Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 98 (7.12.1896)
- Date
- 1896-12-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1678 tvachsener Burschen zu suchen ist, und ob daher durch die Thätigkeit eines Erziehungsbeiraths das erstrebte Ziel erreicht werden würde, das möchte uns doch zweifelhaft erscheinen, nachdem wir in den „sogenannten besseren Kreisen" die freudige Genugthuung über die endliche Ergreifung des Mörders Bruno Werner mit den Worten abwehren hörten: „Ach was, ein Jude weniger, das schad't gar nischt!" — Wie gänzlich muß da fanatischer Judenhaß das Rechts- und Humanitätsgefühl vernichtet, wie tief das gesammte sittliche Niveau herabgedrückt haben, wenn ein Mann in angesehener Beamtenstellung, als Offizier a. D. und Angehöriger einer Freimaurerloge sich nicht entblödet, die That jener Mordbuben — weil an einem Juden ausgeübt — öffentlich zu billigen und damit sich selbst moralisch fähig für eine solche That zu erklären? Stände dieser Fall sittlicher Verkommenheit vereinzelt da, man könnte noch bemüht sein, ihn zu erklären, vielleicht sogar den Versuch machen, ihn zu entschuldigen. Aber leider ist dem nicht so; vielmehr ist diese Denkweise für eine gewisse Klaffe von Menschen ganz typisch." Auv (Untersranken). Wenn ein Menschenherz seine irdische Laufbahn beendet, reich an Tugenden und Verdiensten, in stets gottgefälligem Wandel Licht und Segen verbreitend, Liebe säend und durch Wohlthäligkeit beglückend, dann erhebt sich die Trauer, um den herben Verlust weit über den familiären Kreis der Hinterbliebenen und wächst an zu einer allgemeinen, alle Herzen umfaffenden, welche Zeugen dieses edlen frommen Wirkens gewesen und dessen Früchte genossen haben. Solch schmerzliche Klage erfüllte uns beim Hinscheiden unserer geliebten Mirjam Falk bi, der allgemein verehrten Gattin des hiesigen Lehrers S a l o m o n Falk, welche am Mittwoch bas *3 im 76. Lebensjahre ihre reine Seele aushauchte. Ein Biederweib im herrlichsten Sinne des Wortes ist mitderVerstorbenen dahingeschieden. Hervorragend durch Tugend und Frömmigkeit, ausgezeichnet durch seltene Klarheit des Geistes und erstaunliche Kenntniß der nun, opferfreudig und hilfsbereit gegen alle Arme und Leidende, bildete ihr Leben nur eine Kette fortgesetzter Liebeswerke. Ihr Wahlspruch war stets: rr ’“W3 b und wie glänzend bewährte sich derselbe in ihrem an Prüfungen und herben Schickungen so reichen Leben! In Kleinnördlingen, aus frommem, gelehrtem Hause geboren, war die Verblichene in erster Ehe mit dem gelehrten und verdienstvollen i-rno Jakob Braunschweig f?*xt verheirathet. Leider dauerte dieses Glück nicht lange, denn bald stand dieselbe als trauernde Wittwe mit drei unmündigen Kindern allein. Aber ihr felsenfestes Gottvertrauen, ihre eiserne Energie ließen sie inmitten der ungünstigsten Verhältnisse nicht verzagen, und als die theuere Hingeschiedene in ihrem zweiten Galten, Salomon Falk, wieder einen liebenden Lebensgefährten gefunden hatte, da gestaltete sich ihr wiedererstandenes Haus zu einem cyc enpo, wo Liebe und Gottesfurcht herrschten, wo die Armen Hausfreunde waren, wo das innig religiöse Walten der Verblichenen die Erziehung der Kinder belebte und den allgemein verehrten Mittelpunkt der Gemeinde bildete. Deßhalb trauern um ihren Heimgang Kinder, Enkel und Urenke', welche die edle Verstorbene als Zierde der Familie, so heiß verehrten, alle Kreise ihrer Gemeinde, welchen sie stets eine begeisternde Führerin und Beratherin gewesen war, sowie alle, deren Noth die Verstorbene so oft linderte, besonders die von ihr reich bedachten px Von dieser Beliebtheit legte die Beerdigung, woran sich die ganze jüd. Gemeinde, sowie weite Kreise der politischen Gemeinde betheiligten, beredtes Zeugniß ab. Leider konnten nicht alle Verwandten rechtzeitig eintreffen, darum gab namens derselben der Enkel der Verstorbenen, Herr Lehrer Lebermann—Würzburg, im Trauerhause dem tiefen Schmerz der Familie innigen Ausdruck, das gottgefällige Streben der theuren Großmutter ^"t als Üm riv'x und ax mit dem Hinweis auf die erhabenen Eigenschaften von nx'ar, n^a beleuchtend. Am Grabe selbst widmete der Sohn Hermann Falk seiner geliebten Mutter tiefbewegte Worte des Abschieds. Möge der Allgütige den Hinterbliebenen seinen reichsten Trost senden, möge der Geist der Frömmigkeit und des Gottvertrauens, welchen die theure Verblichene auf ihre sechs Kinder übertrug, alle Glieder der trauernden Familie in liebendem, innigem Andenken an dieselbe vereinigen und zu gleichen! hingebenden Wirken entflammen. Dann wird in vollem Sinne nro- und va -ym u-iyn p nrrcT , px irm mnonpns ^xia xr ny Lauchheim, 27. Nov. Dem soeben ausgegebenen Rechenschaftsbericht des Vereins zur Unterstützung von Wittwen und Waisen armer israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs (Vorstand Oberlehrer Stern in Eßlingen) ist zu entnehmen, daß der im Jahre 1862 von 8 Theilnehmern mit geringen Mitteln gegründete Verein außerordentlich segensreich wirkt, da im abgelaufenen Rechnungsjahre 2 630 M. an 11 Lehrerswittwen mit ihren Waisen zur Vertheilung kamen. Dementsprechend erfreut sich der Verein allgemeinster Sympathien, die sich in bedeutenden Beiträgen von seiten Privater bekunden, so daß das Vermögen ani 31. März 1896 die Summe von 48 811 M. 09 Psg. betrug. Bei der nächsten Mitgliederversammlung werden „Aufgabe, Einrichtung und Unterrichtsbetrieb der isr. Religionsschule der