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Der Israelit · 1896-11-30 · Heft 96 (30.11.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 96 (30.11.1896)
Date
1896-11-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1835 "^y/ rr^y Veranstaltung zu betheiligen, die einen spezifisch christlichen Charakter trägt. Sie wollen demgemäß schon jetzt Ihre Verfügungen treffen. Hochachtend! Dr. Dernhoff, Justizrath. Der andere, an den Rabbiner gerichtete Brief lautete: Mein lieber Freund! Darf ich Sie heute Abend um sieben Uhr in meiner Wohnung erwarten? Jchhabe eine„Schaalooh". Ihr Dr. Dernhoff. Die Antwort des Oberconsistorialrathes war bald da. Sie lautete: Herrn Justizrath Dr. Dernhoff, Hier. Ihr Schreiben enthebt mich einer Pflicht. Ich hatte den Auftrag von dem Vorstand des „Vereins der christlichen Kindersreunde", Ihnen mitzutheilen, daß gemäß Artikel 23 unseres Vereins nur Christen die Mitgliedschaft des Vereins erwerben können. Da Sie Jude sind, können Sie die Consequenzen selbst ziehen. Ergebenst Seitz, Pfarrer. Der Justizrath lachte laut auf. Er war Philosoph genug, sich nicht darüber zu ärgern; trotzdem wurmte ihn die Unverschämtheit des Geistlichen. Er hatte nicht lange Zeit über die Sache nachzudenken, denn der Rabbiner erschien alsbald. Seine erste Frage galt dem kranken Kinde, und als ihm der Justizrath beruhigende Auskunft gab, fuhr er fort : „Ihr Billet hat mich in Erstaunen gesetzt. Was ist vorgefallen, daß sie wieder eines „Talmid Chochom" bedürfen?" Die Beantwortung dieser Frage nahm lange Zeit in Anspruch, denn als der Rabbiner das Haus verließ waren sicher zwei Stunden verflossen. Bon dem Justizrath aus begab er sich direkt zu dem Vorsteher des Armenwesens der jüdischen Gemeinde und verweilte auch dort kurze Zeit, um alsdann freudigen Herzens nach Hause zu gehen. Dina hatte das Geschenk des Justizrathes der Mutter gebracht. Diese war darob sehr verwundert, und als das Kind erzählte, daß es zum ersten Chanukahabend zu dem freigebigen Manne eingetaden worden sei, sagte sie: „Vielleicht hat das Chanukahlicht ein neues Wunder vollbracht, hat ein erloschenes Gtaubenslicht von Neueni entzündet." Der erste Abend des Weihefestes war gekommen. Bittere Kälte herrschte draußen, so daß Jeder eilte, in das warme Zimmer zu kommen. Der Schnee knirschte unter den eiligen Schritten der Wanderer und weiße Fäden hingen an den Kleidern derer, welche einen weiten Weg zurückzulegen hatten. In das vornehme Haus des Justizrathes gingen am heutigen Tage Leute, die man dort nicht zu sehen gewöhnt war. Die Kälte schien diesen Leuten nichts anhaben zu können, denn man sah weder Pelze noch dicke Ueberkleider; die meisten der kleinen Mädchen waren leicht und ärnklich gekleidet und wurden von ihren Müttern gebracht, welche herzlich froh waren, als das gut durchwärmte Zimmer des Portiers sie aufnahm. Hier wurden sie von ihren Kindern getrennt und diese in einen großen Saal des ersten Stockes geführt. Als alle beisammen waren — Dina hatte sich auch eingefunden — erschien der Rabbiner und der Justizrath und nun flammten auf einmal unzählige Flammen auf und erhellten den Saal. An der einen Wand stand eine wunderbare „Menorah", und herrliche Blumen und Blattpflanzen schmückten den Raum. Wie geblendet waren die Augen der Mädchen und sie horchten hoch auf, als jetzt liebliche Musik ertönte und die Räume des Saales erfüllte . . Sie erschien ihnen wie Sphärenmusik und gar nrancheni Kindesauge entströmten Thränen. Run schwieg die Musik und der Rabbiner bestieg eine kleine Kanzel und begann, indem er sich an die Kinder wandte, von der Bedeutung des heutigen Abends zusprechen. Ohne daß er es wollte, richteten sich seine Worte an den Justizrath und dessen Frau und er erklärte es in dem Wesen des Chanukahlichtes liegend, entweihte Stätten ihre frühere Heiligkeit wiederzugeben. „Der Muth eines Mannes," sagte er, „hat einst genügt, das Heiligthum in seiner Kleinheit und Heiligkeit wieder herzustellen. Manncsmuth und Gottvertrauen lassen uns auch heute noch das Heiligthum in unserem Hause, in unserer Familie errichten und vertheidigen. Heute werden unsere Gläubigen ebensogut verfolgt, wie zur Zeit Matisjahus. Rur ist es nicht wie in jener Zeit die rohe Gewalt, die wir zu fürchten haben, sondern der Spott und die Schädigung materieller Interessen. Aber Israel versteht es, materiellen Schaden zu tragen. Israel versteht es, seine idealen Güter zu bewahren! Und wenn auch Jahre lang das heilige Licht des Glaubens erloschen schien — erlöschen wird es nie! Immer wird es sich entzünden an dem „Schammes". Die Kleinsten, die von uns am wenigsten Geachteten, sind dazu ausersehen; denn durch den Mund der Säuglinge hast Du, o Gott, Deine Macht gegründet. Flamme darum ans. Du heiliges Licht, Dein heiliger Glanz leuchte in die Häuser und Herzen Israels, Dein lichter Schein leuchte in die dunkle Nacht und führe den müden verirrten Wanderer in den sicheren Port des jüdischen Glaubens! 9hm stieg der Justizrath zu der Menorah, sprach mit zitternder Stimme den Segensspruch und entzündete das Licht. Tiefe Stille herrschte. Da ertönte von einem unsichtbaren Knabenchor gesungen das

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