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Der Israelit · 1896-12-10 · Heft 99 (10.12.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 99 (10.12.1896)
Date
1896-12-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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limbischen" Zeit und zweitens können Wir wegen der metrischen Bearbeitung nicht so frei über den Gehalt urtheilen. Nur das ist Poesie, die eine Welt schafft, die nicht wirklich vorhanden ist, aber durch ihre innere Wahrheit uns so ergreift, als sähen wir eine wirkliche Welt vor uns, gleichgültig ob erzählend, lyrisch oder dramatisch. Da werden wir mit Freude gewahren, daß in der talmudischen Zeit, vom Ende des 2. Jahrh. bis ins 5. und 6. Jahrh. hinein, da die abgeschlossene Mischnah Gegenstand der wissentschaftlichen Erörterung geworden ist, in mehreren Strömen das dichterische Schaffen sich ergießt. Der 2rt des Schaffens ist in erster Linie die Synagoge; denn die damaligen Theater waren für Israel eine llnmöglichkeit. In der Synagoge gab es nur eine Grundlage, die heilige Schrift. Die Weisen erklärten mit poetischem Sinn, daß auch im Kleinen Leben stecke, und singen an Buchstaben und Worte zu deuten. So R. Jannai, R. Jonathan ben Eleasar, Rabbi Simchai, der Amoräer (wovon Redner intereffante Beispiele vorführte). Ein weiterer Strom der Dichtung war die Erzählung, z. B. Berechia's über die Schöpfung und die Ausschmückung des Streits zwischen Kain und Abel. Auch über spätere Gelehrte wurden Erzählungen gebildet, und sogar außerhalb stehende Kreise wurden herangezogen. Redner führt u. A. die 10 Fragen an, die Alexander d. Gr. an die Schulen des Südens stellte und deren Beantwortung eine Stellungnahme gegen die ganze aristotelische Philosophie in sich schließt. Einen dritten Strom bildet die Poesie, die auf einer poetischen Form des Wohlklangs ruht. Hierzu gehören namentlich die Klagelieder, Prof. Sulzbach und Prof. Wünsche haben sie gar nicht erwähnt. Redner führte mehrere dieser Klagen an, so eine gegen Ende von Sota, die er vielleicht das älteste Klagelied nach dem Schluß der biblischen Poesie nannte. Bisher glaubte man vielfach, daß die liturgische Poesie erst mit Jose oder Kalir begann. Bei heiterer Gelegenheit, bei einer Braut oder bei der Einführung eines Gelehrten in sein Amt wurden auch heitere Dichtungen vorgetragen, — So haben aus den Säulen unserer biblischen Literatur die Weisen lebendige Gestalten geschaffen, schloß der Redner in seinem Rückblick, und Lorbeerkränze um sie gewunden. W. Altona, 8. Dez. Großartige wohlthätige Legate und Vermächtnisse hat der kürzlich in hohem Alter verstorbene hiesige Einwohner, der Privatier Salomon Joseph Herz, testamentarisch hinterlassen. Außer kleinen Familien-Legaten sind sämmtliche hiesigen israelitischen Wohlthätigkeits-Anstalten und Vereine mit größeren, bezw. kleineren Beträgen bedacht worden, und zwar sind dies speeiell folgende Vereine rc. re.: Ettlinger-Verein, Verein ^Brüderliche Hülfe", Israelitischer Frauenverein zur Unterstützung hülfsbedürftiger Kranken, Verein „Gott mit uns!", Verein zur Unterstützung israelitischer Wöchnerinnen, Feuerungs-Verein von 1664, Israelitischer Fleischvertheilungs-Verein (Fleisch-Chewro), Israelitisches Waisen-Jnstitut, Altonaer Klaus- Vereinigung, Verein Hachnoffaß Kallo, Talmud Toraschule in Altona, Hamburger Talmud Toraschule. — Ferner sollen am Paffah- und Sukkoth- (Laubhütten-) Feste je fünf hiesige unbescholtene israelitische Einwohner aus einem besonderen Legat Unterstützung erhalten. Der Testator hat außerdem eine Summe ausgesetzt, aus welcher alljährlich zwei israelitische Bräute ein Legat erhalten. — Im Uebrigen aber ist der gesammte Nachlaß des Verstorbenen bestimmt zu einer großartigen Stiftung, welche den Namen „Marianne und Salomon Joseph Herz-Stiftung" führen soll. Auf diese Stiftung hat der Verblichene seine ganze Sorgfalt verwendet. Für die zur Verfügung stehende Summe, welche, wie es heißt, sich auf ca. 200 000 Mk. belaufen wird, soll ein Stift erbaut werden, in welchem hiesige Familien, die keine Armen-Unterstützung in Anspruch genommen haben, freie Wohnung erhalten. Man glaubt, daß in dem zu erbauenden Stift vorläufig 30 Familien Unterkunft finden können. Administratoren des Stifts find die obengenannten Testamentsvollstrecker. Es wird gehofft, daß die Stadtverwaltung sich mit Rücksicht auf den humanen und wohlthätigen Zweck veranlaßt sehen wird, falls eine entsprechende Bitte an sie herantritt, zum Bau des Stifts einen Platz unentgeltlich herzugeben. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, daß der Verstorbene, der sich durch so hervorragende Vermächtniffe ausgezeichnet hat,' für sich außerordentlich bescheiden und anspruchlos gelebt hat. Erst nach seinem Ableben ist bekannt geworden, daß er schon bei seinen Lebzeiten in der Stille manche Thräne getrocknet und recht vielen Leuten gedient hat, ohne daß etwas davon in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Ans Süddeutschland. In einer der jüngsten Nummern eines jüd. Blattes orthodoxer Richtung, wird über einen Vortrag berichtet, dessen Inhalt eine Parallele zwischen dem Götheschen Faust und Kohelet bildete. Da auch in diesen gesch. Blättern über denselben Vortrag ein kurzer Bericht erfolgt war, so seien uns einige Bemerkungen gestattet, für die auch der betreffende Herr Vortragende uns gewiß Dank wissen wird, wenn wir den bot W?n einer solchen Behandlung eines der rpn via zu verhüten suchen. Es soll hier auf den Charakter einer solchen Parallele im Allgemeinen nicht eingegangen werden, da dies nicht mit einigen Worten abgethan werden kann und gedenken wir diese Frage M anderer Stelle ausführlich zu erörtern. Für heute müssen wir jedoch der Auffassung des rcknp ivv, die besagter Bericht

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