Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 97 (3.12.1896)
- Date
- 1896-12-03
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1864 Hose, wo ihm ein Knecht sein Quartier in einem kleinen Angebäude anweisen sollte und wandte sich dann wieder dem an der Treppe ihrer harrenden Lieutenant zu: „Erlauben Sie, daß ich vorangehe?" „Ich bitte darum; ich bin ja hier ganz sremd!" erwiederte dieser und folgte Dina, die ihm oben die Thüre zur guten Stube öffnete und ihn einzutreten bat. Er überschritt die Schwelle des Gemaches, indem er sagte: „Ich danke vielmals!" Dann drehte er sich plötzlich um und rief Dina, die eben von außen die Thüre schließen und sich offenbar entfernen wollte, in leicht vorwurfsvollem Tone, mit einem gewiffen Humor zu: „Sie wollen schon wieder gehen und wiffen ja noch gar nicht, wen Sie bei sich beherbergen?" Dina stand auf der Schwelle, im Rahmen der Thüre, wie angewurzelt. Der anheimelnde Klang seiner Worte hatte sie tief ins Herz getroffen. So hatte noch kein Mann zu ihr gesprochen. Die jüdischen jungen Leute im Dorfe waren zwar rechtschaffene Mensch .n, die eifrig ihren Geschäften ergeben waren, aber mehr auch nicht! Keiner hatte sie mehr interessirt; sie schienen ihr alle ohne Salz, als negative Naturen, die den Menschen kalt laffen. Der da vor ihr stand, hochaufgerichtet, ein bezauberndes Lächeln auf den Lippen, halb schmollend und halb schmeichelnd, — wie war er so ganz anders, ein rechter Mann, der einem die Lippen öffnete und das Herz pochen machte. — Der Mann — Dina empfand es wie ein Blitz — der Mann ihrer Träume-— — „Mein Name ist Bettenoorf," fuhr der Offizier lächelnd fort, „ich bin Premierleutenant, sonst aber ein ganz guter Kerl! Ein bischen Eigenlob, was? Aber es ist, wie ich sage. Und Sie, mein Fräulein, darf ich Ihren Namen wiffen? Nosenstock," schloß er zögernd, „sagt der Quartierzettel?" „Ich heiße Dina, Dina Rosenstock", erwiderte das Mädchen. Plötzlich fuhr sie zusammen. O, wie schlecht ich bin," sagte sie, „ich sehe Sie. -on einem weiten Marsche kommen und frage gar nicht nach Ihrem Begehr und biete Ihnen nicht mal eine Erfrischung an. Ich darf Ihnen doch ein Glas Wein bringen und eine Kleinigkeit zum Effen?" „Nun," sagte der Lieutenant, indem er sich den Säbel abschnallte und denselben in die Ecke stellte, „unser Kofthaus ist eigentlich der „Löwe," aber na, verboten hat mir's ja Keiner — meinetwegen wenn ich bitten darf?" Er verbeugte sich höflich und Dina eilte mit einem „sogleich" zur Thüre hinaus, die Treppe hinab, in die Küche. Jetzt erst konnte Bettendorf sich umschauen. Das Gemach war mäßig groß, aber hell und freundlich. Seine zwei hohe Fenster gingen nach dem Hofe, auf welchem die Hühner gackernd im Sande scharrten. Das Meublement der Stube bestand aus einem rothen Plüschsopha nebst zwei gleichgebogenen Fauteuils, alles mit altmodisch geschweifter Lehne, einem ovalen Tisch, zwei Rohrstühlen, Bett, Kleiderspind , Waschtoilette mit Spiegel drüber und einem kleinen Eckschränkchen, wie sie damals Mode waren. An der Wand über dem Sopha hingen zwei Stahlstiche, der eine die Opferung Isaaks darstellend, der andere Moses, wie er auf dem Berge, an deffen Fuße Israel mit Amalek kämpft, die Arme zum Himmel emporhebt, indeß Ahron und Chur ihn stützen. Bettendorf streckte sich behaglich in einen der Fauteuils und sah sich mit einer Art schmunzelnden Wohlbehagens die Bilder an. Dina aber schien das Frühstück, welches sie dem Lieutenant angeboten hatte, schon lange bereitgestellt zu haben. Denn nach wenigen Minuten bereits klopfte sie schüchtern an die Thüre und trat auf Bettendorfs kräftiges „Herein" mit einem Tablett in die Stube, auf welchem sich eine Flasche Rothwein nebst Glas, ein Gedeck, Eier, Butter, Käse, Radieschen — dort Monatrettig genannt — sowie geschnittenes Brod — kräftiges Bauernbrod — befanden. Dina setzte zunächst das Tablett auf die eine Seite des Tisches, breitete dann mit vieler Anmuth eine große, blendend weiße Serviette auf dem Tische aus, und stellte das Gedeck, sowie das Tablett mit seinen Genüffen vor den Lieutenant hin. Dieser hatte ihr verwundert zugeschaut. So viel Holzschnitte von Dans Kölbeln des Jüngern ans der tm Jahre 1549 erfolgten Ausgabe. Judith begiedt sich in daS Lager des Holofernes