Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 99 (10.12.1896)
- Date
- 1896-12-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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189Z doch eine zu starke Zumuthung. Durch Gitel's Intervention gelang es, Jankele zu bestimmen, wenigstens 20,000 Gulden für gute Zwecke zu bewilligen; und Lemberger mußte sich damit zufrieden geben. Als dann aber nach einiger Zeit das Geld eintraf und durch den staatlichen Steuerabzug und die sonstigen Sporteln an den Eollecteur die 200,000 Gulden schon sofort erheblich redueirt wurden, hielt sich Jankele bereits für einen rninirten Mann; fühlte sich so unzufrieden und unglücklich wie niemals zu Zeiten seiner bittersten Armuth und machte sich Vorwürfe, daß er so leichtsinnig auf Rabbi Lemberger Vorschläge eingegangen war. Dazu kam noch folgender Umstand. — Jankel gehörte nicht zu den Leuren, die lieber reich scheinen, als reich sein wollen. Er zog es vor, arm zu scheinen und reich zu sein. Er hatte daher mit Rabbi Löb Lemberger und seiner Gitel verabredet, daß das große ihnen widerfahrene Glück vor der Welt ein Geheimnis; sein und bleiben solle. Aber wie's nun einmal in der Welt geht, die Sache wurde ruchbar, und nun war Jankels Ruhe vollständig hin. Die Armen aus Rah und Fern suchten ihn auf. Kathinka und ihr Bräutigam drohten ihm mit einem Prozeß, wenn er ihnen nicht die Hälfte des Geldes herausgäbe. Obwohl er den ganzen Betrag in Rabbi Löb's feuerfesten Geldschrank niedergelegt und noch keinen Kreuzer in sein ärmliches Haus gebracht hatte, zitterte er Tag und Nacht vor Dieben und Einbrechern. Seine Ruhe war hin und es stand bei ihm fest, daß er nicht rnehr länger in U. bleiben könne; was auch Rabbi Löb einräumte. „Ihr müßt weit fort, Jankel, am besten geht ihr nach Wien", meinte Rabbi Löb, „und wenn ihr wollt, werde ich Euch begleiten und Euch dort eine Wohnung und eine Beschäftigung suchen. Ihr müßt Euch, sowie Euerer Frau und den Kindern zunächst neue Kleider machen lassen, denn Euren Schabbesrock könnt Ihr in Wien nicht einmal an Wochentagen tragen. Dieser Plan leuchtete Jankel ein und einige Wochen nach den Feiertagen siedelte die Familie Jankel Goldberger nach Wien über, begleitet von ihrem treuen Mentor, Rabbi Löb Lemberger. — Als wir den beiden Männern am Anfang des vorigen Kavitals in der Leopoldstadt begegneten, waren sie eben auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung, die sie auch bald fanden, und zwar ganz in der Nähe der „Schiffschul'," so daß Jankel, wie er es gewöhnt war, früh und spät das Gotteshaus zum gemeinsamen Gebet bequem besuchen konnte. Eine geeignete Beschäftigung war schwerer für Jankele zu finden. Von der Kunst des Lesens und Schreibens hatte er keinen Hochschein. Rabbi Löb tröstete ihn, daß sich mit der Zeit auch ein geeignetes Geschäft finden werde. Einstweilen legte er ihm sein Geld in guten, zinstragenden Papieren an, deponirte dasselbe bei seinem Banquier, wo Jankel die fälligen Zinsen jederzeit in Empfang nehmen konnte. Rach Abzug des Maaßer, der Steuern, Umzugs- und Einricbtungskosten waren Jankel noch rund 160,00 t Gulden geblieben, von deren Ertrag er mit seiner Familie mehr als reichlich leben konnte, auch wenn sich kein geeignetes Geschäft so bald finden sollte. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Marl ohne Bestellgeld. Man abonnirl ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Suchhandel verkehrt durch G F. Ktrtaacker, Leipzig, Rastplatz 16. — Inserate 2o Pfennig die 4spaltige Petilzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark ober 6 fl. ofterr.. für's Ausland 1b Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. <£i*e Rücksendung von an die Redaktion etngesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von allen Einsendungen eine Copie zurückznb eh alten. Inhalt (Hauptblatt). Samson Raphael Hirsch und die Israelitische Neligionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten und Eorrcspondenzcu: Deutschland: Aus Oberhessen. Wesel. Aus dem Grabfeldc. Oesterr.-Uttgar. Monarchie: Wien. Preßburg. England: London. Türkei: Tripolis. — Vercinsnachrichten. — Vermischtes. — Feuilleton: Auf der Leiter (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Bürgschaft. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Altona. Aus Süddeutschland. Oesterr. Ungar. Monarchie: Baden bei Wien. Krakau. — Literarische Notiz. — Vermischtes. Belletrist Beilage r Die Kriegsgeschichten des alten Moscheh Gerson. Nacherzählt von Arnold Mann. (Schluß.) Extra-Beilage: Spendenverzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz-— Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck uni Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen. naseai