Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 99 (10.12.1896)
- Date
- 1896-12-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1889 0>5?) PreHburg, 29. Nov. Unsere Neologen mit ihrem Prediger Dr. David an der Spitze sind jetzt sehr schlecht auf unseren Kriegsminister Edlen von Krieghammer und den hiesigen Platzcommandanten zu sprechen, weil beide hohe Herren für die Feier der Eidesablegung der Rekruten weder den Tempel der hiesigen Fortschrittsgemeinde noch die Mitwirkung des genannten Predigers in Anspruch nahmen, sondern sich einfach an unseren Oberrabbiner Bunem Schreiber wandten, und ihn baten, die Ceremonie der Eidesabnahme in der Synagoge vollziehen zu lassen. Zum großen Entsetzen der Herren Neologen fand jedoch die Eidesablegung nicht einmal in der Synagoge, sondern in der zu einem solchen Zwecke besser geeigneten Schiurstube statt. Es war heuer das erste Mal, daß auch hier die neueingetretenen Rekruten beeidigt wurden, und war man wirklich neugierig, wo diese Ceremonie vor sich gehen werde, ob in der Synagoge oder in dem Tempel. Das Platzcommando hat sich jedoch für die Synagoge entschieden. Kommenden Sonntag, 6. Dezember, wird die in dem Altersoersorgungshause unserer Gemeinde neuerrichtete Synagoge feierlich eingeweiht werden. In diesem Versorgungshause, das erst kürzlich errichtet wurde, befinden sich jetzt schon siebzehn Personen, Gleise und Greisinnen. England. London, 6. Dezember. Ein höchst interessanter Milit är-Gott esdienst, einzig in seiner Art, fand heute Nachmittags 1/25 Uhr in der geräumigen City-Synagogue. St. Helens, statt. Der seit mehreren Jahren in dem südlichen Stadttheile „Borough" abgehaltene Chanukah-Militär-Gottesdienst, den die jüdischen Freiwilligen (Vcrtunteers) besuchten, wurde in Folge von Mangel an geeigneten Räumlichkeiten in diesem Jahre nach der City verlegt und der jüdische Lord Mayor Faudel Philipps mit seiner Gemahlin und Familie wohnte demselben bei. Nebst den Freiwilligen kamen in diesem Jahre noch jüdische Soldaten und Matrosen, die nach Indien auswandern, in die Synagoge. Um nach 4 Uhr hörte man den Schall der Trompeten in der Synagogen-Vorhalle als Signal für die Truppen. Die vollständig besetzte, ich möchte sagen, überfüllte Synagoge, bot einen imposanten Anblick, da die Decorationen militärisch arrangirt waren und die r o 1H -w eißblauen Fahnen zierten den Almemor und den tmpn p-x. Für den Lord Mayor und die Sheriffs, sowie für höhere Militär- Beamte waren vergoldete Stühle in Bereitschaft. Nachdem das Signal gegeben ward, öffneten sich die großen Portale und die Prozession, an deren Spitze der Ehief-Rabbi, der Lord Mayor und die Sheriffs sich befanden, setzte sich in Bewegung; die Soldaten marschirten würdevoll in das Innere der Synagoge und die Militärmusik spielte den „Marsch der Priester". Der Chief-Rabbi gestattete nicht, daß eine Orgel oder ein Harmonium gespielt werde, noch daß Damen im Chore milwirken. Der Reo. Francis Cohen, jüdischer Feldprediger der britischen Armee, betete das ^pv-Gebet, wobei das nrcs ns nach der „Moaus Zur"-Melodie vorgetragen wurde. Es war erhebend mit anzusehen, wie die Lady Mayoreß und deren Töchter andächtig mitbeteten. Nachdem die Chanuka-Lichter angezündet waren, hielt Rev. Cohen eine höchst begeisternde Ansprache, worin er die Soldaten ermunterte, dem Beispiele der drei jüdischen Helden Josua, David und Judas Maccabäus zu folgen. Namentlich wurde der Character David's von dem Redner herrlich geschildert und als die Loyalität David's treffend dargestellt ward und die Soldaten zur Treue an's Vaterland und die Königin ermuntert wurden, indem der Redner das L'p' 'r, Sxntri “St: irr dahin deutete, daß der David'sche Geist noch in uns herrscht, erhoben sich die Krieger ehrfurchtsvoll und Alles betete für die Königin, das kgl. Haus, was an Ihre Majestät sofort Seitens der Behörden telegraphisch berichtet wurde. Der Gottesdienst schloß mit dem vyc imb „Gort save the Queen,worin die ganze versammelte Gemeinde begeistert einstimmte. — Unter den Anwesenden befanden sich mehrer Bürgerincister aus den Provinzialstäbten, Oberst Cohen, Oberst Defries, Major Lion, Major Emanuel, Hauptmann Henriques, Hauptmann Montefiore — und circa 20 höhere Militärbeamte. T ü rf ei. (e) Tripolis, im November. Vor einiger Zeit hieß es, daß mehrere russische Juden, die sich in Odessa nach Argentinien eingeschifft, dann aber in Malta ihre Fahrt unterbrochen hatten, nach unserem Paschalik kommen wollen, um sich hier anzusiedeln. Dieselben müffen sich jedoch die Sache anders überlegt haben, denn sie kamen nicht. Und dies war auch sehr klug von ihnen. Denn so human der Sultan gegen die in seinen Staaten lebenden Juden ist, ebenso eifersüchtig wacht er darüber, daß sich in seinen afrikanischen und arabischen Besitzungen keine fremden Juden ansiedeln, da in diesen Besitzungen die Sicherheit keine allzugroße ist und er fürchtet, daß, wenn einem dieser fremden Eingewanderten etwas geschieht, so werde er von der betreffenden Regierung, deren Unterthan dieser Einwanderer ist, dafür verantwortlich gemacht werden. Unser Chacham Baschi, Rabbi Chaijim Hakohe n, welcher der einzige Rabbiner unserer so ausgedehnten Provinz ist, da im ganzen Paschalik