Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 98 (7.12.1896)
- Date
- 1896-12-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1876 Krakau schicken und was wir dafür bekommen ist zu Gutem." „Liebe Frau," meinte Jankel, „wir wollen über die Sache noch einmal schlafen und morgen unseren Entschluß fassen. Du bist aufgeregt und hast ja nicht einmal ein Wort der Anerkennung für Deinen Mann übrig, der eine Sache für drei Gulden kauft, die unter Brüdern zwanzig und fünfundzwanzig Gulden werth ist." „Meinst Du denn, die Banquiers in Krakau sind Narren, daß sie für eine Sache, die nichts werth ist, fünfundzwanzig Gulden zahlen? Und wenn Nabbi Löb nun das Loos gar nicht nach Krakau schickt, sondern es behält und mir aus seiner Tasche die 25 Gulden zahlt, und es kommt heute über drei Wochen mit 300,000 Gulden heraus, so gehören sie Rabbi Löb Lemberger und Du hast Dich und Deine Kinder um diese Summe gebracht! Willst Du das verantworten?" Gitel war betroffen von der ungewöhnlichen aufbrausenden Heftigkeit, mit welcher Jankel diese Argumente gellend machte. Mehr als sie es wußte, ahnte sie aus diesem Gebühren, wie die Sucht nach Reichthum sich schon so tief in das sonst so edle Herz des Gatten eingefressen hatte. Sie schwieg und weinte zwei große Thränen, die Jankel bestimmten, für dieses Mal abzubrechen. Aber am anderen Tag ging der Streit von neuem los und steigerte sich von Tag zu Tag während der drei Wochen, die zwischen der Ziehung lagen. Der Frieden und das Glück dieser Familie, welche durch jede gerneinsam getragene Sorge und Arbeit seit zwanzig Jahren von Tag zu Tag mehr gefestigt wurden, waren durch die bloße Möglichkeit der Aussicht auf Reichthum in wenigen Tagen auf's erustlichste gefährdet. So kanr der Ziehungstag heran. Jankel hatte sich während dieser Zeit nicht mehr bei Rabbi Löb Lemberger blicken lassen. Dieser schien die ganze Sache vergeffen zu haben, als an dem entscheidenden Mittwoch Morgens früh nach dem Gottesdienst Jankel in Rabbi Löb's Schreibstube gestürmt kam mit der Frage, ob sein Loos herausgekommen sei. Rabbi Löb mußte unwillkürlich erschrecken, als er in den Zügen Jankels die Veränderung gewahrte, welche die jüngsten Wochen bewirkt hatten. „Habt Ihr schon Kaffee getrunken?" fragte Rabbi Löb leutselig. Aber Jankel hielt diese Freundlichkeit für eine heuchlerische Maske, mit welcher er auf andere Gedanken gebracht und von dem Gegenstände abgelenkt werden sollte, der ihn seit drei Wochen früh und spät, im Schlaf und Wachen, beschäftigte. Wer weiß, dachte er bei sich, vielleicht hat er das Geld schon in Händen und will cs durch seine Liebenswürdigkeit durch einen billigen Kaufpreis an sich reißen. Es hätte nicht der Menschenkenntniß eines Rabbi Löb Lemberger bedurft, imr aus den finsteren Blicken und tiesgefurchten Mienen Jankels diesen schwarzen Verdacht herauszulesen. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 11. Dezember, 6. Thebet. Sabbat-Anfang in Mainz, 4 Uhr — Min. .Samstag, 12. Dezember. 7. Thebet, bum. Sabbat-Ausgang in Mainz, 5 Uhr 45 Min. Dienstag, 15. Dezember, IO. Thebet, raton mtPy. Der „JSraelit" erscheint wöchentlich sw ei mal, Montags and JDonnerstagg, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt darch « / Kteinarker, Leipzig, Roßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden «ine Rücksendung von an die Redaktion eingesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet de-halb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehatten. Inhalt (Hanptblatt) r Leitender Artikel: Samson Raphael Hirsch und die Israelitische ReligionsgeseUschaft zu Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Personalien. — Vereinsnachrichten. — Vermischtes. — Feuilleton: Auf der Leiter. Eine Erzählung von Robert Hänlein. (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage r Leitender Artikel: Die Judenprivilegien des Herzogs Boleslaw von Kalisch und des Polenkönigs Kasimir des Großen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Lauchheim. Karlsruhe. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Afrika: Upington. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hier)« eine Beilage.