie ihn an-der Entschluß reifte in ihr, ihm nicht alles zu nehmen, ihn durch ihr Wort wenigstens über ihre eigenen Gefühlen aufzuklären. Und so senkte sie, als er geendet hätte, das Haupt und sagte leise: „Wie könnte icij?" „Weßhalb können Sie nicht," rief er, „wenn Sie nur wollen! Und Sie wollen, das weiß ich, wie ich mein eigenes L».ben fühle!" „Mein Pater-" erwiderte sie mit starker Betonung. Er ließ ihr Hände los und erhob sich. Ja, ihr VaterIn dem Ueberschwall seiner Gefühle hatte er daran völlig vergessen. Gleichwie die Sonne durch die Wolken dringt, stolz und sieghaft, so war der selige Liebeslauf auf seine Lippen getreten, durch alle Wolken hindurch, fragend, aber mit der Sicherheit des Sieges. — — — Und nun, der Vater — --— —! „Also kein Friede," sagte der Lieutenant düster, wieder von der ganzen Trostlosigkeit seiner Lage übermannt, und zögernd, aber doch mit einem gewissen festen Entschlüsse, der das Gepräge der Wahrhaftigkeit feines Wortes markirte, setzte er hinzu: „Nun, so wird hoffentlich die Trompete zum Kampfe rufen und mir der Friede von anderswo komnien.-" Ein Schrei, ein herzerschütternder Schrei — —■ da lag das Mädchen zu seinen Füßen und umklammerte seine Kniee! „Gehen Sie nicht hinaus" — flehte Dina stammelnd, ihrer selbst nicht mehr mächtig-— „o — — was wird aus mir-wenn Sie von hinnen gehen-Sie werden mich mit — —! — ich ertrag' es nicht — — allein — verlassen — — Sie im Herzen-!" Da drang ein Laut des Entzückens von seinen Lippen, stürmisch zog er die zitternde, holde Gestalt zu sich empor, zärtlich hielt er sie — willenlos — erdentrückt — — wehrte ihm nicht, als er seine Lippen auf die ihren senkte. —■ Horch!-was war das? — ein Tritt — — web, der Vater! — — Verwirrt, das Antlitz mit Gluth übergosien, entwand sich Dina den Armen Beltendors's und floh zum Tisch hin, wo sie sich an den Gedecken zu schaffen machte.-Da hatte auch schon David Rosenstock die Thüre geöffnet und blickte erstaunt den Lieutenant an. David Rosenstock war nicht auf den Kops gefallen. Er erkannte sofort, daß in seiner Stube etwas vorgegangnr war. Aber was? Rosenstock war andererseits nicht argwöhnisch genug, um die volle Wahrheit zu ahnen. Er schwieg nicht lange. „Gut Schabbes," sagte er, zu Dina gewendet, die sich immer noch mit den Tellern und den Bestecken beschäftigte. Leise erwiderte sie den Gruß des Vaters. „Guten Abend, Herr Lieutenant," wandte sich Rosenstock dann zu Bettendorf, „Na, nun geht'S bald los, Hab' ich gehört?" „Ja wohl," lautete die Antwort. Wieder eine Pause. Nosenstock nahm seinen Hut ab und setzte sich sein rundes Käppchen auf. Unterdessen war Dina nach der Küche geeilt, froh, einen Vorwand gefunden zu haben, um sich den zwar verwunderten, aber ahnungslosen Blicken des Vaters, die ihr wie Feuer auf der Seele brannten, zu entziehen. In Bettendorf war inzwischen blitzschnell der Gedanke erwacht, dem Alten Alles zu gestehen, ihm die Sache plausibel zu machen. Die Liebe wagt alles-ein Strohhalm, an den sie sich klammern kann, ist ihr Hoffnung genug — aber ohne Hoffnung muß sie verzweifeln! „Nehmen Sie doch Platz, Herr Lieutenant," sagte Nosenstock endlich, „und entschuldigen Sie mich noch einen Augenblick!" Rosenstock nahm seinen Siddur vom Regal und verrichtete sein Sabbat-Gebet. Als er geendet und das Buch wieder zurückaestellt hatte, setzte er sich behaglich in die Sophaecke, indem er immer noch verwundert genug den Lieutenant anschaute. Der war stehen geblieben und begann nun fest und entschlossen: „Herr Nosenstock, wundern Sie sich nicht, daß Sie mich heute hier in Ihrer eigenen Behausung sehen. Das hat seinen guten Grund"-. Das Herz begann ihm doch zu pochen und er stockte. Der ahnungslose Blick Rosenstock's verwirrte ihn, und wenn er daran dachte, welchen Schmerz er jetzt dem Alten zuzufügen im Begriffe war, schauderte ihm vor tiefem Weh! Allein, was half's? „Halt' die Hoffnung fest \m rief es in seiner Brust. „Sehen Sie," fuhr er fort, „der Grund ist nämlich der — ich wollte mit Ihnen sprechen wegen Dina" — er erfchrack, da der Alte stutzte — natürlich — er hatte sie ja bei ihrem Vornamen genannt — „Ihrer Tochter —".