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Der Israelit · 1896-12-07 · Heft 98 (7.12.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 98 (7.12.1896)
Date
1896-12-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1879 Gegenwart und außerdem die Stellungnahme gegenüber dem Verband der jüd. Lehrervereine im Deutschen Reiche" die beiden Hauptgegenstände der Berathung und Beschlußfassung bilden. Karlsruhe, 4. Dezember. Eine neue Seite des Herrn von Brüsewitz hat der „Börsen-Courier" entdeckt. Er giebt folgende Erzählung eines Gewährsmannes wieder: „Vor etwa zweieinhalbAahren war ich in Karlsruhe eingetroffen und ging mit einem Geschäftsfreunde vom Bahnhof in das Hotel. Es war schon spät Abends und die Stadt erschien wie ausgeftorben. Plötzlich kam ein Haufe angetrunkener junger Burschen aus einer Seitenstraße, die auf uns unter einer Laterne eindrangen, meinen Freund derart anrempelten, daß er auf's Pflaster stürzte und mich unter wüstem Geschimpfe angriffen und mit schweren Stöcken schlugen. Polizei war nicht in der Nähe und Hülfe nicht zu sehen. Auf einmal kam ein Herr, ebenfalls vom Bahnhofe her, und rief: „Was geht hier vor!" Einer aus der Rotte antwortete: „Geht Sie gar nichts an, machen's, daß Sie fortkommen, können auch Prügel kriegen, wie die frefchen Inden hier." Der Fremde rief: „Laßt augenblicklich die Herren frei, sonst geht's Euch schlecht!" Es wandten sich nun zwei oder drei der Burschen mit erhobenen Stöcken gegen ihn und schlugen auf ihn ein. Da dauerte es aber kaum eine viertel Minute, daß der Mann sein Versprechen eingelöst hatte, und sümmtliche Rowdies ergriffen heulend die Flucht. Als wir uns bei dem Herrn bedankten und den Namen des Retters erbaten, sagte er: „Ich bin Lieutenant v. Brüsewitz von den 109. Grenadieren. Das fehlte noch, daß hier eine Judenverfolgung aufgeführt wird. Es freut mich, den Herren zeigen zu können, daß wir jederzeit bereit sind, unsere jüdischen Mitbürger gegen Angriffe in Schutz zu nehmen." Oester r.-U n g a r. M o n a r ch re. Wien, 4. Dezember. Kaiser Franz Joseph schenkte dem Hofburgschauspieler Sonnenthal sein Bild in kostbarem Rahmen mit eigenhändiger, für den Künstler überaus schmeichelhafter Inschrift „Der Stütze meines alten Burgtheaters." Man wird in der Annahme nicht fehl gehen, daß diese kaiserliche Auszeichnung eine Antwort auf die Herabsetzung sein soll, die der berühmte Künstler von der antisemitischen Mehrheit des Wiener Gemeinderathes erfuhr. Man erinnert sich, daß diese „weisen und gerechten Richter" die städtische Kunstauszeichnung, die sogenannte Salvatormedaille, Herrn von Sonnenthal vorenthielten, um sie dann dem nicht ganz so berufenen Herrn Martinelli zu verleihen." Afrika. Upingtoir (Gordonia). (Eine interessante jüdische Gemeinde in Südafrika). Es dürste alle unsere Glaubensgenossen interessiren, von Juden zu hören, die sich in der Wüste zusammenfinden, nur Gottes Namen zu lobpreisen, seine Gebote von der Thora zu lesen und dem Klange des Schofar zu lauschen. Ilpington grenzt an die Kalabaniwüste und liegt in Britisch-Bechuaua am Orange. Die nächste Bahnstation ist etwa 300 Meilen entfernt und man braucht mittelst Ochsenwagen 3, manchmal 5 Wochen, um sie zu erreichen. Ein Postwagen verkehrt einmal wöchentlich hin und zurück, er braucht ungefähr 6 Tage zu der Fahrt. So ist es denn für unsere Glaubensgenossen sehr schwer, öfter zusammenzukommcn, obgleich einige von ihnen Händler sind, welche mit großen Wagen, die von 14 bis 20 Ochsen gezogen werden, durch die Wüste ziehen und mit den Boers, Kaffern, Hottentotten u. f. w. Tauschhandel treiben. In Npington haben sich die ersten Kausteute hier, Gebrüder Harris, den Dank aller Glaubensbrüder nicht nur, sondern auch vieler Christen erworben, die nach der mühevollen Reise durch die Wüste oft in furchtbarem Zustande hier aukommeu, und von den genannten Herren in menschenfreundlichster Weise unterstützt werden. In der feierlichsten Weise wurden die Feiertage hier begangen, zu welchen Harris 12 Gäste geladen hatten. Einige von diesen waren mehr als 100 Meilen weit gereist, um dieses Glückes theilhaftig zu werden. Manche hatten jahrelang keine Thora gesehen und beteten mit einer Inbrunst, wie sie in eivilisirten Ländern kaum empfunden werden kann. vermischtes. Frankfurt a. M. Die steten Hetzereien der Antisemiten auch gegen die „Schechita" hatte das Gute zur Folge, daß man Versuche in Menge gemacht hat, um Verbesserungen technischer Art zu erfinden. Projekt auf Projekt aus Erfindungen aller Art folgten rasch aufeinander. Ihr geschätztes Blatt legte dieselben s. Zt. der Oeffcntlichkeit vor, Brauchbares und Unbrauchbares, Praktisches und Unverwendbares wechselten miteinander ab. In der neusten Zeit hat ein Herr Frank von hier eine Erfindung gemacht, die sehr praktisch zu sein scheint, und geeignet sein dürfte, allgemein eingeführt zu werden, wegen ihrer Einfachheit und Natürlichkeit; es ist dies ein Kopfhalter beim Schächten. Der Einsender dieser Zeilen hatte Gelegenheit, einer Probe beizuwohnen, wobei der besagte Kopfhalter zur Anwendung kam. Der Kopf des Thiercs lag auf der Erde wie angegossen, fest und unbeweglich, ohne daß Jemand, wie sonst üblich, denselben zu halten oder auch nur zu berühren brauchte und konnte der Schocher mit der größten Sicherheit schlachten. Dieser Kopfhalter kann daher mit gutem Rechte empfohlen werden. Berlin« In neuerer Zeit hat man in vielen Orten dem Wunsche des Herrn Kultusministers Rechnung getragen, den Lehrer auch in den Schulvorstand zu wählen, daß der natürliche Vertreter der Schule in der Verwaltung Sitz und Stimme habe. Dieser richtigen Ansicht ist auch die jüdische

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