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Der Israelit · 1896-12-03 · Heft 97 (3.12.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 97 (3.12.1896)
Date
1896-12-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1848 sei. Mit regem Fleiß und gediegener Sachkenntniß löste der Referent seine Aufgabe. Es würde den Rahmen eines kurzen Berichtes weit überschreiten, wollten wir all die Winke und Fingerzeige besprechen, auf die Herr Spier anlehnend an den vorgelesenen Artikel „Aharon" hinwies. Den Lehrern wurde empfohlen, sich nicht sklavisch an das Werk zu halten, nicht stets auf den Autor zu schwören, sondern möglichst viel Quellenstudien zu machen, am Borne der Lehre selbst zu schöpfen. Auf den einzelnen Konferenzen sollen über ausgewählte Artikel Vorträge oder Vorlesungen mit anschließender Diskussion gehalten werden. Die Vorschläge des Referenten wurden angenommen, und in den freien Besprechungen wurde der nachahmenswerthe Beschluß gefaßt, an die jedesmalige Konferenz einen Fortbildungskursus im Rabbinischen anzuschließen. Der Vereinsvorftand soll ersucht werden, zu diesen Zusammenkünften einen Reisegeldzuschuß zu gewähren. Rach dreistündigen Berathungen wurde die schön verlaufene Konferenz seitens des Bezirksvorstehers geschlossen mit dem Wunsche, daß sich die Kollegen des Niederrheins am 13. Dezember Nachmittags wieder recht zahlreich im Gemeindehause zu Wesel einfinden möchten. Wir schließen diesen Bericht in dem Bewußtsein, daß sich die Bezirkskonferenzen des in Köln domizilirenden jüdischen Lehrervereins einer immer größeren Beliebtheit in den Kreisen der Lehrer und der Gemeindemitglieder erfreuen. Mögen diese ernsten Bestrebungen der jüdischen Jugend und dem jüdischen Lehrer zum Segen gereichen. Aus dem Bezirke Cassel. Der Brief aus Bodenfelde in der Beilage zu Nr. 92 des „Israelit" und die von der Redaction daran geknüpfte Bemerkung erinnert von neuem daran, welch ein Gegner ä outrance Herr Dr. Ehrmann vom systematischen Religionsunterrichte ist. Ueber den Werth oder Unwerth deffelben kann man gewiß verschiedener Meinung sein, aber es läßt sich doch nicht leugnen, daß er ein Kind der neueren Zeit ist und nicht leicht oder gar nicht' wieder verdrängt werden wird. Daß er auch nicht absolut zu verwerfen ist, scheint doch damit bewiesen, daß selbst die religiösesten Männer unserer Zeit, wie Herr Rabbiner Bamberger in Würzburg und andere, Lehrbücher für diesen Unterricht versaßt haben. Auch mein eigener Lehrer in der „Religion," der verewigte Rabbiner Wetzlar Van in Gudcnsberg, der gewiß ein Mann von altem Schrot und Korn war, hat alle Zeit diesen Unterricht nach dem Lehrbuche von Dr. Büdinger gegeben. Und ist es denn so schlimm, wenn man — um auf einen speziellen Punkt der Dr. Ehrmann'schen Abneigung einzugehen — mit den Kindern von den Eigenschaften Gottes spricht, von diesen rviv mtw vbv, die in der heiligsten Zeit des Jahres in unseren Gotteshäusern so oft gehört werden? Lassen sich denn hieran nicht auch Betrachtungen anknüpfen, die befruchtend auf das Kindergemüth wirken und die zur religiösen Basis mit für das ganze Leben werden können? Es ist kaum anzunehmen, daß Samson Raphael Hirsch seinen von Herrn Dr. Ehrmann angeführten Ausspruch: „Des Juden Katechismus ist sein Kalender," so aufgesaßt wissen wollte, daß wir den Kindern das als Religionsbuch vorlegen sollen. Herr Dr. Ehrmann mag in der That ideal und tüchtig genug sein, um diesen Zahlen und Abkürzungen u. s. w. Geist und Leben einzuhauchen, daß aber seine Methode jemals Schule macken wird, das glaube ich nicht. Wenn aber einige Lehrer die Anfrage bei ihm gestellt haben, wo denn sein Religionsbuch zu beziehen sei, so muß ich das mehr für Scherz, als für Ernst halten. Gegen den Strom läßt sich doch nicht schwimmen, und wer es versucht der wird bald Zurückbleiben. Pletz, 29. Rov. Bankier Wolf Cohn, der vor einigen Tagen ermordet wurde, stand seinem Bank- und Wechselgeschäfte trotz seines hohen Alters — er zählte 83 Jahre — bis zum letzten Augenblicke seines Lebens mit regstem Eifer und größter geistiger Frische vor. Da Pleß unmittelbar an der österreichischen Grenze liegt, bestand sein Hauptgeschäft in dem Verkaufe von österreichischem Gelde. Oestcrreichische Bauern uub Händler, welche Producte in Preußen verkauften, sowie Arbeiter, welche ihr preußisches Geld gegen österreichisches einwechseltcn, waren seine Hauptkundschaften. Man muthmaßt, daß der Mörder unter diesen Leuten sei, welche die örtlichen Verhältnisse genau kannten und wußten, daß der alte Mann oft ganz allein in seinem Comptoir anwesend war. Der Mord geschah kurz vor 6 Uhr Abends, einige Augenblicke, nachdem sich die Töchter des Unglücklichen aus dem Comptoir entfernt hatten. Zwischen dem Mörder und seinem Opfer dürfte sich, wie ein auf dem Boden gefundenes Büschel Haare vermuthen läßt, ein kurzer Kamps entsponnen haben, der dadurch sein Ende fand, daß der Mörder dem Angegriffenen sein Messer in den Hals stieß und ihm dabei die Schlagader durchschnitt. — Die grausige Blutthat hat die Stadt Pleß in große Erregung versetzt. Der Ermordete, ein liebenswürdiger Herr, war lange Zeit Magistralsmilglied und Stadtverordneter und stand an der Spitze vieler Wohlthätigkeits- Veranstaltungen. Alts Süvveutschland. Mit dem heutigen Tage, dem ersten Tage des lichtvollen nv^n-Festes, schließt ein Viertel-Jahrhundert seit dem Erlöschen eines großen Lichtes in Israel: Am ersten nvun- Tage 5632 wurde der unvergeßliche Oberrabbiner

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