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Der Israelit · 1896-11-26 · Heft 95 (26.11.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 95 (26.11.1896)
Date
1896-11-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1816 Hinsichtlich der Juden hatte er zu sagen, daß es viele unter ihnen gebe, welche es sehr gern sehen würden, wenn die Atheisten ihnen gegen die Antisemiten Vorspann leisten würden. Davon könne aber nicht die Rede sein; denn sür die Dissidenten und Atheisten gäbe es keine „Konfessionsunterschiede". Rabbiner Maybaum selbst sei der jüdische Heuchler, wie er leibt und lebt, das habe derselbe durch seine Rede beim Begräbniß des Justizraths Levy bewiesen. Außer dem Rabbiner Maybaum mußte besonders Hofprediger a. D. Stöcker den Stoff für die Angriffe auf die Religion hergeben. In der nachfolgenden Diskussion, die bis Mitternacht dauerte, versuchte sich eine Reihe offenbar sehr ungebildeter, des logischen Denkens unfähiger Menschen in der Lösung des Religionsproblems. Welch' barbarischer Unsinn dabei zu Tage kam, und welche Gefühlsroheit aus den Stammeleien dieser Früchte sprach, läßt sich nicht beschreiben. Der Schluß der Ausführungen jedes einzelnen Dissidenten bestand aber allemal in der Erklärung, daß zunächst der Staat erobert werden müsse, ehe man wahre Menschen erziehen könne. Der ganze Aufruf zum Massenaustritt aus der Kirche läuft auf einen Aufruf zum Masseneintritt in das Lager der Sozialdemokratie hinaus. Hamburg, 24. Nov. (Ein antisemitisches F i a s c 0.) Gestern hielt die Krankenkasse für Handlungs-Commis von 1826 im Restaurant „Zum Löwen," Jungfernstieg 40, eine außerordentliche General-Versammlung ab, um über den Antrag der Herren Hugo Jordan und Genossen: „daß bei der Krankenkasse für Handlungs-Commis von 1826 nur christlich deutsche Aerzte angestellt werden, während die jüdischen Aerzte zu entlassen sind," abzuftimmen. Der ungefähr 200 Personen starken Versammlung legte der famose Herr Jordan seinen mit 206 Unterschriften versehenen Antrag vor, den er mit den bekannten nichtssagenden Schlagworten aus den antisemitischen Versammlungen begründete. Da von diesen Wackeren 206 kein einziger anwesend war, wurden die phrasenreichen Tiraden des Volksredners Jordan mit schallendem Gelächter ausgenommen. Der größte Theil der Anwesenden belustigte sich offenbar an seinen Ausführungen. Als man schließlich über seinen, von den 206 abwesenden Gesinnungsgenoffen unterstützten Antrag abstimmte, wurde er einstimmig abgewiesen. Der Parteigänger des Herrn Stöcker, der bekanntlich nie verleumdet hat, ist mit seiner antisemitischen Propaganda jammervoll durchgefallen. Aus Umsatz Lothringen. Ihr Straßburger Correspondent in Nr. 94 thut dem braven „Oivis" bitteres Unrecht. Er denkt nicht daran, daß es im Unter-Elsaß vor dem Eintritt des Herrn Jules Klein im Consistorium recht traurig ausgesehen hat, daß also die Besserung im Unter-Elsaß erst etwa seit einem Jahre eingetreten ist. Er denkt aber auch nicht daran (und das ist noch weit schlimmer), daß wir in Elsaß-Lothringen ja drei Consiftorien haben, nicht blos eines im Unter-Elsaß, und daß somit in anderen Theilen des Landes die Verhältniffe ganz anders liegen können. Thatsächlich herrschen in denselben und zwar gerade in Bezug auf alle die Dinge, welche dem „Israelit" mit Recht so sehr am Herzen liegen, unerhörte und fast unglaubliche Zustände. Wir erinnern nur an die Artikel in Ihren vorjährigen Nummern 90 und 93, welche aus zwei verschiedenen Bezirken des Reichslandes stammen und an Deutlichkeit wahrlich nichts zu wünschen übrig ließen. Wereinsnachrtchten. Breslau. Der Verein für die Interessen der jüdischen Gemeinde hielt am Dienstag eine gut besuchte Versammlung im Hotel äs Liläsie ab. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Schreiber eröffncte die Versammlung mit der Mittheilung, daß der Verein jetzt etwa 400 Mitglieder zähle und täglich wachse. Einen Erfolg habe der Verein auch schon mit seiner ersten Eingabe an den GemEndevorstand erzielt, der in eine Verlängerung der Wahlzeit von 2 auf 4 Stunden gewilligt habe. Ueber die Vorlage eines vorläufigen Programms referirte Rechtsanwalt Dr. Kempner. Er beleuchtete vorerst die Thatsache, daß die Repräsentanten-Wahlcn bisher nur im engeren Kreise vorbereitet wurden unv die aufgestellten Eandidaten als Männer des persönlichen Vertrauens um persönlicher Vorzüge Willen gewählt morden fei n. ohne sich auf ein bestimmtes Programm zu verpflichten. Der Verein wolle daher zur Beseitigung offenbarer Mißstände zuerst bestimmte Programmpunkte ausstellen und solche Eandidaten aufstcllen, welche sich zur Ausführung derselben verpflichten. Als besonders wichtige Forderungen stellte er Namens des Vorstandes folgende hin: a) in der allgemeinen Verwaltung: Demission derjenigen Mitglieder des Vorstandes, deren Familienangehörige mit ihrem Wissen und Willen zu einer anderen Kirche übergetreten sind,Vorschlagsrecht derSynagogen- Mitglieder für die Wahl der Synagogen-Vorsteher, Oeffentlichkeit der Repräsentanten-Versammlungen, Vermehrung der Wabllocale, Verlängerung der Wahlzeit, Beseitigung der gestempelten Wah'zettel.- b) in Sachen des Religionsunterrichts: Aufnahme desselben in den Lehrplan aller Schulen und Klassen, auch der Privatschulen, Errichtung ,'von Parallelklassen sür die überfüllten unteren Klassen der Religionsschulen, Anstellung eines technischen Jnspicienten; c) auf dem Gebiete des Armenwesens: Decentralisation durch Einrichtung von Bezirkskommissionen und Armenpflegern zur besseren Berücksichtigung der wirklich bedürftigen Armen, größere Unterstützung der gemeinnützigen Anstalten; ä) \m Cultus: Beschaffenheit von einfachen würdigen Betlocalen sür die Vorstädte zugleich für Schulzwecke, Erweiterung und Verbesserung der Ritualanstalten (Schlachtgelegenheiten). Nach einer lebhaften Debatte, an der sich außer dem Referenten und Vorsitzenden die Herren Rechtsanwälte Brflger und Dr. Samuelsohn, Redacteur Dr. L. Neustadt, Dr. Doctor, H. Ehrlich, Freund, theilweise wiederholt betheiligten, nahm die Versammlung die Resolution an, in der sie die aufgestellten Prvgrammpunkte aeceptirte.

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