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Der Israelit · 1896-12-10 · Heft 99 (10.12.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 99 (10.12.1896)
Date
1896-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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studirt, trefflich zum Vortrag gebracht worden, begann unter der Jugend ein reges Leben sich zu entfalten; denn die stattliche Schaar — unsere israel. Volksschule zählt 46 Schüler — nahm an den hübsch gedeckten Tischen Platz und wurde in reichlicher Weise mit Chokolade und allerlei Gebäck bewirthet. Auch wurden sie alle, durch eine Verloosung, theils mit Spielfachen, theils nützlichen Gegenstände beschenkt. — Schöne Schlußworte, die in einem Hoch auf Sr. Majestät unfern Kaiser gipfelten, besiegelten die schöne Feier, die den Kindern ein Sporn und eine angenehme Erinnerung bleiben wird, den Angehörigen derselben aber wiederum dargethan hat, wie trefflich und heilbringend das Wirken des Herrn Spier ist, wie er in liebevoller Weife feine Schüler zu guten Jehudim und nützlichen Menschen erzieht, und fein ganzes Streben darauf gerichtet ist, in unserer Gemeinde die Achtung vor Tinnpn onxca hochzuhalten. Aus dem Gradfelde. Es ist ein Ereignis freudiger Natur, von dem ich Ihnen diesmal aus unserer Gegend zu berichten habe: Die isr. Gemeinde Kleinbardorf feierte am vorigen Freitag ihre Synagogeneinweihung. Schon Jahre lang machte sich dort das Bedürfniß fühlbar, eine neue Stätte der Andacht zu gründen. Die alte Synagoge befand sich in einem Zustande, der jeder Beschreibung spottet: Faul und morsch an allen Ecken und Enden; die Decke dem Einstürze nahe, so daß behördliche Intervention erfolgen mußte. Trotz alledem — man sollte es kaum für möglich halten, — fehlte es in dieser kleinen Gemeinde auch nicht an Stimmen, die mit Entschiedenheit die Ansicht verfochten, daß es immer noch so gut thun könne, daß die Nothwendigkeit eines Neubaues immer noch näher Heranrücken müsse. Es ist daher wahrlich kein kleines Verdienst vom Vorstande, Herrn Wildberg, ein schönes Zeugniß seiner Energie, seiner Ausdauer für die gute Sache, daß ein hübsches, den lokalen Verhältniffen ganz und voll entsprechendes Gotteshaus hergestellt werden konnte, wozu dessen würdige Familie in München nicht wenig beitrug. Die Weihefeier dieser Andachtstätte ist als eine in jeder Beziehung gelungene zu bezeichnen. Von der ganzen Umgegend war man herbeigeströmt, um Zeuge des Festes zu sein und der h. Akt machte auf alle Anwesenden den denkbar besten Eindruck, der kgl. H. Bezirksamtmann, der das Fest mit seiner Anwesenheit beehrte, war sichtlich befriedigt. Und wie konnte es auch anders sein? War doch sowohl die Abschiedsrede in der alten als auch die Weiherede in der neuen Synagoge ein oratorisches Meisterwerk unseres allgemein beliebten Rabbiners, des H. Dr. Bamberger von Burgpreppach. Auch nicht wenig trugen zur Vervollkommnung dieser Feier die Gesangvorträge bei, die H. Lehrer Zucker aus Königshofen unter vorzüglicher Begleitung des H. Lehrer Ganzmann aus Sulzdorf ausführte. Dessen herrliches Organ kam hier zur vollen Geltung und alle Zuhörer waren ob solcher Leistungen des Lobes voll. Auch die christliche Bevölkerung nahm an dem Feste lebhaften Antheil. Daß der Weg zur h. Stätte mit Fichtbäumen bestellt, daß der Eingang zur Synagoge mit Guirlanden geschmückt, mit vielen Kränzen geziert war, daß die Feuerwehr des Ortes den in großer Ordnung vor sich gehenden Festzug begleitete und begrenzte, daß diese Feierlichkeit sogar durch Musik, durch Böllerschüsse gehoben wurde, das alles ist den nichtisraelitischen Einwohnern zu danken. Ist ein solcher Akt der Nächstenliebe nicht tiesrührend? Mit Recht konnte darum des anderen Tags gelegentlich eines Konzertes, das zu Ehren der Synagogenweihe ftattfand, Herr Lehrer Zucker, der sich auch als schlagfertiger Redner erwies, hervorheben, daß unsere Gegend, dem Allmächtigen sei Dank, von der Fäulnis des Antisemitismus nicht berührt sei. Gebe iratpn, daß es immer so bleibe! Dieser Synagogeneinweihung aber werden alle Betheiligten erhobenen Gefühls gedenken. S. in Kl. O esterr.-Ungar. Monarchie. (J-e.) Wien, 6. Dezember. Nächsten Sonntag tritt unser neugewählter Cultusvorftand zusammen, um sich zu constituiren und zugleich einen Präses und einen Vicepräses zu wählen. Wie heute verlautet, wird der bisherige Vicepräses, Herr Gustav Simon, zum Präses und Dr. jur. A. Stern, zum Vicepräses gewählt werden. Mit einer solchen Wahl können auch die Orthodoxen zufrieden sein, denn Herr Gustav Simon, der schon seit länger als drei Decenien dem Vorstände angehört, hat sich immer als ruhiger, besonnener Mann erwiesen, der vor Allem den Frieden liebt und dem nichts ferner liegt, als den Himmelsstürmer zu spielen und den Leuten Reformen aufzuzwingen, von denen sie einmal nichts wissen wollen. Aber auch Dr. Stern hat sich während der Zeit, daß er int Vorstände sitzt, als ein glaubenstreuer Jude erwiesen, der jede Ueberzeuguug achtet und daher auch den Orthodoxen nicht haßt. Uebrigens wäre es ja nicht besonders klug, jetzt, wo unser Feind schon vor den Thoren steht, wir im Innern einen Kampf heraufbeschwören und uns gegenseitig zerfleischen würden. Jetzt müssen wir fest Zusammenhalten, um vereint die Angriffe unserer Feinde zurückweisen zu können.

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