Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 99 (10.12.1896)
- Date
- 1896-12-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1894 kommt, daß Eltern nicht das höchste Glück ihres Lebens darin suchen und finden ihre Kinder für Thora und Mizwoth zu erziehen und sie mit einer Liebe und Begeisterung zu durchdringen, die sich noch auf Enkel und Urenkel überträgt. Als sich daher der Vater der Menschheit nach Bürgen für sein der Erde anvertrautes, seinem erwählten Volke angetrautes Kleinod umfah, wies er die Väter als ungenügend zurück. Die Bravheit und Hingebung der Väter ist nicht an und für sich eine Garantie für diejenige der Kinder. Gehorchen aber unsere Kinder mit ihrem Denken und Empfinden, mit ihrem Aufstehen nnd Niederlegen, mit ihrem ganzen Wollen und Wissen dem Willen Gottes, wie ihn feine Thora vorschreibt, dann gehören ihr auch die Eltern. Aber nicht umgekehrt. Deßhalb hat Gott die Kinder, aber nicht die Väter als Bürgen angenommen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. ER. Berlin, 6. Dez. In der heutigen Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde beschäftigte man sich im Wesentlichen mit den neuen Satzungen der Armencommission. — Der Gemeindevorstand, auf dessen Seite die Repräsentanten Martin Simon, Stadtrath Weigert und Rudolf Moste stehen, huldigt der Ansicht, daß die neugeschaffene Centralstelle der Gemeinde auch über die Unterstützung aus dem Fonds für verschämte Arme Miltheilung erhalten soll. Ausnahmen seien im besonderen Falle zu beschließen. Es werden Einzelheiten erwähnt, aus denen hervorgeht, daß die aus dem Fonds Unterstützten tatsächlich keine Verschämten seien, sondern auch aus anderen Stiftungen Gelder erhalten. Dagegen wird andrerseits, insbesondere von dem Stadtverordneten Louis Sachs geltend gemacht, daß es im Wesen eines Fonds für verschämte Arme liege, keine Auskunft zu ertheilen. Die Majorität in der Versammlung neigte sich dem Antrag Tiktin zu, der den Vermittelungsstandpunkt einnimmt, daß das Geheimniß auch der Centralstelle gegenüber gewahrt bleiben solle, wenn auch nur ein einziges Mitglied des Ausschuffes dies verlangt. Auf Antrag des Herrn Louis Sachs, der in Aussicht stellt, daß er noch eingehend über diese Angelegenheit zu reden habe, wird die Verhandlung vertagt. — Die hiesige Gemeinde Bne Brith erhält für das zweite Halb- Mr '18W/97 eine Subvention von s.000 Mark, das israelitische Armen-Asyl in Meran 150 Mark. Die Kosten für den Abbruch des Hauses Lützowstraße 16, welches zum Bau einer neuen Synagoge angekauft ist, betragen 2 3oo Mark. Maurermeister Frankel legt den Bauplan vor, der Genehmigung findet. Die Austastung des Hauses sollte nach der landesherrlichen Genehmigung am 23. November stattfinden. Durch den Tod des Justitzrath Levy, bei welchem die Akten deponirt waren, trat eine Verzögerung ein. Der Vorstand stellt den Antrag, dem Verkäufer, Herrn Repräsentanten Julius Oppenheim, die Zinsen des Kausgeldes vom 1. bis 23. November zu vergüten. Der Antrag des Vorstandes wird angenommen. Es folgen Rechnungsabschlüsse. Berlin, 4. Dezember. Mit Genugthuung muß es uns erfüllen, konstatiren zu können, daß wieder einmal von autoritativer Stelle in öffentlicher Gerichtsverhandlung ein interessanter StreifbUck auf das ..staatserhaltende" Treiben der antisemitischen Presse geworfen worden ist. In dem bekannten Prozeß Leckert—v. Lützow äußerte sich Herr Oberstaatsanwalt Drescher folgendermaßen: „Wenn doch noch Verlesungen stattfinden sollen, so beantrage ich die Verlesung einer Broschüre, welche schon in diesem Hause Gegenstand gerichtlicher Maßnahmen geworden ist. Sie wird beweisen, daß die Staatsbürgerzeitung und die antisemitische Presse am allerwenigsten sich zu echaufsiren Veranlassung hat über Angriffe, die gegen dieUmgebung des Kaisers erhoben werden. Die Broschüre ist betitelt „Geheimes Judenthum, Nebenregierung und jüdische Weltherrschaft." Diese Broschüre enthält die pöbelhaftesten Angriffe gegen den Hof, behauptet, daß die Umgebung des Kaisers — unter besonderem Hinweis aus Herrn von Lucanus — aus Judenabkömmlingen bestehe, und daß ein förmlicher Ring die Entschlüsse des Kaisers beeinflusse. Der Verfasser war der Gesinnnungsgenosse der Staatsbürgerzei!ung, der bekannte Herr Karl Paasch, der von dieser nach allen Richtungen hin verherrlicht worden ist. Wo war denn gegenüber dieser Broschüre die Staatsbürgerzeitung, um im Interesse des Staates ihre Stimme zu erheben?" —L.— Frankfurt a. M., 8. Dez. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 7. ds. Herr Kirchenrath Rabbiner Dr. K r o n e r von Stuttgart über Dichtung und Deutung der talmudischen Zeit. Im Ganzen ist der Midrasch wenig gekannt. Nur Franz Delitzsch hat mit innigen Worten die poetische Schaffenslust und Schaffenskraft der talmudischen Zeit besprochen, und in der Sammlung von Winter und Wünsche ist der jüdischen Poesie durch Prof. Dr. Sulzbach ein schönes Denkmal gesetzt worden. Aber wer lieft diese großen Werke? Es existiren nun zwar Uebertragungen wie die von Michael Sachs oder die Zionsharfe -von Karpeles, aber sie geben nicht ein Bild der eigentlich „tal-