Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 98 (7.12.1896)
- Date
- 1896-12-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1880 Schulgemeinde in Wreslsten in entgegenkommendster Weise gefolgt, indem sie den ersten Lehrer der diesigen 'Volksschule, Lehrer Eohn, wählte. Leer (Ostfriesland). Die aus der hiesigen Synagogengenrcinde Ausgetretenen hatten gegen die vom Magistrat gcuehmigte Friedhossoidnung beim Regierungspräsidenten zu Auricb Beschwerde erhöhen, wurden aber von demselben abgewiesen. Das Verwaliungsstreitversahren beim Bezirksausschuß endete auch zu deren Unguiisten, und wurden sie von demselben glcichalls fostenfällig abgewiesen. Bonn. Die „Ehrengabe des Hohcnzollcrn-Preises für hervorragende Leistlingen ist zivei jüdischen Studircnden, den Herren caiul. med. S Goldschmidt und eand. zur. A. Oppenheimer, verliehen worden. Wien Gegenwärtig wird die Verlassenschaftsabhandlling nach der im v rgangenen Jrhr verstorbcnen Freiin Sophie von Todcsco zrr Ende geführt und mit der VeriHeilung der Legate und der Activirung der Stiftungen begonnen. Nahezu Zwei Millionen Gulden waren zu diesen Zwecken verfügbar. An Legaten erhielten u. A. auch die Dichter Ferdinand von Saar und Hieronymus Lorm eine jährliche Rente von sechstausend Gulden, die Tochter des Letzteren ein Legat von achttausend Gulden. Unter den Legaten, die erst jetzt ansgefolgt werden konnten, befinden sich solche ari Personen und Bcreine irr Brünn, Preßburg und Pest. Auch die Stadt Mödling wurde reich bedacht. Die langjährige Gesellschaftsdame der Verstorbenen erhielt sünszigtausend Gulden, von der Dienerschaft jeder einzelne achthundert bis zweitausend Gulden. Es besteht kaum eine Wiener Hurnanitätsanstalt, rvelche nicht mit einem Legate bedacht wurde. Universalerbe waren die drei Töchter der Berstorbcncu, Frau Todesco-Worms, Anna von Lieben und Jelle Baronirr Oppenheimer, ferner die Enkelinnen Alice Morson und Constance Worms. Wien. (Maler H o r o w i tz Ritter d e r E i se ru en Krone.) Im Grunde kann es ja demjenigen, der nach hohen Auszeichnungen strebt, so ziemlich gleich sein, aus weichem Orte das Decret datirt erscheint, laut welchem ihm die sichtliche Anerkennung zu Thcil wird. Jmnurliiii aber ist cs auffällig, daß in jüngster Zeit Künstlern, welche r uhmreich in Wien wirken, nicht hier, sondern in Ungarn der verdiente Orden verliehen wird. Vor einigen Wochen mußte sich der bcrühintc Eomponist Karl Goldmai k, der seit dem Jahre 1844 in Wien lebt und hier seine bedeutendsten Werke geschaffen bat, nach Budapest begeben, um dort eine seiner neuesten Opern aussühren zir lasst.« und mit dem Leopold- Orden wieder heimzukehren. Goldmark ist allerdings ein geborener Ungar, war aber schon als Knabe nach Wien gekoinmcn, hatte hier das Eonscrvatorium absolvirt mar hier als Violinspieler unb Kapellmeister an verschiedenen Bühnen thätig und hatte in Wien seine Meistcrivcrke geschaffen und zuerst aussühren lassen. Irr diesen Tagen erfolgte, ni e aus Budapest gemeldet wird, dort die Auszeichnung eines anderen in Wien wirkenden Künstlers. Dem hervorragenden Maler Herrn Leopold Horowitz wurde nämlich der Orden der Eisernen Krone dritter Elaste verliehen. Allerdings ist auch Herr Horowitz ein Ungar; er hatte im Jahre 1843 in Kaschau das Licht der Welt erblickt. Aber auch er verließ seine Heimath als ganz junger Mensch und bezog schon im Jahre 1857 die Wiener Kunstakademie. Er ging spater nach Paris, wirkte sodann in Rußland und als Meister kam er vor einigen Jahren nach Wien zurück, wo er sich dauernd niederiieß, unt hier zu wirken und eine Reihe von Porträts zu schaffen, die zu den trefflichsten Bildnissen der Gegenwart zählen. Eines feiner neuesten und bestgelungensten Werke ist das Porträt des Kaisers, das er h uer im Sommer in Ischl begonnen hat, wo ihm der Monarch wiederholt gesessen war. Hier in Wien wurde das Bild vollendet und in — Budapest wurde dem Künstler die kaiserliche Auszeichnung verliehen. Wir begnügen uns damit. die Thatsachcn festzustcllcu, ohne irgend rvelche Bemerkungen daran zu knüpfen, denn rvie gesagt, cs kommt ja nicht darauf an, wo ein Mann, der die höchste Würdigung verdient, ausgezeichnet wird. Tropparr. (Indisch-literarischer Verein.) Sonnrag, den 21. November a. c. fand im Vereinslokale (Oberring 37) ein Vortrag de« Herrrr Dr jur. Max Beer aus Ob erb erg statt. Die trefflichen, von tiefem Studium zeugenden Ausführungen des Redners über das Thema: „Die soziale Bedeutung der Thora", riefen das lebhafteste Interesse des zahlreich versammelten Publikums hervor. Ganz besonderen Anklang fand die kritische Beleuchtung der modernen Sozialreformen im Geiste der Tstora. Der Eindruck, den der Bortrag auf die Anwffendcn machte, fand seinen deutlichsten Ausdruck in dem stürmischen Beifall, der demselben gezollt wurde. New Aork. Der „New-Pork Herald" bringt in einer seiner letzten Nummern eine intenffantc Notiz Der Erste, vcr um 9 Morgens die Stimme zur Präsidentenwahl abgab, durste der älteste Wähler in New-B»rk sein. Es ist Herr Emanuel Schwab, ein Mann von 100 Jahren. Er hat schneewcises Haar und ebensolchen Bart und ist ein kl.iner Mann von ernäcm Wesen. Er war sehr cisrig bei der Wahl, und als zwei Männer seinen Platz einzunehmcn suchten, wurde er sehr zornig und gab ihnen zu verstehen, daß er sich sein gutes Recht nicht nehmen lassen werde. Schwab kam 1854 her und erhielt 10 Jahre später das Bürgerrecht. In seiner Heimath lvar er ein Ad.-ocat gewesen, hier eröffnetc er eine Privatschale Später wurde er Rabbiner in Bridgeport und Schencctady. Damaskus. Das schon todtgcglanbte Elsenbahnprojckt Chaifn-Han Ün-Damaskns geht laut authentischen Mittheilnngen seiner baldigen Wiederaufnahme entgegen. Die Haisa-Syrian Railw. y Cie., welche bekanntlich schon vor 4 Jahren die Bahnarbciten beginnen und mehrere Kilometer in der Richtung nach Tiberins aussühren ließ, wußte sich schließlich wegen ungeschickter Leitung ihres Direktors fallit erklären. Dessenurlgeachtet sichert man sich die Verlängerung der in di. sein Jahre abgelaufencn Regicrungskonzession ans weitere drei Jahre. Es wird jetzt in London eine Reorganisation respektive Neubildung der Bahngesellschaft in Angriff genoinuien, so daß das Unternehmen von nun an auf solide sinanzielle Basis gestellt wild. Auch werdet» mit einigen wohlbekannten jüdischen Finanziers Unterhandlungen zwecks ihrer aktiven Betheiligung an dcnt Unternehmen gepflogen. Kommt dies mit Hilfe auch eitglisch-jüdischeit Kapitals zu Stande, so würoe die Vollendung dieser verhältnißmäßig kurzen Balmliitie für die jüdischen Dörfer in Galiläa und im Haurün eminente 'Wichtigkeit haben. Von der rapiden Erschließung des Ostjordanlandes abgesehen, wären die dortigen Bauern dern Meere um 24 Stunden näher gerückt als jetzt, d. h. nur 6 bi höchstens 8 Stunden Bahnfahrt von Haifa entfernt, ivelche Stadt, was mit zu dein Projekte gehört, auch mit geeigneten Hafenanlagen versehen werden soll. Die Transportkosten würden um die Hälfte und mehr der jetzigen, geradezu exorbitanten Tarife reduziert, die Verkehrs-Gelegenheiten bedeutend leichter und bequemer werden. Auch die Errichtung einer Bahnstation in unmittelbarer Nähe einer der neuen jüdischen Kolonien ist eventuell vorgesehen Wer nur einen oberflächlichen Blick auf die Karte von Palästina wirst, muß sofort die eminente Bedeutung dieser projektierten Bahnlinie für die schnelle, gedeihliche Eutwick.lnng des naturschönen Galiläa und des fruchtbaren Trailsjordanicns cinsehen und jeder Freund der Kolonisation Palästina's wird das rascheste Gelingen des Werkes ersehnen.