Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 97 (3.12.1896)
- Date
- 1896-12-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1847 trennt das Gesetz die verschiedenen Confessionen, deßhalb kann ein Christ nur für die Gemeinde seiner Confession in Anspruch genommen werden, der Dissident ist ganz frei. Anders für den Juden. Hier kümmert sich das Gesetz nicht um die tiefgreifenden Gegensätze zwischen dem gesetzestreuen Judenthum und dem der Reform, obgleich diese Gegensätze viel tiefer greifend sind, als die zwischen den christlichen Confessionen. Für den Juden ist deßhalb das sog. Territorialprincip nichts anderes als das brutale „Princip": cujus regio ejus religio, nach dem die Confession des jeweiligen Landesherrn, katholisch, lutherisch oder reformirt, auch für die Uuterthanen maßgebend war. Nur treten hier an die Stelle des Landesherrn die Einflußreichsten oder die Mehrzahl der Gemeinde bezw. ihrer Verwaltung, und an die Stelle des mündlichen Bekenntnisies das Symbolum der Zugehörigkeit in Gestalt des Beitrags. Nun gibt es blos eine Stadt in der Monarchie, in der dieses Gesetz von 1847 keine Gültigkeit hat. Und für diese eine Stadt soll sich der Vorstand der israelitischen Gemeinde bittend an die Regierung un) an die Volksvertretung gewandt haben, es möge doch das Gesetz von 1847 auch auf diese Stadt ausgedehnt werden! Wir können es noch jetzt nicht begreifen, das gestehen wir offen, wie eine Gemeindevertretung, in der sich Männer befinden, die wegen ihres weiten Blickes und ihres warmherzigen Eintretens für die Jntereffen unserer leidenden Brüder mit Recht die Hochachtung aller Wohloenkenden genießen, sich zu einem solchen Schritte habe entschließen können. Wir begreifen sehr wobl, daß ein Vorstand sich verpflichtet fühlt, bestmöglichst die Jntereffen seiner Gemeinde zu wahren. Wir glauben aber, daß es auch für eine Verwaltung höhere Rücksichten gibt, als blos fiskalische, und bedauern insbesondere, daß die sonst liberalen Herren in diesem Falle dem Princip des Zwanges — denn ein solcher bleibt es, wenn auch die Möglichkeit des nachherigen Austritts durch das Gesetz inzwischen gewährt ist — nach wie vor treu bleiben und sich von dem kleinmüthigen und wahrlich wenig weitherzigen Anklammern an das Princip der Zwangsgemeinde noch immer nicht befreien können.— Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Köln*), im November. Die am Mittwoch, den 16. November. Nachmittag 3 Uhr im Gemeindehause zu Wesel ftattgehabte Konferenz des niederrheinischen Bezirkes des rhein.-westf. jüd. Lehrervereins gestaltete sich für den Bezirksvorsteher, Herrn *>Jst uns verspätet eingesandt worden. Red. d. Jsr. Lehrer Spier-Bocholt, der seit Oktober d. I. in den wohlverdienten Ruhestand getreten ist, zu einer kleinen Festfeier. Seitens des Vereinsvorftandes war Herr Lehrer Gut-Köln zur Konferenz delegirt. Nachdem Herr Spier-Bocholt die Erschienenen mit dem schönen Gruße des Boas an die Schnitter „Gott mit Euch" willkommen geheißen hatte, führte er in herzlichen Worten aus, daß er durch Gottes Güte zwar jetzt zu den onsnp Erntenden gehöre, daß er aber nocb gern mit den Säenden, den Bim verkehre, mit den jungen Lehrern, die die Saat der Gottesfurcht und der Menschenliebe in die Herzen der Jugend zu streuen berufen sind. Der schöne Kidduschbecher, den die Konserenzmitglieder in treuer Anhänglichkeit dem Jubilar gestiftet, sei ihm wirklich »np, ein werthvolles Andenken. Hierauf sprach im Namen des Vorstandes des rhein. Wests. Lehrervereins Herr Gut- Köln in längerer Rede über die Verdienste, die der rührige Bezirksvorsteher im Kampfe für die soziale Besserstellung des jüd. Lehrerftandes sich erworben, anknüpfend an den Vers des Wochenabschnittes. . . :~zb zpp m „Jakob blieb allein zurück und es rang ein Mann mit ihm, bis gegen Anbruch der Morgenröthe." Dieser Kampf sei nicht nur persönlich, sondern auch typisch, gelte als Princip für die Völker und passe auch für den Lehrersland. Als die Lehrer nach heißem Ringen sich eine bessere Stellung erobert hatten, da blieb Jakob — der jüd. Religionslehrer — allein zurück und der Schutzengel Esau's bw w kämpft noch gegen ihn, bis un r:hn endlich die Morgenröthe einer besseren Zeit auch für ihn anbrechen wird. Als nun diese bessere Zeit allmählich andämmerte, rief Esau's Vertreter aus: '2 -intrn nbp. Nun laß mich los, der Morgen bricht ja an! Da rief Jakob aus: Nicht eher, bis Du mich wohlwollend anerkannt Haft. So auch der jüd. Lehrer, er verlangt keine bevorzugte Besserstellung, er wollte während der langen Kampfesnacht nur Anerkennung und seine berechtigte Stellung erzielen. Zu solchen Kämpfern dürfen wir den Vorsteher der niederrheinischen Konferenz zählen und auch ihm können wir zu seinem Erntefeste zurufen: Du hast für die idealen und die materiellen Bestrebungen der jüdischen Lehrerwelt gestritten — und manches erreicht. Und der Lohn für dies mühevolle Streben? — Sichtbar ist er nicht, aber mit den Worten des Jeremiah können wir ausrufen: >1^26 -otr vr „Es giebt einen Lohn für dein Wirken." Nach diesen Worten, die ihren Eindruck nicht verfehlten, überreichte Herr Gut Namens des Vereins eine kunstvoll gearbeitete Adresse, für welche der Jubilar sichtlich gerührt in herzlichen, bewegten Worten dankte. Herr Lehrer Spier—Wesel hielt sodann einen Vortrag über Hamburgers bekannte Realencyklopädie, inwieweit dieses Riesenwerk für den jüdischen Lehrer praktisch zu verwerthen