Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 99 (10.12.1896)
- Date
- 1896-12-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXSTO Jahrgang. Erste Beilage M M il!> des „Israelit". Leitender Artikel. Die Bürgschaft. Mainz, 1>. Dezember. I. Unser Wochenabschnitt führt uns das farbenreiche, Jahrtausende alte und doch ewig neue Bild „Joseph uiid seine Brüder" vor die Seele. Die erstell Sätze der Sidra führen uns Jehuda vor, wie er seine ganze Kraft einsetzt, um Benjanlin vor den Folgen des Umstandes zu schützen, daß sich in seinem Futtersack der silberne Becher Josephs fand. Er hatte dem Vater sich verbiirgt, daß er Benjamin ungefährdet zurück bringeil werde. Durch diese Bürgschaft war er mehr als die anderen Brüder verpflichtet das gegebeile Wort einzulösen. Dieser Umstand giebt unsereil Weisen Anlaß, die Verantwortlichkeit einer übernommenen Bürgschaft iii's rechte Licht zu setzen. An dem Ernst, mit dem Jehuda dieser Verantwortkeit gerecht wird, zeigen sie den Ernst der Verantwortlichkeit, der sich zu beweisen hat, wenn, llicht lvie hier ein Einzelner seinem leiblichen Vater gegenüber, sondern wenn ein ganzes Volk seinem himmlischen Vater gegenüber eine Bürgschaft übernimult. Eine solche Bürgschaft hat Israel dem Vater der Menschheit gegenüber übernommen in der Stunde, da ihnl die Thora anvertraut wurde. Jul Midrasch Tanchuma wird die Betrachtung zu unserer Sidra mit diesem Gedanken eingelcitct: ■bzpn p5 na« , bx-w'b nrn p'b -:zpn cpsr wbd ■b ncx nm« ^a-’prtr nny P Pn pS na« p 'h -na« 'min joxyn an aa'iras pb -a« ,ca-v vrr» apy: pnjr cnnzx apr ,‘«:p* nx an« prs* /;n« naa : na« anna«1 n'rp ca'-s pap n*a :Pw canj? :nr :^pa nP ^a« , *ann nv,c: na« nc’ c’prr aPb'p 'La «:a' n^-^P nn*-n n« p" n’zpn pr.n>‘n p nppn nnp.n ns pPcaa ^«nv"L>2 ps's*? ri? . ’:« c; pja nrv'« '« rr'r, natwn («:b> „Als Gott Israel die Thora geben lvollte, sprach er § u i h lle n: Wollt ihr meine Thora hinnehmen? Sie antworteten: Ja. Gebt mir einen Bürgen, daß ihr sie aufrecht erhalten wollet. Abraham, Jizchak und Jakob sollen die Bürgen sein. Euere Väter bedürfen für sich selber der Bürgen/ Abraham sprach: 'Wodurch werde ich wissen, daß ich das Land besitzen werde (1 B. M. E. XV). Jizchak liebte meinen F e ind (Esaw), Jakob sprach Mein Wandel ist Gott verborgen (Jesaja Eap. 45). Dann sollen unsere Kinder unsere Bürgen sein. — Diese nahm Gott sofort au und gab Israel die Thora. Wenn daher Israel die Thora vernachlässigt, hält sich Gott an diese Bürgen, wie es Hosea sagt: Vergissest Du die Thora Deines Gottes, vergesse Deine Kinder auch ich." In diesem Zwiegespräch zwischen Gott und Israel haben die Weisen den bedeutsamen Ernst der Bürgschaft veranschaulicht, die sich an den Vesttz der Thora knüpft. Nicht bei den Vätern jeder Generation, bei den Kindern ruht die Sicherheit dieser Bürgschaft. Es wäre schon möglich, daß im Druck der Zeiten und Umstände die Eltern nicht in der Lage sind oder sich doch nicht in der Lage glauben, dem Gottesgesetz den rückhaltlosen Gehorsam und die ungeschmälerte Treue entgegen zu bringen. Es hat Zeiten gegeben, in welchem die Inquisition unsere Väter mit Feuer und Schwert, mit allen raffinirten Mitteln der List und Gewalt gewungen hat ihr Judenthum zu verleugnen und ein fremdes Religionsbekenntniß zu heucheln. Diese Scheinchristen, die äußerlich den Emblemen des Christenthums huldigten, waren im Herzen, waren in Wirklichkeit so vollkommene Juden geblieben, daß sie es sind, denen die Worte in den Mund gelegt werden dürfte: Wir haben den Namen unseres Gottes nicht vergessen, wenn wir auch unsere Hände dem fremden Gotte ausgebreitet haben. Das hat Gott ergründet, denn er kennt die geheimsten Regungen des Herzens." (Ps. 44, V. 21, 22. Nach der Erklärung non R. M. Alschich und dem Psalm-Commentar von Rabb. Hirsch.) Wenn in solchen Zeilen der Thora die äußere Anerkennung versagt bleibt, so sind die Kinder, ihre Gewöhnung, Gewinnung und Erziehung für die im Leben geächtete Thora, Beweis und Bürgschaft dafür, daß auch das Lebensblut der Eltern noch der Thora entgegen schlägt und für sie bereit steht. Würden aber umgekehrt die Eltern die Thora lernen, lehren und für sich ihre Gebote gewiffenhaft erfüllen, aber ihre Kinder nicht dafür erziehen, so wäre die Thora in einer solchen Generation dem, Niedergang und Untergang verfallen, .trotz aller.. ,<le-,... galen äußeren Rücksichtnahme unh Ehfülluyg Ihrer - Satzungen.' Ätle äußete Anerkennung der Ähora könnte den tiefer Blickenden nicht über ihre kränkende Mißachtung trösten, die aber darin zum Ausdruck