Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 96 (30.11.1896)
- Date
- 1896-11-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1884 nicht etwa Juden waren diese Wucherer, nein, es widmeten sich Bürger und selbst Bauern diesem sauberen Geschäfte immer mehr, und überschwemmten das Land mit schlechtem Gelde. —A — Vermischtes. Berlin, 26. Nov. Die Armen-Kommiffion der jüdischen Gemeinde schreibt den Bedarf an Maroth für das Pessachfest 1897 aus. Derselbe soll durch die Armcn- Kommission in Höhe von ca. 330 (sentnern im Wege der Submission an leistungsfähige Lieferanten vergeben werden. Angebote mit Angabe des Preises pro Centner sind an das Bureau, Nosenstraße 2, baldigst einzuscnden. Die Bedingungen, unter welchen die Lieferung übertragen wird, sind daselbst einzusehen. Feuilleton. (Lhanukahkerzen. Bon -wts'- H. Ver? go r — Mainz. (Schluß.) (Alle Rechte Vorbehalten). „Wohl wird es Lichter leuchten sehen, aber nicht die des Weihnachtsbaumes in meinem Hause, sondern das Licht des Chanukahfestes." „Wenn es Dir Vergnügen macht, so zünde Dein Chanukahticht an. Lasse mir aber auch mein Vergnügen am Weihnachtsbaum". „Wir sind Inden —." „Ei, ei! Doch nicht erst seit heute! Warum hast Du dich seit Jahren von der „vornehmen" Sippschaft losgesagt und Dich den Christen genähert?" „Weil ich ein Thor, ein eitler Mensch war, der die Eitelkeit über seinen Glauben stellte und unbedacht sich von gekränkter Eitelkeit beftimnten ließ." „Aber was werden die Leute dazu sagen? Wie wird man über Dich lachen und Dich verspotten!" „Was gehen mich die Leute an! Ich handle nach eigenem Ermessen und über dieses entscheidet — mein Gewissen." „Das muß sich in letzter Zeit ja mächtig entwickelt haben! Vor einem Jahre schienst Du ein solches Steckenpferd noch nicht besessen zu haben." „Spotte nur! Ich habe Deinen Spott verdient und ich muß denselben ertragen. Aber deshalb kehre ich doch auf den rechten Weg zurück, den ich im Unmuthe verlassen habe." „Das kannst Du machen wie Du willst. Wenn Du mich nur nicht damit inkommodierst." „Du wirft auch dabei betheiligt sein, denn ich bitte dich, unfern Haushalt wieder rituell einrichten zu wollen." „Weiter nichts?" „Das ist das Einzige, unl was ich Dich bitte." „Lasse zuerst unser Kind wieder wohl sein, dann sprechen wir wieder darüber." „Nein, entschließe Dich sofort. Etwas Gutes soll man nicht aufschieben. Siehst Du, das Chanukahfest ist nahe. Wir wollen es wieder feiern wie vordem. Die Lichter der Freude und der Weihe sollen wieder unserem Hause leuchten und den Wiederglanz finden in unserem Herzen." „Was Du nur heute hast! Ich kenne Dich nicht mehr." „Du wirst mich wieder kennen lernen —." Da regte sich die Kranke und sofort war die besorgte Mutter wieder bei ihr. Auch der Jnftizrath trat mit leisen Schritten zu seinem Kinde und das Herz wollte ihm schier brechen vor Freude und Weh, sein Kind erkannte ihn wieder! Das sah er an dem Leuchten des Auges, an der strahlenden Miene. Aber wie matt, wie abgezehrt lag es da! „Papa!" heuchten seine.Lippen. Wer vermöchte die Freude des glücklichen Vaters zu beschreiben, als er nach langer Zeit diesen Namen wieder zum ersten Male von den Lippen seines Kindes hörte! Thränen traten in seine Augen und den Blick gen Himmel gerichtet sprachen seine Lippen leise ein Dankgebet. Noch einen Kuß auf die Stirne seines Kindes und dann entfernte er sich, doppelt glücklich und vergnügt. Auf der Treppe sah er den Hausarzt. Er selbst öffnete demselben die Thüre und rief ihm zu: „Doctor! Brauchen Sie kein Geld für Ihre armen Patienten? Verfügen Sie über meine Caffe." Der Arzt sah den Justizrath erstaunt an und sagte: „Danke schön! Ich werde mich bedienen. Doch welchem Grunde verdanke ich dies generöse Anerbieten?" „Der geht Sie eigentlich gar nichts an. aber ich will es Ihnen doch sagen." „Nun?" „Mein Töchterchen hat mir zum ersten Male wieder aerusen!" „Dann gratulire auch ich"; und in raschen Schritten ging der Arzt in das Krankenzimmer. Bald darauf trug ein Bursche des Justizraths zwei Briefe fort. Der eine war an den Obcrconsistorialrath gerichtet und lautete: Sehr geehrtrr Herr! Zu unserem größten Bedauern sind wir für die Folge nicht gewillt, uns an einer Wohlthätigkeits-