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Der Israelit · 1896-12-07 · Heft 98 (7.12.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 98 (7.12.1896)
Date
1896-12-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1874 Unterricht bezahlt, Darlehen gewährt, und auf besonderen Wunsch der Spender Vertheilungen vorgenommen. Weitere Bertheilnngen geschahen zweimal im Jahre zu den Festtagen, wozu uns von Gönnern besondere Beiträge bereitwilligst gespelldet wurden. Außerdem brachte derRosch-Chodesch-Verein durch unsere Mitwirkung, meist in monatlichen Spenden, sowie aus die Feiertage, ca Mk. 7000. — zur Verkeilung. Die Einnahmen betrugen Mk. 33645.52, die Ausgaben Mk. 30312.07. Lobsens Der Verein MvlbisckiArumim hielt seine Generalversammlung am Anfang des Monats November ab. Es wurde zur Wahl eines neuen Vorstandes geschritten. Herc Julius Joseph und Herr Jacob Eohn wurden wiedergewählt Ersterer auf 3 Jahre, letzterer auf 2 Jahre. An Stelle des ausschestenden Herrn P. Piukus wurde Herr Lehrer Bernstein auf 1 Jahr gewählt. Zum Rendanten des Vereins wurde Herr Hermann Brasch ernannt. Ter B>rein besitzt ein Vermögen von M. 500, welches in der städtischen Sparkasse angelegt ist Man schritt zur^Wahl einer Kommission, die mit der Ausarbeitung eines Statutes beauftragt wurde. Es scheint alS wolle neues Leben in der Gemeinde LobscnS crst'hcn. > Vermischtes. *4 Düsseldorf. Die „Düsseldorfer Bürgcrzestung", der wir uatüllich die Verantwortung für ihre Meldung überlassen müssen, veriästet, daß doct kürzlich der Staatsanwalt S. m einer Schwurgerichtsverhandlung gegen einen jüdischen Händler wegen betrügerischen Bankerotts die Aeußcrung gcthan habe, der auf der Anklagebank sitzende Semit lasse es erklären, daß der Antisemitismus in Deutschland Eingang und Boden gefunden habe. Sollte die Acußerung richtig sein, so müssen wir dagegen protestieren, daß die Sünden eines Einzelnen der Gesammtheit zur Last gelegt werden. Filebne, 2. Dez. Auch in unserer isr. Gemeinde hat sich auf Anregung des Herrn Rabbiners Dr. Nichterein Verein für Literatur und jüdische Geschichte konstituirt. Als Ehrenmitglied wurde der derzeitige Rabbiner und zu Vorstandsmitgliedern die Herren Kaufleute I. Joseph, S. Levysohn, G. Lösser, A. Maaß und I. Boscknowitz ernannt. Letzterer Herr wird die Protokolle leiten, der Volksschullehrer Buczynski die Bibliothek und Kaufmann Lösser die Reudantur verwalten. Seit einig r Zeit hat Herr Dr.N. einen Kindergottesdienst anr r°Q£' zu nmo eingeführt, wo imnur ein Bamizwohknabe vorbe et. Wahrlich ein recht jüdischer Geist herrscht jetzt in unserer Gemeinde und der chtigt zur Nachahmung. Pest. Der vor mehreren Jahren am Jerusalemer Rothschild-Spital angcstelltgewesene Dr. med. Ignatz Schwarz, ein geborener Ungar, ist am 17. Non. in Budapest gestorben. Der Verstorbene stand längere Zeit in türkischen Diensten als Miiltärarzt, und war Inhaber des kais. und königl. Franz-Josefs-Ordens. Die Budapcster neologe Gemeinde richtet an ihre Mitglieder Aufforderungen, die Cultussteuerbeiträge freiwillig zu erhöhen, da die Einnahmen der Gemeinde infolge Einführung der kirchenpolitischen Gesetze, (deutlicher gesprochen, der Civilehe!) sich sehr vermindert haben. Die vor Jnslebenlrcten der Civilehe aufgestellte Behauptung, daß die schädlichen Folgen dieses Gesetzt sich im „neölogeu" Lager bemerkbar machen werden, scheint eingetroffen zn sein. (Zur Richtschnur diene cs, daß die Trauungstaxen in folgende , Klassen cingetheilt waren: für Gemeindcmitglieder: Maximum 400 Gulden, Minimum 30Gnldn: für Fremde: Maximum 500 Gulden, Minimum 80 Gulden.) Die verminderten Einnahmen der Gemeinde verursachen uns nicht soviel Schmerzen, als jene betrübende Thatsache, daß ein großer Theil der Gemeindeangehörenden die rituelle Trauung einfach ignorirt. Melbourne. Herr Emanuel Cohen ist zum Justizminister von ReuSüd Wales ernannt worden, der zweite Jude, welcher diesen hohen Posten begleitet. Feuilleton. Auf der Leiter. Eine Erzählung von Robert Mitteln. II. In einer der lebhaftesten Straßen der Leopoldstadt zu Wien fallen uns unter den vielen Passanten dieses von Juden besondels stark frequentirten Stadttheils zwei Personen auf, die beide fein gekleidet, die Häuser musternd, hin- und hergingen. Daß es keine Fensterpromenaden waren, die etwa einem geliebten Gegenstand gelten, das lehrte ein Blick auf die beiden Suchenden. Trotz des kostbaren Pelzes, des neuen Cylinders in modernster Fac-on, und der feierlichen, über das vatermörderische Niveau hinausragenden Stehkragen, und obwohl die Toilette der beiden Herren bis auf die kleinsten Details zum Verwechseln ähnlich waren, trat der Unterschied zwischen den zwei Passanten doch auch im Aeußeren auf den ersten Blick zu Tage. Der Eine, ein Mann in den Vierziger Jahren, geriete sich in seinen neuen Kleidern, wie sich etwa David in der Panzerkleidung bewegt haben mochte, als er den Kampf mit Goliath aufnehmen sollte. Sie war ihm ungewohnt und unbequem und jeder Schritt, jede Bewegung verriethen eies dem aufmerksamen Beobachter. Es war Niemand anders, als Jankele Goldberger, begleitet von Nabbi Löb Lemberger, der mit der Grandezza eines englischen Lord neben Jankele herschritt und als dessen Cicerone fungirte. Der aufmerksame Leser hat es gewiß ohne großen Scharfsinn bereits errathen, wieso die beiden Herren nach Wien kamen, so daß wir nur einige Details nachzutragen brauchen. Jankele hatte nach Ausgang des Sabbat, an dem wir ihn schlafend verließen, sich doch entschlossen, das Geschäft zu machen und das Loos der Kathinka fü drei Gulden abzukaufen. Wer war glücklicher, als Kathinka, die nun ihren Sonntag in vollem Glanze feiern konnte, und wer war unglücklicher,- als Jankele von dem Augenblick an, in dem er die bessere Hälfte seiner fünf Gulden 30 Kreuzer für ein Stück Papier vott sehx^ problematischem Werthe hingegeben halte! Einige Tage ver-

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