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Der Israelit · 1896-11-26 · Heft 95 (26.11.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 95 (26.11.1896)
Date
1896-11-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1Q15 '“Jrr^^T'**^-••••«••*' .■ > r\ ^>-7- .-7^7 “ ■>.; '; «•>'*- Genußbringende mit eifrigem Sinne für sich aussucht, sie sind im Bunde mit der Schwäche und dem Erdensinn, daher allein ihr Erfolg, dies ihre ganze Kraft und ihr ganzes Recht: Das kleine Häuflein der Getreuen jedoch, es kämpft gegen Leidenschaft, k ä m p ft eben gegen jene Schwäche und jenen Erdensinn, und es sucht durch Erhaltung und Festigung des uralten Gottesgesetzes dem Menschen jenes einzig wahre Glück zu verschaffen, das in der Kraft zur Selbstüberwindung, diesem einzigen, großen Segen des jüoischen Geistes, enthalten ist. Darum, ob jene auch in der Mehrheit sind infolge der Skrupellosigkeit, mit der sie als Führer dem Leichtsinn ihrer Gefolgschaft entgegenkommen, viele Tausende, deren Seelen sie auf dem dem Gewisien haben, zum Abfall verführen — Chanuka gerade lehrt uns ja, daß Erkenntniß, Wahrheit und Recht unabhängig sind von der Menge, daß die Männer der Wahrheit und des Rechts nicht gezählt werden dürfen, sondern gewogen werden müffen. Keine Mahnung aber ist in diesem heiligen Kampfe mehr am Platze, als Diejenige, deren Inhalt wir im Vorangehenden erörtert haben: Die Mahnung zur Standhaftigkeit und zu treuem Ausharren, vor allem aber zu rücksichtslosem, unverhüllten und begeisterten Eingreifen, so oft ein weiterer Stein aus dem heiligen Gefüge geriffen zu werden droht. Bauen wir auf, wie die Zurückgekehrten aus Babylon uuv wehren wir ab, wie das Heldengeschlecht der Makkabäer! Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 23. Nov. Der „Vorwärts" schreibt: Eine Volksversammlung, einberufen von Adolf Hoffmann, zwecks Propaganda für Austritt aus der Landeskirche, tagte am 19. November in Keller's großem Saal. Anwesend waren etwa 1000 Personen. Eingangs gab Lindemann im Namen der Kommission für Agitation zum Austritt aus der Landeskirche den Rechenschaftsbericht vom verfloffenen Geschäftsjahr. Dann begann Adolf Hoffmann seinen Vortrag über: „Christliche Mucker und jüdische Heuchler." Redner verlas zunächst nach einigen einleitenden Worten einen Brief des Rabbiner Maybaum, der neben einigen Geistlichen der christlichen Konfession zur Versammlung eingeladen war. Der Brief lautet: „Sehr geehrter Herr! Ich beehre mich. Ihnen auf Ihre wiederholte freundliche Einladung, für die ich Ihnen bestens danke, schon heute zu antworten, daß ich in der von Ihnen auf den 19. einberufenen Volksversammlung nicht erscheinen werde. Was soll ich in einer Volksversammlung, in der über die Frage des Austritts aus der evangelischen Landeskirche verhandelt wird? Ich habe weder den Beruf, die Landeskirche zu verthcidigen, noch das Recht, gegen sie feindlich aufzutreten. Ich stehe auf dem festen Grunde der jüdischen Religion, und mir ist daher die Frage des Bekenntnisses nicht von solcher Wichtigkeit, wie die Bethätigung wahrer Menschenliebe, von der allein wie das irdische Glück so die ewige Seligkeit abhängig ist. Was soll ich also in der Versammlung? Bekennen Sie sich zur evangelischen oder katholischen Religion, oder seien Sie meinetwegen Dissident: Wenn Sie nur Ihren Nebenmenschen lieben und diese Liebe nicht blos im Munde führen, sondern tagtäglich durch Ihre Lebensführung beweisen, so sollen Sie mir lieb uud werth wie meine Glaubensgenossen, wie meine Brüder sein. Empfangen Sie die Versicherung vorzüglichster Hochachtung, mit der ich bleibe Ihr ergebener Dr. Maybaum." In längeren Ausführungen bemühte sich mm der Redner den Widerspruch zwischen dem Beruf und der Rede des Rabbiners Maybaum am Grabe des Justizrath Levy nachzuweisen. Die Diskussion war eine sehr anregende, da von einigen Rednern gegen die Stellung des Referenten polemisirt wurde. Die „Post" berichtet hierüber:Dissidentischsozialstisches. „Macht hier auf Erden Euch das Leben schön. Kein Jenseits giebt's, kein Wiedersehn," diese sozialdemokratisch-atheistische Melodie wurde gestern Abend in einer Volksversammlung von „Dissidenten" wie sich die Gefolgschaft des sog. Zehngebote-Hoffmann trennt, in allen Tonarten variirt. Hoffmann hatte sich die Aufgabe gestellt, den vom Rabbiner Dr. Maybaum in die Welt gesetzten Jrrthum, als verlange er nur den Maffenaustritt aus der evangelischen Kirche, wieder aus der Welt zu schaffen. Das versuchte er, indem er seinem Referate das Thema „Christliche Mucker und jüdische Heuchler" zu Grunde legte. Es läßt sich nicht leugnen, daß der Mann es in der Fähigkeit, jeden religiösen Glauben in gemeinster Weise zu beschimpfen und in dieser Hinsicht den Geschmack einer sittlich verkommenen Zuhörerschaft vortrefflich zu befriedigen, schon recht weit gebracht hat. Die anwesenden Männer und Frauen, namentlich die letzteren, kamen aus dem Grinsen gar nicht heraus, welches der fade Poffenreiser durch seine Blasphemien auf ihre Gesichter zu locken verstand. Es bedarf natürlich keiner besonderen Erwähnung, daß die große Mehrheit aller gottgläubigen Menschen nach Ansicht des Dissidenten — soll heißen Sozialdemokraten — Hoffmann aus den elendsten Heuchlern besteht, und daß sämmtliche Kirchen und Synagogen leer stehen würden, wenn alle, welche die Reliigon nur als Geschäftssache betrachten, aus der Kirche austreten würden. Letzteres herbeizuführen, hält Hoffmann für seinen „Beruf" und er ist der Ueberzeugung, daß der Berliner Magistrat ihn in der Erfüllung desselben dadurch wesentlich unterstütze, daß er der Schuldeputation das Recht, Dissidenten wegen Fernhaltens ihrer Kinder vom Religionsunterricht zu bestrafen, abgesprochen habe.

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