Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-12-07 · Heft 98 (7.12.1896) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 98 (7.12.1896)
Date
1896-12-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448698--42964-2491991
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1873 Oesterr.-Unaar. Monarchie. Wien. Bei der Eröffnung der Weihnachtsausstellung im österreichischen Museum wurde von einem Herrn in der Begleitung des Erzherzogs Rainer die Bemerkung gemacht, daß thcuere Kunstobjekte von Jahr zu Jahr schwerer verkäuflich würden, worauf der Erzherzog sagte: „Besonders jetzt, wo der Antisemitismus so besteht, ziehen sich die reichen Leute immer mehr zurück." Anschließend daran erhielt die „N. Fr. Pr." folgende Zuschrift aus Venedig: Aus Anlaß der treffenden Worte des Erzherzogs Rainer, welche derselbe kürzlich in der Weihnachtsausstellung des Wiener Kunstgewerbevereines über den lähmenden und hemmenden Einfluß des Antisemitismus auf so manchen Gebieten sprach, sei es mir gestaltet, einen anderen, nicht minder denkwürdigen Ausspruch des kaiserlichen Prinzen zu citiren. Der Schreiber dieses konnte im verflossenen Frühjahre, von einem glücklichen Zufall begünstigt, mit Herrn Erzherzog Rainer auf einer italienischen Eisenbahnstation Zusammentreffen. In einem längeren Gespräche, das die dermalen so trostlosen socialen Verhältnisse Wiens berührte, kam die Rede auch auf die sogenannte christlich-sociale Partei, wobei der Erzherzog die Bemerkung machte: „Ja, ja, dieses seltsame Gemisch einer Partei, welche sich christlich-social nennt, aber weder christlich noch social ist." Wersonakien Lobsens, 30. Nov. Ein seltenes Fest wurde heute in unserer Gemeinde gefeiert. — Der Synagogcndiencr Herr Lachmann Sänger beging in voller Kraft des Körpers und Frische des Geistes seinen achtzigsten Geburtstag. Die ^ynagogen-'Äemeinde erachtete diesen Tag für geeignet, dem Herrn Sänger, der bereits 20 Jahre in Bescheidenheit und Pflichttreue seines Amtes waltet, ein Zeichen der Verehrung und Liebe zu geben, die sich der Greis im Laufe der Zeit errungen hat. — Bereits am frühen Morgen beglückwünschten ihn die Vertreter der Gemeinde, der Vorstand und die Repräsentanten nach einer Ansprache seitens des Herrn Vorsitzenden der Repräsentanten L. H Hirschberg unter Ueberrcichung eines kostbaren Regulators. Im Laufe des Tages erschienen sämmtliche Gemeindcmitgliedcr und brachten ihre Glückivünsche theils mit Geschenken begleitet dar. Aris Rah und Fern brachte Stephan Depeschen, die von der Hochschätzung zeugten, mit welcher man dem Jubilar begegnete. Der Glanzpunkt des Festes war der Abend. Herr- Sänger hatte das Gelübde seit längerer Zeit gerhan, alle Gemeindcinitglieder um sich zu einer Festestafel zu laden, lojbcr Allmächtige ihm diesen Tag in Gesundheit erleben lasse. Im Schulzkmmer prangte eine herrlich gedeckte Tafel unter Lichterschein: fast alle Geladene waren erschienen, unter denen wir auch derr Herrn Bürgermeister Gonschmer und Herrn Dr. L-imon bemerkten. Unter den Toasten, welche das Mahl würzten, ist besonders der des Herrn Bürgermeisters und des Vorstehers Herrn Petzrat hervorzuheben. Beide Herren feierten den Gastgeber als pflichttreuen Beamten, der sich allgemeiner Achtung und Liebe erfreut. Völlig überrascht aber wurde der Jubilar von cineni Ständchen, das ihm der von Herrn Lebrer Bernsteint gebildete Schülerchor darbrachte. Nach Absingung einiger P s a l m e n überreichte eine Schülerin, nachdem dieselbe ein Gedicht schwungvoll gesprochen, ein Bouquet-—Erst in später Nachtstunde trennte man sich mit dem Bewußtsein, dass cm ähnliches Fest in der Gemeinde Lobscns noch nicht gefeiert worden sei. — Wereinsriachrtchten. Frankfurt a. M. Dem vierzehnten Jahresbericht des Israelitischen Hilssvereins, Vereins zrlr Beschränkung des Wanderbettels in Frankfurt a. M., für den Zeitraunl vom 1. Oktober 1895 bis 30. September 1896, entnehmen wir: Im verflossenen Jahre haben wir abermals 47 neue Mitglieder gewonnen und nur 5 durch Austritt verloren. Im Ganzen ist jetzt die Zahl unserer Mitglieder 516, welche Mk. 10785 Beiträge spenden (im Vorjahre Mk. 10392). Die Geschenke sind voll Mk. 5322.95 auf Mk. 5933.45 gestiegen. Nicht minder erfreulich ist es, daß die Zahl der Wanderbetiler, welche das Vereinsbureau aufsuchten, abermals bedeutend zurückgegangeu ist. Zum Theil liegt dies daran, daß wir würdigen Bedürftigen in Frankfurts Umgebung Unterstützungen zusandten und sie dadurch abhielten, die hiesigenGlaubensgenoffen linb unser Bureau aufzusuchen. Andererseits hält offenbar die genaue Controlle, die wir üben, eine große Anzahl Unwürdiger, die früher durch das unterschiedslose Almosengeben in den Häusern hierher gelockt wurden, von unserer Stadt fern. Je mehr die Wohlthäter sich gewöhnen, bevor sie Unbekannten Gaben spenden, über die betreffenden Petenten bei unserem Bureau Erkundigungen einzuziehen, desto mehr wird der Andrang von Bettlern abnehmen. Die Zahl der Petenten war im abgelaufenen Jahre 1572, wovon 1301 mit Mk. 4378.15 unterstützt wurden; im Vorjahr betrug die Unterstützung von 2028 Personen Mk. 6456. 72. Während für Unterstützungelt uitd Beförderung von vorübergehend sich hier aushaltenden Personen weniger ausgaben, haben wir dagegen für altdere dringende Fälle auf Spezialsonds-Conto bedeutend mehr leisten können, Dank der Beihülfe, welche ilns Vereine uttb insbesondere private Wohlthäter zu Theil werden ließen. Im Ganzen betrugen die Ausgaben aus Spezialfonds Mk. 22347.56, also Mk. 5/37 — mehr als im Vorjahr. Wiederum gelang es, aus genanntem Fonds eine Anzahl erwerbsloser Personen und Familien an andereli Orten anzusiedeln, wo sie nrehr Aussicht haben, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Kraltken wurden Badereisen ermöglicht, Lehrlingen und Lehrmädchen, sowie Mädchen, die sich zu Köchinnen ausbildeten, Lehrgeld und Unterhalt, talentvollen jungen Leuten Privat- und öffentlicher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.